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Wagner.
mit seiner Gattin auf dem Graben spazierte und doch etwas betreten war, als Wagnerauf ihn zugieng. Dieser aber faßte die Sache leicht, und bat ihn nur, ihm die 32 Laub-thaler, die er als Entschädigung auSschlage, als Darlehen zu gebeu.
Wagner blieb in Jena bis in den Juli. Er war aufs neue in recht bedrängtenUmständen; da übernahm er die ihm auf FichtcS Empfehlung angcbotene Ncdaction dervon Kaufmann LcuchS in Nürnberg herausgegcbcncn Haudelszeitung. Die außer-ordentlich mannigfaltige Thätigkeit, in welche er sich so plötzlich versetzt sah, uöthigte ihnzur Beschäftigung mit bisher ihm fern liegenden Studien der Handclswissenschaft, derTechnologie, der Physik und Chemie. Auch neuere Sprachen trieb er mit Leuchs, einemManne von Kopf und Welt, mit welchem er eng verbunden war; er aß an seinem Tische.Drei Jahre blieb er in Nürnberg. Dann aber sehnte er sich nach größerer Selbständig-keit und freierer Thätigkeit, und siedelte, nachdem er von seiner Stellung sich gelöst undmit seiner Verlobten hatte trauen lassen, im December 1801 als Privatgelehrter nachSalzburg über. Hier erwachte der feurige junge Mann zu neuem Leben; fleißigeMitarbeit an der Salzburger Literaturzeitung, freundschaftlicher Umgang mit hochgebil-deten Männern, öffentliche Vorlesungen, um welche seine Freunde ihn ersuchten, schrift-stellerische Arbeiten, die er ganz in Schellings Ideen eingehend und dieselben weiterzu führen strebend verfaßte, beschäftigten ihn vollauf. Hier entstand seine „Theorie derWärme und des Lichts" (Leipz. b. Breitkopf u. Härtel 1802), seine drei Bücher „Vonder Natur der Dinge" (das. 1803), sein Versuch „lieber das Lebenspriucip, und LorenzVersuch über das Leben, aus dem Französischen übersetzt" (das. 1803), dazwischen seinePhilosophie der Erzichungskunst, von welcher später die Rede sein wird.
Schelling entflammte damals die Geister; ein lebhafter brieflicher Verkehr zwischenbeiden Männern, der sich cntsponnen hatte, bezeugte damals noch die vollste gegenseitigeAnerkennung. Auf des schwäbischen Landsmanns besondere Verwendung, welche inMünchen viel galt, wurde Wagner im December 1803 als außerordentlicher Professorder Philosophie nach Würzburg berufen, wo auch Schelling lehrte.
Aber hier giengen die Wege beider auseinander. „Sind Sie Schelling?" fragteWagner unwillkürlich befremdet beim ersten Besuch; die Erscheinung und der Empfangdes Philosophen war anders, als das Bild, welches sich Wagner von ihm gemachthatte; — und Schelling seinerseits mochte seine Erwartungen nicht befriedigt fühlen;kurz, schon in den ersten vier Wochen wurde Schelling entschiedener Gegner Wagners,ihr gegenseitiges Verhältnis wurde ein äußerst gespanntes und zunächst entbrannte einglühender Wettstreit auf dem Katheder. Waguer sagte sich in einem Programme „lieberdas Wesen der Philosophie" (Würzburg 1804) und in der Einleitung zu seinem „Systemder Jdealphilosophie" (Leipz. 1804) gänzlich und entschieden von Schelling los. Erschreibt: „Ich habe mich überzeugt, daß in seinem System das nie lag, was ich hiucin-lcgte, so daß ich nun meine bisher gehabte Ansicht seines Systems wirklich als eine ihmganz fremde erkenne, seine Ansicht aber als den aufgewärmtcn Neoplatonismus strengverwerfe. Diese Verwerfung habe ich bereits auf dem Katheder ausgesprochen/"') Mansieht, gleich im Anfang seiner Laufbahn als akademischer Lehrer stellt sich Wagner durch-aus selbständig, und alle die haben Unrecht, welche ihn mit den Naturphilosophcn ausSchellings erster Periode ohne weiteres zusammcnwerfen.*) **) Von 1804 bis 1809 mühte
*) Adam und Kölle, Wagners Leben und Briefe. S. 220.
**) Neinhold (Gcsch. der Philosophie, 3. Aust. Band 2. S. 451) glaubte, Wagner habe mitseiner Abweichung von Schelling in der freien Anerkennung des Absoluten auch den pantheistischcnStandpunct verlassen. Mit Unrecht, wie Herbart (Werke 12. Band, Reccnsion von WagnersReligion, Wisscnsch., Kunst u. Staat) nachweist, und selbst L. NabuS anerkennt (Wagners Lebenund Lehre S. 76). Der Herbartiancr C. A. Thilo sagt irgendwo darüber: Wo der Satz gilt:Bestimmtheit ist Negation, da ist Spinozismus, und wo Spinozismus, da ist Pantheismus. —H. C. W. Sigwart (in seiner Gesch. d. Philos. Tüb. 1844. Bd. 3. S. 296) erkannte ebenfalls,daß Wagner zwar aus Schellings Schule hervorgcgangen sei, aber bald seinen eigenen Weg betreten