Waisenhäuser. ZJI
mir unvollständig zu erlangende. Doch bieten gutes Material zur Geschichte der Waisen-häuser seit den früheren Jahrhunderten des Christenthums ckö Csruuäo in seinem auchsonst sehr belehrenden Werke Vs In disukuisiwss xullligus I. II. und Kroger inseinem Archiv für Waisen- und Armcnerziehung, 2 Bdchn. (Hamburg 1835 und 38).Was wir nun im Folgenden darbicten, kann nur als ein Versuch gelten und wird demKundigen mancherlei Lücken zeigen; doch wird darin vielleicht ein Fachwcrk zu erkennensein, das Ergänzungen erleichtert, zu Berichtigungen anregt und Erweiterungen nichtausschließt.
Waisenpflege ist, wie leicht zu denken, schon in sehr früher Zeit als Bedürfniserkannt, aber in Wahrheit erst sehr spät, erst unter dem Walten des christlichen Geistesin größerem Umfange als eine heilige Pflicht aufgcfaßt worden. Bekannt ist die rührendeStelle der Ilias XXII, 490 fs., in welcher Andromache das harte Loos des verwaistenSohnes mit schmerzvoller Seele schildert, lieber die Veranstaltung Solons, wornachdie Kinder der im Kampfe für die Vaterstadt gefallenen Athener auf Kosten und unterAufsicht des Staates erzogen werden sollten, s. oben Bd. VIII. S. 864. In den seit-Nerva und Trajanus für Italien getroffenen Einrichtungen zu ausgedehnterer Waiscn-pflege darf man zunächst nur einen Versuch erkennen, der in beunruhigendster Weise zu-nehmenden Entvölkerung des Landes vorzubcugen; aber es hat immerhin etwas für sich,was bereits Muratori in s. Lxorions äsllu luvol-r Vrujunu (Florenz 1749) alswahrscheinlich bezeichnet hat, daß in diesen längere Zeit fortgesetzten Maßregeln, wie inmancherlei andern Verfügungen der Gesetzgeber jener Periode, auch die stille Macht derchristlichen Wahrheit sich wirksam erwiesen habe. Vgl. OIiumpuZm^, VssLmtonins I.242 ff. und 6. Lslimiäi, vssui trist, sur In soslsts äuns 1s moncks ronmin 426 ff.Sonst ist über diese Alimentationsanstaltcn auf die Arbeiten von F. A. Wolf, Paufler,Francke, Hcnzen zu verweisen, denen in neuester Zeit Kratz mit seiner Abhandlung VsdeneLoiis u llrujkmo uliisgus ImpsrutoriduZ in pusros xusllusgus inopss eollutis(Köln 1871, 4) sich anreiht.
Die Fürsorge, welche das Christenthum von Anfang an den Waisen widmete,knüpfte an die Vorschriften des Alten Bundes an. Schon das mosaische Gesetz hatte jadie Waisen wie die Witwen unter Gottes unmittelbaren Schutz gestellt und diejenigen,welche sie kränken und bedrängen würden, mit schweren Strafen bedroht (2 Mos. 22,22; 5 Mos. 24, 17; 27, 19); die Psalmisten sind jenen Vorschriften gefolgt (82, 3)und die Propheten reden in demselben Geiste (Jes. 1, 23; 10, 2; Jcr. 7, 6; 22, 3;Mal. 3, 5). Aber das Christenthum faßte die Aufgabe der Waisenpflege in größeremStile. Was Jacobus 1, 27 ausgesprochen hatte, das fand in den zunächst folgendenJahrhunderten eine überaus erfreuliche Beachtung. Witwen und Waisen, der Stütze desGatten und des Vaters beraubt, sollten in der Gemeinde eine sie versorgende Familiehaben, sie sollten, nach einem Ausdrucke der apostolischen Constitutionen (11, 26), einenerhöhten Platz im Tcnipel Gottes cinnehmen, denjenigen aber, welche Waisen in ihreHäuser ausgenommen hätten, wurde empfohlen, sie lieber mit den eigenen Kindern alsmit Fremden zu verheiraten, um ihnen so den Halt eines Familienlebens zu sickern(ebd. IV. 1). Es begreift sich, daß unter den Schrecken der Verfolgungen Verwaistemit besonderer Theilnahmc betrachtet und den Blutzeugen durch den Gedanken, daß ihreKinder nicht würden verlassen sein, die letzte Stunde besonders erleichtert wurde (Vaetunt,.Inst. VI. 12). Von dem Asceteu Seleucus wissen wir, daß er sich ganz dem Diensteder Frauen und Kinder widmete, deren Gatten und Väter durch die grausame Hand derVerfolger hinweggerissen waren; er blieb ihr Versorger und Vater, bis er selbst seinenGlauben durch den Märtyrertod besiegelte (Vussd. äs wart, vulusst. 11). Fand sichniemand, der eines verwaisten Kindes sich annahm, so hatte der Bischof, dem auch dieDbhut der ausgesctzten Kinder anbefohlen war, die Fürsorge zu übernehmen. Sckon indm apostolischen Constitutionen heißt es (IV. 2): „Ihr Bischöfe, tragt Sorge für dieWaisen, seht zu, daß ihnen nichts fehle, laßt den Jüngling ein Handwerk erlernen,