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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Wagner.

graphie soll der Elemcutarschüler bloß durch blinde Angewöhnung lernen, so lange unsereSprache nicht ans einer Regeneration ihrer selbst sich eine natürliche Orthographie ge-geben hat. ES ist völlig sinnlos, dem Schüler orthographische Regeln auszusprechcn;höchstens kann man ihm ans die Umlaute hindcnten" (S. 43. §. 33. Anm.).Beidem Schreibunterricht hat der Lehrer ans Richtigkeit der Züge recht sehr, auf Schönheitderselben aber gar keine Rücksicht zu nehmen. Die Richtigkeit der Schriftzüge beruhtauf dem streng durchgeführtcn Gegensätze der senkrechten und schiefen Grnndzüge in ihrenWinkeln, und auf der winkelsreien Darstellung des Runden und Halbrunden in derSchrift. Reinliche Vorschrift und Uebung thut hier alles" (S>. 43. §. 32. Anm.).Jetzt entsteht die Aufgabe, das Gesprochene und Geschriebene in die geistige Gewalt desKindes zu bringen, dadurch daß mau cs lehrt, das Gesprochene und Geschriebene aus-einander zu legen und auf mehrfache Weise wieder zu verbinden. Das ist der Begriffdes Elementarisirens. Die Uebnngen des Elcmcntarisircns sind so einzurichtcn, daß derGeist des Kindes durch dieselben nach seinen eigenen Stufen emporgehoben und nachseinen eigenen Formen entwickelt werde. Für die Cultur des Gedächtnisses, als einesVermögens zu besitzen, ist dann die erste Regel, daß man mit vollkommener Freiheit nurdas besitzt, was man selbst erworben hat. Man lasse also das Kind seine selbst gemach-ten Erzählungen und Beschreibungen nun schreiben und erweitere die ihm heimische Le-benssphäre allmählich mit neuen verwandten Gegenständen. Das gicbt Anlaß, in einerReihe von Paragraphen (§. 35 bis 67) eine Anweisung zur Behandlung solcher Auf-sätze zu geben, welche manches interessante bietet, aber keinen Auszug gestattet, denn esist selbst schon in knapper Form gegeben. Eine für alle Aufgaben dieser Stufe für denLehrer brauchbare Formel ist in8 Fragen" ausgedrückt: 1) Tie nächste allgemeine Be-nennung des Dings, 2) die höhere (und höchste wenn man will) allgemeine Benennung,3) die sinnlichen Bestimmungen des Dings, 4) die äußere Geschichte des Dings in demWechsel seiner Zustände, 5) das Wirken des Dings (in seinem Dasein, Thun, Machen,Arbeiten oder Nutzen), 6) der Inhalt des Dings (Wesen und Nebenbestimmungeu),7) Art und Ordnung dieses Inhalts, 8) Zahl und Maß desselben. Tic Beispielescheinen leider nicht eben alle praktisch gewählt. An die 8.Frage" schließt sich dann dieVorschule für Arithmetik und Geometrie, welche Wagner in einem besondern kleinenBuche behandelt hatte, nemlich in der oben angeführten Elemcntarlehre der Zeit- und Raum-größen. Wir können ihm aber hier nicht folgen, aus dem Grunde, weil, wie denn auchseine besten Freunde ihm gestanden haben, daß sie seine Mathematik nicht verstünden,wir durchaus nicht abschen können, wie Kindern dieses Gedankenspiel irgend verständlichund fruchtbar zu machen wäre. Damit stimmt das Urtheil vielseitig gebildeter Mathe-matiker überein, und so möge diese Frage ruhen?) Folgt dann eine Religionslehre, inwelcher Gott den Kindern als ein liebevoller, aber ernster Hausvater dargcstellt, und dieGeschichte Christi, die sie nicht in der Bibel selbst lesen sollen, im Auszuge mündlichgegeben wird. Es wird vorausgesetzt, daß die Kinder früh zum Gebet gewöhnt wordenseien,ohne welches keine Erziehung menschlich gedeihen kann" (§. 100. Anm.). Diesessoll an keine Anßenform gebunden sein, obgleich es, wenn mehrere Kinder zusammenbeten oder der Lehrer mit einem Kinde betet, Worte annehmen muß. So sehr diefolgenden Anweisungen zum Unterricht im Sehen, beziehungsweise Zeichnen, und imHören, beziehungsweise Singen, an einer argen Verkennung der Capacität dieser Stufeleiden (es wird an die Tafel geschrieben:die Schwingungen der halben Saite sind noch

*) Soeben wird Ref. daran erinnert, daß der berühmte Langsdorf in Heidelberg alsProfessor der Mathematik sich ganz besonders für Wagners mathematische Philosophie iutercssirthat und seine Vorlesungen regelmäßig besuchte; ferner daß das Lehrbuch der Arithmetik vonThcod. Wittstein (Hannover 1846) Wagncr'sche Gedanken verarbeitet habe. Die Vorrede diesesrortrefslichi-n kleinen Werkes nennt übrigens ausdrücklich Herbart als den Gewährsmann fürdie Erkcnmtnis der Zahl als einer Neihenform, und deren psychologische Nachweisung.