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Wagner.
W.
Wagner, Johann Jakob. Wenn im allgemeinen die Periode der sogenanntenNaturphilosophie in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts auf dem Gebiet derpädagogischen Wissenschaft und Praris wenig geleistet zu haben scheint, wie denn auchSchelling, dcsseu Name unter den Philosophen dieser Zeit in erster Linie genannt zuwerden pflegt, keinen Platz in der Encyklopädie gefunden hat, so darf doch wohl einMann wie Johann Jakob Wagner, der mit ungemeiner Geisteskraft ein seltenes, außer-ordentlich vielseitiges Wissen und Erkennen in einem die Welt umspannenden Systemzusammengefaßt, und unter anderen Werken eine „Philosophie der Erziehuugökunst" undein „System des Unterrichts als Encyklopädie und Methodologie des gesammten Schul-stndiums" ausgearbeitct hat, nicht unbeachtet übergangen werden. Er verdient es, daßwir seinem Lcbensgange, welcher ihn schon frühe in eine merkwürdige Beziehung zu demBerufe eines philosophischen Erziehers brachte, und seiner Lehre, die allerdings nur einerein theoretische Beziehung zur Pädagogik gehabt hat, einige Aufmerksamkeit widmen.
Johann Jakob Wagner wurde geboren in der damals freien Reichsstadt Ulmam 21. Januar 1775 (Schelling ist gerade 6 Tage jünger, sein Geburtstag ist der27. Januar des gleichen Jahres und auch Schelling stammt aus einem ulmischen Ge-schlecht, von dem ein Zweig während des dreißigjährigen Krieges nach Altwürttemborgübergestedelt war). Sein Vater war „hospitalischer Zinseinuchmer," ei» einfacher, un-studirter Bürgersmann. Des Kindes Gaben zeigten sich sehr früh: es war vorzugsweisedie Mutter, welche sein Seelenleben weckte; Geschwister hatte er nicht. Früh wurde ereinem Privatlehrer übergeben, dem Candidateu des Predigtamts Andreas Adam, späterenProfessor und Diakonus am Münster, der ihn für den Eintritt in das Gymnasium vor-trefflich vorbereitete und auch in der Folge stets sein treuester Freund geblieben ist.Unter der Leitung desselben entbrannte in dem äußerlich schüchternen, menschenscheuenGymnasiasten ein glühender Eifer für die Wissenschaft. Der angehende Jüngling trugsich mit großen, ehrgeizigen Pinien, als Dichter Klopstock an die Seite zu treten undeine Mosaide zu dichten: und es ist immerhin merkwürdig, daß das letzte Werk desGreises eine „Dichterschule" gewesen ist. An Ostern 1795 bezog er die UniversitätJena, nachdem er sich mit seiner nachhcrigcn Gattin förmlich verlobt hatte, ein Schritt,der nach allen Seiten von ihm reiflich erwogen worden war: seine geliebte Mutter hatteer schon 1793 verloren. In Jena genoß er in vollen'Zügen die Befreiung aus engenVerhältnissen, „ans dem ägyptischen Diensthause," wie er sagte, aber keineswegs etwain Gesellschaft poculirender Studenten. Er begann das Studium der Jurisprudenz miteifrigen philosophischen Privatstudien, zunächst der Werke Kants. Fichte nahm denjungen Mann freundlich auf und stand ihm mit Rath und Leitung treulich bei, obgleichWagner seine Vorlesungen nicht hörte und nicht hören wollte, bis er „Kant ganz be-griffen hätte." Seine ökonomische Lage war übrigens eine sehr drückende, mit Gesuchenum Stipendien war er in seiner Vaterstadt wiederholt abgewieseu worden. Der ihmvon Herzen wohlwollende Prof. Weltmann rieth ihm daher, nach Göttingcn zu gehenund zu suchen, daß er in Heynes philologisches Seminar ausgenommen werde, wozuer ihm Empfehlungen mitgeben wolle. Das gelang, an Ostern 1796 kam er in Göttingenan und blieb anderthalb Jahre daselbst, mit mannigfaltigen, philologischen, mathema-tischen, philosophischen, juridischen und staatswissenschaftlichen Studien beschäftigt. Erpromovirte im Juli 1797 in der philosophischen Facultät, mit dem Vorsatz, sich in Göt-tingen zu habilitiren, und schrieb neben einem „Wörterbuch der platonischen Philosophie"einen Roman, Lorenzo Chiaramouti; eine jugendliche Expcctoration, augenscheinlich unterder Einwirkung von Göthes Werther entstanden. Fichte, mit welchem Wagner inBriefwechsel geblieben war, rieth ihm, vorerst öffentlichen Vorlesungen und der Schrift-