Wahrhaftigkeit.
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richtigem Geständnis non Vergehungen ist selbstverständlich auch geeignet, die Lüge, dieja meistens eine Tochter der Furcht ist, zu ersticken. Das Kind, welches weiß, daß esum die in Abwesenheit der Eltern zerschlagene Fensterscheibe bis auf das Blut gezüchtigtwird, glaubt sich im Stande der Nothwehr, wenn es die Thäterschaft in Abrede stellt.Wo Strafe erforderlich ist — denn sie kann natürlich auch dem aufrichtigen Kinde nichtimmer erlassen werden, weil sonst die Aufrichtigkeit Mittel der Spekulation und aufBegnadigung hin dreist gesündigt wird — da muß mit der Strenge doch Liebe, nament-lich auch liebevolles Eingehen auf den Seclenzustand des Kindes sich paaren, so daßdasselbe sich gewöhnt, den Erzieher mit seinem eigenen Gewissen zu identificiren undAufrichtigkeit gegen denselben ihm zum Herzensbedürfnis wird. Von der Wahrhaftigkeitdes Erziehers giengcn wir aus, bei der Liebe sind wir angekommen. Wiederum das ganzeGeheimnis der Erziehung (s. oben).
Von theoretischen Erörterungen über die Pflicht der Wahrhaftigkeit und die Ver-werflichkeit der Lüge darf man sich, wie schon angcdeutet, nicht zuviel versprechen. Diesie am meisten beherzigen sollten, sind in der Regel am geneigtesten, mit tauben Ohrenzu hören. Indessen ist andrerseits die Bedeutung der Ermahnung und Warnung, desanerkennenden und verwerfenden Urtheils auf diesem Gebiete auch nicht zu gering anzu-schlagen, schon darum nicht, weil ja eine Hinleitung zur Wahrhaftigkeit und ein Kampfgegen die Lüge ganz ohne darauf bezügliche Worte gar nicht denkbar ist. — Es fragtsich nun, in welcher Weise und von welcher Seite man je nach den verschiedenen Alters-und Entwicklungsstufen dem Zöglinge die Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit am wirksam-sten wird darlegen können. Für das Kind sind begriffliche Entwicklungen objektiverGründe ebenso unverständlich, als überflüssig. Es genügt vollständig ihm zu sagen:„Die Lüge ist etwas sehr böses und arges, von Gott verbotenes, allen guten Menschenverhaßtes. Wer lügt, hat ein böses Gewissen und kann nie recht vergnügt sein,nicht aufrichtig zu Gott beten, man kann den Lügner nicht lieb haben, und er zeigt,daß er die Seinen nicht lieb hat, denn er betrübt sie aufs äußerste." — DergleichenHinweisungen auf die Trübung des innigen Verhältnisses zu Gott und zu den Nächstenmachen auf unverdorbene Kinder wohl am sichersten Eindruck, denn um der Liebe willen,der Liebe, die ihm cntgegengebracht wird, wie der, die es selber empfindet, widersteht dasKind am ehesten der Versuchung, die Unwahrheit zu sagen, besonders wenn sich zu derLiebe noch Ehrfurcht gesellt. Wie häufig ist der Fall, daß dasselbe Kind, welches anderenPersonen gegenüber, z. B. in der Schule, die Lüge nicht scheut, doch gegen seine Elternaufrichtig ist; wie oft wird der eine Lehrer von denselben Knaben belogen, welche einemandern gegenüber mit der Wahrheit nicht leicht zurückhalten!
Begreiflicherweise wird für Vorstellungen der bezeichnten Art auch das Knabenalternoch zugänglich sein, und zwar um so leichter, je besser die Erziehung auf der erstenStufe der Kindheit gelungen ist. Freilich muß die Liebe, bas Vertrauen, die Ehrfurcht,die Frömmigkeit, an die man anknüpft, auch wirklich vorhanden sein, und nicht irriger-weise oder bloß der Phrase wegen vorausgesetzt werden. — Hinzukommt für denKnaben namentlich die Berufung an das Ehrgefühl, das auf dieser Stufe schon einiger-maßen entwickelt zu sein pflegt. Daß der ertappte Lügner eine klägliche Rolle spielt,empfindet jeder Knabe, daß das Schimpfliche nicht in dem Ertapptwerden, durch welchesja seinerseits nichts neues hinzu kommt, sondern in der Handlung des Lügens selbstliegt, läßt sich ihm schon klar machen. Wie oft Ehrgefühl vom Lügen zurückhält, erkenntman deutlich aus der Erfahrung, daß Schüler, welche gewiße Lügen, die sie nach fälsch-lichen, in ihren Kreisen verbreiteten Vorstellungen nicht für unerlaubt, oder wenigstensnicht für schimpflich halten, sich durchaus nicht scheuen, doch sofort die Wahrheit sagen,sobald es sich um etwas handelt, das abzulengnen auch nach ihren Begriffen ehrlos ist.Derselbe Knabe, der bestreitet, einem andern bei der Arbeit behülflich gewesen zu sein,meldet sich vielleicht, wenn unter Hinweisung auf die Feigheit des Vcrschwcigens gefragtwirb, wer diesen oder jenen muthwilligen Streich ausgeübt habe, sofort als Thäter, und