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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Vorzügen.

cm leerer Schall war, so lange das Object nicht sichtbar und handgreiflich vor ihm stand,um alle Sinne daran zu üben, es von allen Seiten zu umfassen und so im eigentlichenWortvcrstand begreifen zu können. So glaubte er Städte und Länder nicht aus Reise-bcschrcibnngen, sondern durch Sclbstansicht kennen lernen zu müßen; naturwissenschaftlicheund Kunstkcnntnisse erwarb er sich nicht ans Compcndicn und Theorien, sondern durchhandanlcgcndc Praxis mit den bezüglichen Gegenständen" (vgl. Niemer, Mitthcilnngenüber Göthc. I. 195 ff.). Wie viel mehr bedürfen der Vorbilder, der Anschauung die-jenigen, die noch unentwickelt sind und so eminenter Gaben sich nicht erfreuen.

Nicht minder wichtig ist die Forderung, daß das Vorgczcigte genau und bis in dieeinzelnen Thcile angeschaut werde, da ein Betrachten des Gegenstandes ohne besondereRücksichtnahme ans die einzelnen Thcile desselben und ohne Vergleichung der Theileunter einander in der Seele oft nur ein verschwommenes Bild erzeugt. Andrerseitssollte doch aber auch der erste einfache Eindruck, das frische Genießen des Ganzen durchunzeitiges und gewaltsames Analysircn, Zersplittern und Zerreißen nicht gestört, und stdas erste, man möchte sagen absichtslose Anffasscn nicht sofort durch ein nüchternes underkältendes Verstandcsabrichtcn vernichtet werden. ES ist gewiß das Empfangen desGesammtcindrucks einer schönen Gegend, eines Waldes oder einer Wiese nicht wenigerals eines Kunstwerks oder eines einzelnen BaumeS, einer Blume eine der poetischenSeiten des Unterrichts, durch welche der Schönheitssinn gepflegt werden sollte, anstattdaß man gleich nach Granit und Gneis fragt, oder die Schmetterlinge aufspießen, Blu-men analysircn und zerrupfen, Staubgefäße und Griffel zählen läßt und auf diesemdestructiven Wege den Begriff der Species kennen lehren will, bevor die Knaben sichdas Gesammtbild der Blume eingcprägt haben. Wäre es nicht dasselbe, wenn man,anstatt eine Symphonie zu hören, alle einzelnen Instrumente sich Vorspielen lassen wollte,wie man dort leblose Begriffe in der Schöpfung zusammenliest? Hat man den vollenreichen Genuß gehabt, dann wird man gern sich der mühsamen Arbeit unterziehen, demEinzelnen uachzugchen, und zu einer thätigen Scheidung deS Gesammteindrucks in seinelebendigen Elemente schreiten, um für das Ganze dann ein crhöhtcres Interesse zu ge-winnen (vgl. Raumer, Gesch. d. Pädag. III. S. 139 ff.). Dort wo mit dem rccep-tiven Betrachten die productive Fertigkeit, die Gegenstände darzustellcn, sich verbindenläßt, wo einVorbilden" möglich ist, oder als nothwendig sich erweist, wird man mitden einzelnen Theilcn zu beginnen und allmählich das Ganze ans den einzelnen Theilenzusammcnzusehen haben. Es verdient dies Vormachen unstreitig den Vorzug vor demVorlegcn fertiger Anschauungen. Verschreiben ist besser als Vorschriften; Vorsingen undVorspielen gicbt dem Schüler erst die richtige Anschauung davon, wie sich die Noten nichtbloß corrcct in die entsprechenden Töne umsctzen, sondern wie das Ganze etwas leben-diges wird; den Geist hinein zu legen lernt der Schüler erst durch des Meisters eigenesSpielen und Singen; Jnsectcn und Pflanzen sammeln ist einer Jnsectensammlung undeinem Herbarium weit vorzuziehen. Was aber von der Mustergültigkeit der Vorbilder,dasselbe gilt nun auch vom Vorbilden und Vorthnn, daß man ncmlich an die Hand dcsLehrers die Anforderung eines hinreichenden Grades von Geschicklickkeit stellen muß.Aber auch über die Schule hinaus findet das zum Zwecke der Nachahmung angcstellteVorthun eine so ausgedehnte Verwendung, daß der Lehrling in einem Gewerbe, ohneweitläufige theoretische Anweisung empfangen zu haben, zum Werkzeuge greift, um dasVerfahren des Meisters uachznahmen. So sagt Comcnius: Thun kann nur durch Thun,Schreiben durch Schreiben, Malen durch Malen gelernt werden (Raumer a. a. O- H>60 u. 90. 2te Ausl.). Vorthun reizt zum Nachthun. Sicht das Kind etwas vor seinenAugen entstehen, so ist ihm Anfang und Fortgang, Hülfsmittcl und besondere Handgriffegegeben und ein Muster, man möchte sagen ein Ideal vor die Seele gestellt, das cs zuerreichen sucht. Denn im Vorbilden liegt insofern der Reiz zur Nachahmung, als derUnterricht dadurch Leben gewinnt und das in Thätigkeit umgewandeltc Lchrobjcct zurSelbstthätigkeit anregt. Bekannt ist das Verfahren des Sebastian Bach, dessen er sich