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Wagner.
Lehrer nach seinen Ansichten befassen, nnd so „dein Mangel an Anstalten für die Bildung
von GymnasiumSlchrcrn einigermaßen abhelfcn.Herr Tondn hatte seine erste
Bildung bei Pestalozzi erhalten, wo er Schüler nnd Lehrer gewesen war, und besaß auchganz die lobenZwürdige Eigenthümlichkcit der pestalozzischen Schule, mit Verlassung desSchlendrians durch Nachdenken über die Natur der Sache eigene Wege zu suchen. Zu-gleich versprach er, auch auf meine Ansichten einzugehen, und sein redlicher Eifer fürseinen pädagogischen Beruf ließ mich bei seinem übrigen sehr soliden Charakter das besteGedeihen der Sache erwarten. Dabei dachte ich noch aus mehreren meiner Zuhörer,die ich mit meinen Ansichten vertraut und für dieselben begeistert wußte, tüchtige Lehrerdes Instituts zu bilden" (Vorr. S. VI.). Allein die Errichtung des Instituts fand soviele Hindernisse, daß Wagner endlich das Ganze aufgab, und beschloß, seinen Unterrichts-plan zu einem Buche auszuarbciten. So entstand das schon 1819 (vgl. Wagners Reli-gion, Wissenschaft, Kunst und Staat, Erlangen 1819. Neue Wohls. AuSg. Ulm 1851.S. 287 ff.) angcküudigte System des Unterrichts.
Wenn mau dieses System nun näher betrachtet, findet man auch in der äußernForm einen bedeutenden Unterschied von der Philosophie der Erziehnngskunsi. Diese istin einem leichten, frischen und freien Ton geschrieben, die dem des Briefstils nahe kommt,jenes ist streng gegliedert, in der Tetrade: Mutterschule, Elementarschule, Kcnntnisschulcund Wissenschaftsschule (Universität) begriffen, und diese vier großen Capitel zerfallen inknappe Paragraphen, wie ein Leitfaden zu einer Vorlesung, mit Ausnahme der Ein-leitung, welche den Grund so feinfühlend und objcctiv und nnmittclbar ergreifend legt,daß man eigentlich bedauern muß, nicht in dieser Weise fortlescn zn dürfen. Gewiß wäredas Ganze wirksamer geworden und minder beeinflußt von dem Formalismus und Schema-tismus des Systems. Während einerseits nemlich das Verständnis für die Natur des Kindes,des Knaben und des Mädchens als ein bewundernswürdiges Resultat der geistigen Kraftund Erkenntnisfülle des Verfassers um so mehr erscheint, als ihm selbst in einer ganzunvergleichlich glücklichen Ehe mit der ihn so ganz verstehenden Jugendgeliebten dasGlück versagt war, eigene Kinder zu besitzen, so kann man allerdings im Verfolge derParagraphen häufig erkennen, daß er praktisch, von jenem verunglückten Plane an, Er-zieher eines noch nicht zweijährigen Philosophcnkindcs zu werden, niemals selbst Kinderoder Knaben unterrichtet hat, und eben nur als Universitätsprofessor der Philosophiethätig gewesen ist, was auch mit daran Schuld sein mag, daß das letzte Capitel des
Systems weit über die Hälfte des Ganzen einnimmt.
Die Erziehung und der Unterricht gehen einander parallel und beginnen auch zu-gleich. Die erste Schule ist die Mutterschule, denn die Mutter ist die erste Personbei dem Kinde, ihre Liebe fühlt cs, und diese Mutterliebe führt auch den Vater bei demKinde ein, welcher des Gesetzes Ernst vertritt. Denn wenn auch der Vater, von derVaterfreudc berauscht, seinem Kinde gleichfalls zuerst nur Liebe entgegenbriugt, sieht undfühlt das Kind doch das männliche Antlitz und hört die männliche Stimme, es wirdvon der männlichen Brust nicht gesäugt. Der Gegensatz zwischen Vater und Mutterwird schon dem Kinde fühlbar, die Liebe als Mutter, das Gesetz als Vater. — Für dieGeschlechter ergicbt sich weiterhin der Unterschied, daß bei dem weiblichen Kinde das Ge-setz erst von der Mutter in liebevolle Sitte übersetzt Eingang und Boden findet, die
Mutter also zwischen Tochter und Vater die natürliche Dolmetscherin bleibt, dagegen der
Knabe sich das mütterliche Gebot durch des Vaters Ansehen bekräftigen läßt. Darumist nie eine Mutter auf die Länge einem rechten Knaben gewachsen; und ein Vater, dereine mutterlose Tochter zu erziehen hat, wird sich, wenn er sie nicht verzärtelt, sehr oftvon ihr unverstanden sehen und mit blindem Gehorsam begnügen müßcn, den aber dieLiebe der Tochter erleichtert und zur freudigen Resignation macht. — Die Mutter istes, welcher die ersten Laute gelten, sie lehrt das Kind lallen und sprechen. Und sobalddem Kinde die Sprache der Mutter so verständlich ist, daß es in kindlicher Weise ant-worten kann, kann sie ihm ihre Liebe und des Vaters Ansehen auch aussprechen, und sie