Wagner.
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stellerei zu entsagen, bis er in sich gereifter geworden sei, und machte ihm am Ende einenVorschlag, der es wohl verdient, daß wir ihn mit Fichtes eigenen Worten kennen lernen.Er schrieb ihm am Ende Oktober 1797: „Sie haben sich mir nun gezeigt, es ist IhnenErnst um Ihre Bildung. Sie gaben der Wahrheit Raum. Ihr Charakter verdientmeine Hochachtung, und ich nehme von diesem Augenblick an den zärtlichsten Antheil anIhren Schicksalen. Einer Hofmeisterstelle hatten Sie selber in Ihrem vorherigen Briefegedacht. Den Hauptvortheil bestimmen Sie selbst sehr richtig: mit Kindern Ihre Be-griffe entwickeln zu lernen und auch wieder einmal im Schoß einer Familie zu leben . . .Und jetzt zu meinem Vorschläge: Wenn Sie nichts besseres wissen, so kommen Sie zuOstern k. I. gerade zu mir selbst. Mein Knabe*) wird zwar dann erst st» Jahr altsein; um daher das Befremdende dieses Antrags zu mildern, muß ich Ihnen vorläufigeinige meiner Erzichungsmaximen mittheilcn. Meine Hauptregel ist, daß das Kind beimersten Erwachen seiner Vernunft gleich als völlig vernünftig behandelt werde, daher un-ablässig in verständiger und gesetzter Gesellschaft sei, die sich mit ihm unterhalte, als obes selbst verständig sei. So wird er es. Dann, daß er zuerst mit der reellen Weltbekannt gemacht werde, ehe er in die trockenste aller Zeichenwelten, in die des todtenBuchstabens, eingeführt werde. Dann, daß er diese Bekanntschaft auf die einzige frucht-bare Weise mache, auf die praktische. Mein Knabe soll vor allen Dingen die Welt, dieihn umgiebt, nach Zeichen und Gebrauch kennen und mit den Dingen alles machen, wassich mit ihnen machen läßt. Dies Geschäft anzufangen ist das Kind reif, sobald esgehen und einige artikulirte Töne, als Zeichen bestimmter Gegenstände, aussprechcn kann.Dies wird, rechne ich, mein Knabe dann können. Wollen Sie diesen Knaben ins Lebeneinführen —> und dabei sich selbst? (Göthe sagt darüber in Meisters Lehrjahren einsehr wahres Wort, das Ihnen vielleicht nicht entgangen ist.) Ich würde Ihnen nicht,und keinem Menschen, dieses Geschäft abtreten, wenn ich und mein Weib und der Knabeselbst davon leben könnten. Schreiben Sie mir hierüber Ihre Gedanken und ich theileIhnen dann meine bestimmteren Gedanken über meinen Erziehungsplan mit, über wel-chen wir vorher völlig einverstanden sein müßen. lieber die äußeren Bedingungen wer-den wir hoffentlich am leichtesten fertig werden, denn Sie werden nicht mehr wünschenals Sie bedürfen, und ich werde dies nicht verweigern. Nur dies habe ich noch zu er-innern: durch dieses Geschäft bei mir würden Sie nicht auf längere Zeit gebunden, alsIhre Lust und Laune Sie hielte, denn Veränderung deS Leiters ist gar nicht gegenmeinen Plan."
Wagner, den Umgang mit Fichte im Auge habend, nahm den Vorschlag unbedenklichan. Eine Hofmeisterstelle in Bremen, eine solche in Schlesien, eine Stelle am Päda-gogium in Halle unter Niemeyer hatte er ausgeschlagen. Zu Ostern schickte er seinenKoffer nach Jena voraus, und hatte eben, ein Ränzchen auf dem Rücken und den Ziegen-hainer in der Hand, von seinem Hausherrn Abschied genommen, als der Postbote ander Hausthür ihm einen Brief von Fichte übergab. Dieser schrieb: „Verschiedene Gründenöthigen mich, mir meinen Wunsch, Sie in meinem Hause zu sehen, und Ihre Talentemeinem Kleinen nützlich zu machen, zu versagen. Schon damals hätte ich bedenken sol-len, daß mein Kleiner, dann anderthalb Jahre alt, schlechthin keine Capacität für IhreBeschäftigung mit ihm haben würde. Dies zeigt nun die Erfahrung. Er kann nochnicht zwei Worte deutlich sprechen. Dann werde ich einen guten Theil deS Sommers
auf Reisen zubringen und das Haus ganz leer lassen.Herr D. Müller aus
Eopenhagen, der in höchstens 14 Tagen bei Ihnen sein wird, wird Ihnen in meinemNamen 32 Laubthaler als eine kleine Entschädigung übergeben."
In Göttingen konnte und wollte Wagner nicht bleiben; er wanderte getrost nachJena. Als er ankam, war einer der ersten, die ihm begegneten, eben Fichte, welcher
*) Aus diesem Knaben wurde der jetzt zu Stuttgart im Ruhestand lebende Professor derPhilosophie Immanuel Hermann Fichte.