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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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579
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Württemberg, das höhere Schulwesen. 579

jreff der evangelischen Seminare. Stuttgart 1849). Möge die Weisheit der leitendenBehörden über dem alten Ruhm unseres Schulwesens auch in diesem Stücke wachen!

In Bezug auf die Schluß Prüfung, welche die Pforte zu den Univcrsitätsstudicnöffnet, sind wir im Begriff zu der in Norddeutschland üblichen Form der Abiturienten-prufung überzugehen. Die von unserem geehrten Herrn Mitarbeiter oben für die bis-herige Art der Maturitätsprüfung geltend gemachten Gründe scheinen auch uns gewichtigzu sein; allein wir erkennen andererseits den Werth der Uebereinstimmung unserer Ein-richtungen mit denen des deutschen Reichs in dieser wichtigen Angelegenheit gerne anund wissen hauptsächlich die Verbesserungen in einigen bedeutenden Einzelpuncten zuschätzen, welche wir ohne diese große Veränderung vielleicht nicht so bald gewonnen habenwürden. Dabei setzen wir allerdings voraus, daß über die Frage, ob ein Abiturientungeachtet des in einzelnen Puncten unbefriedigenden Ergebnisses seiner Prüfung ausRücksicht auf seine sonstigen Leistungen, auf die Hosfuuugen, zu denen er berechtigt, aufdie Verhältnisse, in denen er sich befindet, zürn Studircrr zu ermächtigen sei, die Prüfungs-commission, die ihn am besten kennt, unter dem Vorsitze des Regiernngscommissärs undunter der Bedingung der Genehmigung von Seiten der Oberbehörde zu entscheiden hat(vgl. d. Art. Maturitätsprüfung Bd. VI. S. 600 f.).

Während wir nun aber in Betreff wichtiger Puncte uns für das Festhalten an derwürttembergischen Tradition aussprechen, womit wir der Fortbildung des geschichtlichGegebenen keineswegs entgegentreten möchten, wünschen wir, daß auf einer anderen Seitesich vielmehr eine constantcre Ueberlieferung bildete. In den mittleren Gymnastalclassenund den lateinischen Schulen herrscht eine gewiße Uebereinstimmung in der Methode,ans welche die von der Oberbehörde angeordneten Revisionen und wohl noch mehr diegemeinsame Centralprüfung einen regulirenden Einfluß haben. In den oberen Elastendagegen sind die Ansichten über das, was in den verschiedenen Fächern und wie es auf deneinzelnen Stufen zu erstreben sei, weniger ausgeglichen; die gymnasiale Methode,ihr Unterschied von der akademischen, ihr Herauswachsen aus der elementaren, das alleswird in den betreffenden Kreisen weniger erörtert; der einzelne Lehrer arbeitet mehr aufeigme Hand; eine harmonische Behandlung der wichtigsten Unterrichtsgegcnstände, wiesie ohne Schädigung des Rechts der Individualitäten möglich ist, findet sich seltener.Wenn alle Lehrer mehr bemüht wären, die alten Klassiker in der Schule nach den Grund-sätzen zu behandeln, wie sie z. B. der treffliche Nägelsbach in dem ArtikelElastischeSchullectüre" aufgestellt hat, so müßte die Liebe zu Homer, zu Sophokles, zu Tacitus,Horaz u. s. f. unter den Schülern weit allgemeiner sein und sie weiter ins Leben hineinbegleiten, so würde das Interesse für die Sachen auch das für die Sprachen weit mehrvertiefen, so würde eine größere Zahl von unseren Jünglingen für ideale Bestrebungengewonnen und auch von hier aus mit edler Gesinnung erfüllt werden; wenn die Schülervon den unteren Elasten bis in die höchsten gewöhnt würden, das im Unterricht Vorge-kommene mehr und mehr frei zu wiederholen und sich darüber im Zusammenhang aus-zusprechen, so würden die schwäbischen Zungen allmählich gelöster werden; wenn im mathe-matischen Unterricht Vortrag und Einübung die einzelnen Schüler der Elaste möglichstgleichmäßig mithereinzöge, so würde auch in dieser wichtigen Disciplin im allgemeinenHöheres geleistet werden; wenn die Mahnungen zum collegialen Zusammenwirken, wiesie z. B. unser ungenannter Mitarbeiter in dem inhaltsreichen, aber einschneidendenArtikelLehrercollegium" an die Lehrer gerichtet hat, mehr beachtet würden, so müßtebas in der Blüte unserer Anstalten die erfreulichsten Früchte tragen. Ein Fortschritt inder Richtung auf die norddeutsche Sitte, nach welcher die Vorstände bei Erledigung vonStellen an ihrer Anstalt nicht ohne geordneten Einfluß auf deren Besetzung sind, möchtetvohl auch von guten Folgen sein.

Zum Schluffe sprechen wir noch in Bezug auf die Lehrer an der höheren Schule wiedie an der Volksschule aus, daß es in unseren Tagen infolge des bedrohlichen Lehrermangelsmehr und mehr dringlich wird, altes Unrecht zu sühnen, indem man ihre Stellung und