Lenophon.
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auf das Grenzgebiet zwischen Philosophie und Politik verwies (vgl. Spcngel, Jsokratesund Platon, in den Abhandlungen der philos.-philol. Classe der bayr. Akademie derWss. VIl. 731 ff.). Und diese Stellung wählte Jsokrates selbst. Als Rhetor hat erauch wirklich seine Stelle ansgcfüllt. Er selbst zwar wollte nicht Rhetor, sondern Philo-soph heißen; allein Philosophie war ihm eben nicht Spccnlation oder dialektische Ermit-telung der Wahrheit, sondern vielmehr für die Seele, was die Gymnastik für den Körperist, sie war ihm die Anleitung zu richtigem Denken, Reden und Handeln
in besonderer Anwendung auf das Leben im Staate, wobei dann doch die kunstgerechteRede das Entscheidende ist. Denn nur so schien die Nedegabe, das edelste und mensch-lichste Geschenk der Natur, das ihrer allein würdige Ziel zu erreichen, daß derMensch im Bürger sittlich gebildet und der Staat zu einer Schule des Rechtsund der Tugend gemacht werde. Bei solcher Auffassung aber wandte sich seinganzer Zorn gegen die dialektischen Wortgefechte der Sophisten, vor denen er dieJugend nicht nachdrücklich genug warnen zu können glaubte. In einer direct gegensie gerichteten Rede tadelt er diese Marktschreier, die alles versprechen und so wenigleisten, deren Windbeutelei (rkyHykl«) von dem ernsten Streben nach Wahrheit ablenkeund für das Leben gar keine, für die Schule nur sehr geringe Bedeutung habe; Gegen-stand wirklicher Erziehung mäße die Vorbildung für das Leben im Staate sein, dieUebung in den Kenntnissen und Fertigkeiten, deren sicheren Gebrauch dasselbe verlangt,wobei es übrigens besser sei, über Brauchbares einer ausreichenden, als über Unbrauch-bares einer gründlichen Beurtheilung fähig zu sein, in großen Dingen sich nur wenigauszuzeichuen, als in kleinen und für das Leben unbrauchbaren groß dazustehen.
Indem nun aber Jsokrates die Dinge des Staatslebcus, die Politik, der kunst-mäßigen Rede als den allein würdigen Inhalt gab, wurde für ihn die Rede ganz entschiedenStaatsrede (loyos no1-r->-ox); ihr wandte er dann auch als Lehrer wie als Schriftstellerseine Kraft zu, sie zu pflegen wurde die Aufgabe seiner Schule. War sie in den Histo-rikern noch in engem Zusammenhänge mit den erzählten Thatsachcn erschienen, so wurde siedurch Jsokrates in bewußtvoll ausgebildeter Kunstform zur Selbständigkeit erhoben undtrat so als besondere Gestaltung in die Mitte zwischen Historie und Rhetorik. Daß eraber bei so energischer Hinwendung auf das Staatsleben nicht selbst in das Staatslebeneintrat und darin Geltung zu gewinnen strebte, sondern auf den Unterricht in der Schulesich beschränkte, das ist von jeher und bereits von ihm selbst aus dem Mangel an dernothwendigen Ausrüstung mit Körperkraft und Seelenstärkc erklärt worden. An Muthzwar fehlte es ihm nicht: er hatte es gewagt, für seinen von Kritias bedrohten LehrerTheramenes mannhaft einzutreten, und am Tage nach des Sokrates Hinrichtung war eröffentlich in Traucrkleidern erschienen; aber er besaß doch die zähe Ausdauer des De-mosthenes nicht, der durch Ungunst der Natur und der ersten Mißerfolge so wenig imAufstreben zu den höchsten Zielen gehindert wurde, daß er vielmehr das Außerordentlicheerreichte. Und so blieb er doch lange Jahrzehnte Mann der Schule, leistete aber alssolcher auch wieder so Großes, daß ebenso sein Ehrgeiz wie seine Vaterlandsliebe volleBefriedigung finden konnte.
Er hatte im peloponnesischeu Kriege sein ererbtes Vermögen verloren und dannzunächst, nach dem Beispiele des Lysias und anderer Redner, für Geld Reden geschrieben;weil er aber damit in mancherlei Verlegenheiten gerieth, hatte er dieses Geschäft aufge-geben und rhetorische Lehrbücher verfaßt, und dies war für ihn Ucbergang zu eigentlicherLehrthätigkeit geworden. Wir wissen nicht, warum er damit in Chios den Anfang machte.Geschah es, weil er am Anfänge noch sich schämte, in Athen für Lehrgeld zu unterrichten?Aber er fand in Chios nur neun Schüler, und erst als er sich entschlossen hatte, inAthen die Beredsamkeit zu lehren, brachte er es zu lohnenden Erfolgen. Eigenthümlichgenug war nun hier seine Thätigkeit. „In seinem Hörsaal hatte er sich seine Schaubühnegeschaffen; hier entfaltete er das geräuschlose Walten eines Lehrers und Erziehers; voniher giengen von Zeit zu Zeit seine in Formen von Reden geschriebenen Abhandlungen