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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Vorzügen.

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als Lehrer bei seinen Schülern bediente, indem er ihnen ncmlich das Stück, welches siccinzuübcn hatten, selbst erst im Zusammenhänge verspielte und dann sagte:So mußcs klingen!" Ferkel, sein Biograph, führt die Vortheilc dieses Verfahrens dann weiteraus und bemerkt, daß durch den zusammenhängenden Vertrag des Musikstücks nicht nurder Eifer und die Lust des Schülers angcfcucrt würden, sondern daß der Schüler auchzugleich einen Begriff davon erhielte, welchen Grad der Vollkommenheit er zu erstrebenhabe, den er ohne dies Erlcichtcrungsmittel vielleicht nur sehr unvollkommen oder erstspät kennen und fühlen lernte. Da somit der Verstand mit ins Spiel gezogen werdeund dem Schüler ein Ideal vorschwebc, so müßten auch die Finger besser gehorchen unddie in dem Stücke liegenden Schwierigkeiten erleichtert werden. - Ob diesesVorthun"nicht aber auch seine Grenzen hat? Ohne Zweifel; cs wird Unterrichtsgegcnständc geben,wo das Vormachen geradezu verderblich wäre. Wer wird seinen Schülern einen Classi-kcr vorübcrsetzcn und sich zur Eselsbrücke herabwürdigcn? Was dort Vortheil gewährt,bringt hier entschieden Nachtheil. Wir können wohl kurz sagen: bei den technischen Fer-tigkeiten wird das Vorbilden entschieden fördern, bei den eigentlich wissenschaftlichen Ar-beiten aber das eigne Suchen und Forschen, die eigne Geistesarbeit und die dadurchgewonnene Tüchtigkeit beeinträchtigen.

Das Vorzcigen und Vorthun hat übrigens doch an sich wenig Belehrung in sich,das Interessanteste wird nicht in der rechten Weise deutlich, wenn nicht das belehrendeWort hinzutritt. Die Beobachtungsgabe des Kindes und selbst des ungeübten Erwach-senen ist noch zu schwach, um selbständig alle Hauptmerkmale aus dem Gesammteindruckeherausznsindcn. Es ist also nothwcndig, daß die Schüler angeleitet und gewöhnt wer-den, das, was sie angcschaut, was ihnen vorgcbildct worden, in Worte zu fassen, da nurdas Wort das Gesehene erst wirklich unsrem Bewußtsein zuführt. Zudem hat das Wortdie Kraft, Anschauungen in der Seele zu befestigen, indem ncmlich zu der durch dasAuge vermittelten Anschauung die zweite, die vermittelst des Ohres in die Seele tritt,hinznkömmt. Man ist ja bekanntlich über das klarer, worüber man sich bereits einmalausgesprochen, als wo dies nicht geschehen, und die Ausrede: ich kann mich darüber nichtausdrücken, hat immer noch die unklare Vorstellung im Hintergründe. Auf der unter-sten Stufe des Unterrichts, dort wo die Schüler noch nicht des Lesens kundig, also wohlauch noch nicht so weit gefördert sind, sich richtig auszudrücken, bedarf cs abermals derNachhülfe. Der Lehrer wird, nachdem er sich die Gewißheit verschafft hat, daß dasVorgezeigtc und Ungeschaute wirklich verstanden, in kurzer und deutlicher Form versprechen,was durch Besprechung an dein vorliegenden Gegenstände gefunden worden ist, und esdann von den Kindern nachsprechcn lassen, theils um es dem Gedächtnisse besser cin-zuprägen, theils aber auch, um die Kinder znm Reden, insbesondere zum Nichtigrcdcnzu bringen. Aber auch sonst wird das Versprechen Anwendung finden; dort ncmlich,wo cs sich überhaupt um eine feste Einprägung bestimmter Sätze handelt, die sich imUnterricht durch Entwicklung eines Gegenstandes (durch die heuristische Methode) schließ-lich Herausstellen. Die weiteste Ausdehnung erhält das Vor- und Nachsprechen wohl inder Erzählung. Mustergültigkeit des Vorgesprochcnen in Bezug auf Deutlichkeit, an-gemessenen Ton, Nachdruck und sinngemäße Gliederung wird auch hier gefordert werdenmüßen, theils um das Verständnis'des Inhalts zu ermöglichen, theils aber auch, umnicht nur ein corrcctes, sondern auch ein solches Sprechen bei den Kindern anzustrcbcn,das gegen die Schönheit nicht verstößt. Fr. W. Schubert.

0 Wir machen ans eine Folgerung, die sich aus dein Obigen crgiebt, ausdrücklich aufmerk-sam: die Uebcrsctzung eines Classikers hat ein wesentlich künstlerisches Element in sich und indieser Hinsicht hat auch der Lehrer dem Schüler immer wieder Vorbilder zu geben, das cincmalnachdem er die Leistung des Schülers beurtheilt und berichtigt hat, ein andereSmal wohl auchdurch kurze Proben mustergültiger Uebcrsctzung zur Veranschaulichung der theoretischen Regelnder Kunst. D. Red.