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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Wagncr.

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cr sich, seiner Aufgabe, die Wissenschaft formal zu rollenden, gerecht zu werden, undseine Begeisterung, seine flammende Rede riß die Studirendcu und älteren Freunde hin;aber cs häuften sich auch Anfechtungen von Seiten literarischer Gegnerschaften. Schellingseinerseits stand nicht an zu äußern, er wolle nicht von Wagncr sprechen, um ihn nichtberühmt zu machen: cr ignorirte ihn völlig; das war freilich das Härteste, was Wagncrwiderfahren konnte. Tiefer sagte auch offen:Zwischen mir und Schelling ist ein in-neres Verhältnis absolut unmöglich. Er ist ganz Wissenschaft und weiter gar nichts, alswas sich damit noch verbindet, Ehrgeiz und Eitelkeit" (a. a. O. S. 219). Und später(1809):Schcllings scholastischen Plunder über die Freiheit :c. kenne ich nur aus deroberdeutschen Literatnrzcitung, denn ich kaufe und lese längst nichts mehr von ihm, weilich für alles, was er noch schreiben kann, den Inhalt zum voraus weiß. Er ist in derDialektik so erstarrt und erstorben, daß cr durchaus nichts mehr zu erfinden und zuschaffen vermag" *) (a. a. O. S. 237). Eine ganze Reihe von Werken Wagners istwährend der fünf Jahre dieses ersten Aufenthalts in Würzbnrg erschienen, namentlichaußer dem obengenannten Programm und dem System der Jdcalphilosophic noch einGrundriß der Staatswisscnschaft und Politik" (Leipzig 1805); das erste Heft einesJournals für Wissenschaft und Kunst (das. 1805), dessen Fortsetzung durch den Krieg ge-hindert wurde;Von der Philosophie und der Medicin" (Bamberg 1805);Ideen zueiner allgemeinen Mythologie der alten Welt" (Frankfurt 1808);Thcodicee" (Bambergund Würzburg 1809).

Im I. 1809 fiel Würzburg an den Großhcrzog von Toscana. Die Universitätwurde reducirt, die ganze theologische und philosophische Facultät aufgelöst, und auchWagncr mit Beibehaltung seines Gehalts, Titels und Rangs von allen akademischenFunctionen dispcnsirt. Schnell entschlossen wendete cr sich nach Heidelberg, suchte umdie Erlaubnis an, Vorlesungen halten zu dürfen, und erhielt sie auf der Stelle.

Er las hier über philosophische Mathematik und über Weltgeschichte vor einem auSgc-wähltcn Auditorium, und in dieser Zeit entstand sein Buch vom Staat (Erlangen 1811),und seine mathematische Philosophie (das. 1811). Schon in Salzburg hatte er (in derPhilosophie der Erziehungskunst) die Idee eines Zahlen- und Figureusystems durchblickcnlassen, welches in Entwicklung und Ausdehnung die Welt der Dinge wiedcrgcbe; später,als er die Schelling'sche Speculation verlassend anschaulich lebendige Erkenntnis in Welt-uud Naturgeschichte suchte, glaubte er in der vorhandenen Mathematik das, was beidengemeinsam beide organisire, gefunden zu haben.Wem klar wäre," sagt er,daß dasWesen überall eins sei und nur durch die Form eine Verschiedenheit annchme, und daßdiese Form die Identität vor und nach ihrer Entwicklung mit dem zwischen sie eintrctcn-den Gegensatz sei und nur durch Wiederholung dieser Form etwas anderes entstehe: derwürde einsehen, daß eine Entwicklung, welche bloß diese Form und ihre Wiederholungausdrücke, die Arithmetik sei, und daß das, was in der Arithmetik cntwicklungswcise ge-

habe. Als seine Grundgedanken bezeichnet er: Vom Absoluten sei keine Wissenschaft möglich, das-selbe mühe durch freie Anerkennung vorausgesetzt werden. Von der Idee der Gottheit mnßc alleEcnstruction erst anfangcn. sie selbst dürfe nicht in diese hiueingezogcn werden. Tic Philosophiesoll eine ans Religion ruhende, in Weltgeschichte und Naturwissenschaft anschauliche, durch dasin der Mathematik aufbcwahrte Weltgesctz organisirte Wissenschaft sein. Man könne sagen,Wagners Philosophie verhalte sich zu der Hegels, wie die pythagoreische zu der clcatischen.

*) Solche leidenschaftlich ungerechten Urtheile zeugen von der absoluten Unmöglichkeit derbeiden Männer, sich, zu vertragen. Beide waren erfüllt vom gewaltigsten Selbstbewusstsein: Schil-ling bekanntlich schon früh, noch als Knabe, von Eltern und Lehrern fast vergöttert; Wagner, wieHofsmann und viele andere ausdrücklich bezeugen, ebenfalls hoch getragen und verwöhnt durchdie begeisterte Verehrung und Bewunderung, die ihm seine flammende Beredsamkeit unwidersteh-lich erwarb, denn cr sprach hinreißend schön, stets frei, und war ein Meister der deutschen Redewie wenige. So erklärt sich die Bitterkeit, mit der er die stille Feindschaft des stolzen Geg-ners erwiderte.