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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Wagner.

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thnt cs. Dabei nehme sic Gelegenheit, ihm zu verstehen zu geben, daß etwas unsicht-bares sei, dessen Liebe wir alle genießen und dessen Ansehen wir fürchten. Sic lehredas Kind ein Wesen unbestimmt ahnen, das ihm wie Vater und Mutter sei und dochüber Vater und Mutter noch stehe. Und wenn das Kind fragt, wo dieses liebend ernsteWesen sei, soll sie nur getrost sagen: im Himmel. Auch die Idee des Anschauungs-unterrichts hat Wagner bereits; er verlegt denselben mit gutem Grund in die Muttcr-schulc, welche das Kind bis znm vierten oder fünften Jahre halt, und zwar sind seineGedanken, vielleicht durch die Wechselwirkung mit jenem braven Herrn Tondu, sichtbarvon Pestalozzi beeinflußt. Das Kind lernt, noch bevor eS den wichtigen Schritt thnt, ichzu sagen, eine Menge Dinge kennen; die Mutter leitet cs an, sic zu benennen, sie lehrtes eine weitere Welt, als die unmittelbare Umgebung, aus dem Bilderbuch kennen underzählt ihm, und lehrt das Kind, kindlich zu beschreiben und zu erzählen, wozu es uoth-wendig auch zählen und messen im allcreinfachsten Sinn des Wortes gelernt haben muß.Es ist dem Vers, klar, daß die Muttersprache, welche einem Kinde bcigebracht wird, durch denGeist einer nationalen Weltansicht das Kind selbst für seine ganze Zukunft geistig präoc-cupire.Daher sollte Kindern aller Nationen nur die universellste aller lebenden Sprachenals Muttersprache bcigebracht werden, eine Forderung, die der Deutsche wenigstens da-durch befriedigen kann, daß er sein Kind, so lange es Kind ist, nur deutsch reden läßt. DerAusländer mag zuscheu, wie er bei seiner Muttersprache cs späterhin dahin bringt, durchErlernung des Deutschen seine nationale Beschränktheit abzustrcifen." S. 21. H. 8.Auch auf die Gefahr hin, daß er dem Ausländer ein Lächeln abgewännc, möchten wirdiesen Passus nicht unterdrücken. Zeigt sich nicht Wagner auch hier wieder wie einProphet? Dieses naive Selbstbewusstsein, welches sich um der andern Nationen Nrthcilnicht kümmert, war zu jener Zeit wohl selten genug, und diese Sicherheit im Bewußt-sein der Universalität des deutschen Geistes nnd der deutschen Sprache so rücksichtslosausgesprochen ist doch im Grunde ein Ergebnis der neuesten Zeit!

Hat nun die Mutter gcthan, was die Mutterschulc von ihr fordert, so beginnt diePeriode der eigentlichen Schule und zwar zuerst der Elementarschule, welche zunächstder Vater, als welcher dem Kinde am verständlichsten ist, halten sollte. Kanu er diese Pflichtnicht erfüllen, so tritt der Elemcntarlchrer an seine Stelle; er erkenne aber vor allem, daß cshier nicht allein nm Lernen zu thun sei, sondern um eine Fortsetzung der Erziehung zuallseitiger Menschheit. Die mütterliche Pflege dauert fort. Die Elementarschule istübrigens ganz geeignet, als Institut organisirt zu werden, nur daß ein Ehepaar diesemInstitut vorstehe: die Gattin hat die Pflicht der mütterlichen Pflege, der Gatte hat dieväterliche Auctorität. Es darf aber nicht mehr Zöglinge enthalten, als die mütterlichePflege der Gattin des Vorstehers zu umfassen im Stande ist, denn je mehr sie an die-nendes Personal übertragen werden muß, desto mehr geht sie verloren (a. a. O. S. 12).Eine das Kind gänzlich umgebende Aufsicht, Auswahl der Gespielen, Anhalten zu einermit Erholung abwechselnden Beschäftigung, d. h. Angewöhnung zu einer bestimmten Rich-tung der Aufmerksamkeit und Verwendung seiner Kraft, und endlich VcrstandeSentwicklungsind die vier Puucte, auf die cs hier ankommt die beiden letzten specicll Gegenständeder Lehrthätigkeit. Die Mutterschulc hat dem Kinde sinnlichen Inhalt und den Ausdruckdesselben in der Wortsprache gegeben. Nun kommt es darauf an, die Formen zum Be-wußtsein zu bringen. Das Aussprcch en ist so einzuübcn, daß bei jedem Laute das Kindsich der Organe und ihrer Thätigkeit bewußt werde (S. 39. 8- 30). *) Es lernt dannfür jeden Laut ein Zeichen, welches man ihm verzeichnet, und welches es aussprcchenund mit dem Griffel nachzcichnen lernt. So lernt cs lesen nnd schreiben.Die Ortho-

*) Wer versucht wäre, hier ein Ausrufuugszeichen zu setzen, der gebe sich die Mühe, imersten Baude der Eucyklopädic S. 1öS den Schluß des Artikels Anhalt zu lesen. Solche For-derungen stellen allerdings nur Philosophen, und Wagner scheint hier immer noch minder an-spruchsvoll als dasmonotheletische System."