Vorzeigcn.
199
Anschauungen anheftct, Kinder und Erwachsene durch Absehen gar vieles erlernen, aberfreilich ohne Wahl, Genauigkeit und Ordnung; daß ferner das Vorzeigen und Verbildenfür manche Nutcrrichtsstufe und für eine Reihe von Untcrrichtsgcgcnständcn gar nichtentbehrt werden können. Die ausführlichste Beschreibung eines Naturgcgenstandcs, einesThiercs, einer Pflanze würde lange nicht das Verständnis herbciführcn, wie das Vorzei-gen des Gegenstandes selbst in Wirklichkeit oder im Bilde. Die Erklärung des verschie-denen Sonnenstandes in den einzelnen Jahreszeiten wird ungemein abgekürzt und miteinem Blicke verstanden, wenn man ein Modell, und wenn auch das einfachste, zu Hülfenimmt. Schreiben und Zeichnen wären geradezu unmöglich ohne Vorbilder; ohne Vor-sprechen würde auf der untersten Stufe der Unterricht wesentlich erschwert, und wie dortdas Auge, vermittelt hier das Ohr die innere Vorstellung und das äußerlich Wargenom-mene in einer Weise, wie es der bloßen Belehrung und theoretischen Anleitung niemalsgelingen würde; daher denn auch diese wichtigen Unterstützungsmittel zu einer klaren unddauernden Vorstellung auch außer der Schule seit alter Zeit und sehr allgemein im Ge-brauch gewesen sind. Aber es würde die Aneignung der Anschauungen rein dem Zufallüberlassen werden, das Auge würde über Wichtiges Hinweggleiten und das Geschautewurde nur flüchtige und unvollkommene Spuren hinterlassen, wollte der eigentliche Unter-richt nicht zu Hülfe kommen. Ausfallend ist die Erscheinung, daß lange Zeit für mancheUnterrichtsgegenstände der Unterricht nur in Vorzcigcn und Vormachen bestand und deserklärenden Wortes entbehrte, während andererseits in manchen Gegenständen nur diemittheileude (dogmatische) Lehrform gebraucht wurde, ohne jene zur deutlichen Vorstellungbringend nöthige Hülfeleistnng auch nur entfernt in Anwendung zu bringen; so daß esepochemachend war, als von den namhaftesten Pädagogen, von Baco und ComeniuS(orbis pietrm) bis Pestalozzi (Anschauungsunterricht), auf Beseitigung solcher Uebelständcgedrungen und das nach mühsamem Suchen so einfach und richtig erscheinende Besserean die Stelle gesetzt wurde. Es ist noch gar nicht lange her, daß naturwissenschaftlicherUnterricht ohne alle Anschauungsmittel, nachdem doch Pestalozzi längst als Reformatoraufgetreten war, selbst in höheren Schulen betrieben wurde, und es dürste auch jetzt nochhie und da nicht zu den Unmöglichkeiten gehören, daß Zoologie, Botanik und wohl auchGeographie nur nach einem Leitfaden gelehrt wird; gerade so wie andererseits der Zeichen-unterricht oft nur darin besteht, daß man Vorlagen copiren läßt; oder man bedient sichder Anschauungsmittel so, daß der Vortheil mindestens zweifelhaft bleibt. Es sind dem-nach gewiße Bedingungen erforderlich, die bei dieser unter Umständen kürzesten, einfach-sten und sichersten Art, den Unterricht zu unterstützen, erfüllt werden müßen.
Als erste Bedingung stellen wir, daß das, was vorgezeigt wird, möglichst vollkom-men sei. Die Pflanze, das Thier, welches vorgelcgt wird, muß selbstverständlich allewesentlichen Merkmale in sicher erkennbarer Weise an sich tragen, die Abbildungen dür-fen keine Carricaturen sein, die Karten müßen so ausgeführt sein, daß sie ein deutlichesBild von dem betreffenden Erdraume geben u. s. f. Ob es immer nothwendig sein wird,vollständig ausgeführtc Abbildungen vorznzeigen, oder ob es nicht geradezu zweckdienlichererscheint, sich einfacher Skizzen zu bedienen, diese Frage dürfte zu Gunsten der letzterenAnsicht, wenigstens für höhere Stufen des Unterrichts, zu entscheiden sein, da die Skizzedie Phantasie mehr übt und das Charakteristische des Gegenstandes, nachdem alles Bei-werk beseitigt worden, dabei mehr hervortritt. Daher auch Apparate um so mehr denVorzug verdienen, je einfacher sie construirt sind. Es ist bekannt, wie z. B. künstlichconstruirte Planetarien oft mehr verwirren, als verdeutlichen. Zuweilen ist cs nothwcn-dig, Gegenstand oder Modell und Skizze zugleich zu verwenden, namentlich um die injenen verborgen liegenden Theile zu veranschaulichen. — Welcher Art das Vorbild nunimmer sein möge, immer wird es der bloßen Theorie weit voranzustelleu sein, und eskann weder in noch außer der Schule, bei befähigten Köpfen ebenso wenig als bei un-befähigten entbehrt werden. Haben doch selbst große Geister der Vorbilder bedurft, umcm ihnen sich heranzubildcn. Wir erinnern nur an Göthc, „dem das bloße Wort nur