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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Vorschule.

Vorurthcile.

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ist offenkundig und unbestreitbar; aber sie hat andere als die angenommenen Gründe:es giebt nun einmal viele Väter, welche die höhere Schule, ob sie nun eine besondereElementarschule zur Vorstufe hat oder nicht, für ihre Knaben wählen, weil sie entwederdm Versuch machen wollen, ob die Söhne nicht für höhere Studien geeignet sind undgenügende Fähigkeiten dazu, vielleicht erst in späteren Claffcn, entwickeln, wenn sie auchin den früheren mühsam mit fortkommen und sie nicht in der normalen Zeit absolviren,oder weil sie, obgleich zur Wahl einer gewerblichen Laufbahn für ihre Söhne im vorausentschlossen, gleichwohl denselben eine Ausbildung zu geben wünschen, wie sic durch Be-treibung fremder Sprachen, namentlich des Lateinischen, auch schon auf den unterenStufen erzielt wird. Daß diese Ansicht, die sich kurz so ausdrücken läßt, daß der latei-nische Schulsack einen besonderen Werth in sich trage, wenigstens wie die Dinge jetztnoch liegen, nicht unbedingt unter die Vorurthcile geworfen werden kann, ist an mehrerenStellen dieser Encyklopädie behauptet; in Bezug auf die württembergischen lateinischenSchulen habe ich mich in dem betreffenden Artikel S. 174 ff. in ähnlicher Art ausge-sprochen. Mit der zu frühen Berufswabl scheint mir die Vorschule nicht in Zusammen-hang zu stehen; vielmehr denkt mancher Vater so: schicke ich meinen Knaben in dieVorschule und dann ins Gymnasium oder die lateinische Schule, so kann er unter derVoraussetzung genügender Fortschritte immer noch werden was er will; wähle ich abereine andere Schule für ihn, so ist ihm der Zugang zu höheren Berufsarten im vorausso ziemlich versperrt, wenigstens sehr erschwert. Es giebt Leute, welche behaupten, wenneinmal die beste Volksschule gefunden sei, so werden die alten Sprachen nur noch vondenen gelernt werden, welche sich gelehrten Studien widmen. DaS mag einstweilen da-hin gestellt bleiben; indessen aber wird man denen, welche einer andern Ansicht sind,nicht wehren können, ihrem Glauben au die Vortrefflichkeit der Bildungsmittel der höherenSchulen treu zu bleiben.

Nachdem im Bisherigen über das Recht der Vorschule auf eine von der Volksschulegesonderte Existenz gesprochen worden ist, wären nun noch die Anfangs- und EnbpuncteDerselben, d. h. die Dauer des Cursus, die Organisation, der Lehrplan, die Methode,Oie Lehrmittel einer Erörterung zu unterziehen; allein diese Puncte sind in andern Ar-ikcln, namentlich in dem Art. Aufnahme der Schüler und hauptsächlich in dem Art.lementarschule bereits so gründlich behandelt, daß es besser ist, hier lediglich darauf zuÄerweiscn. Schmid.

Vorstellung s. Erkenntnisvermögen.

Vortrug s. Declamation.

Vorurthcile heißt mau die der Prüfung eines Gegenstandes vorausgeeiltenmistigen oder abgünstigen Meinungen und Stimmungen gegenüber von demselben.Halten sie einer nachfolgenden Prüfung stand, so erlangen sic den Werth eines gesundenils; entziehen sie sich derselben und sperren sie sich gegen den entscheidenden Spruchsier vernünftigen Ucberlegung, dann fallen sie dem Vorwurf des Eigensinns anheim,bcr als Krankheit des Verstandes zu heilen, als üble Disposition des Willens zu be-ampfen ist. In der Pädagogik spielen die Vorurtheile eine nicht zu unterschätzendeltolle. Der Lehrer, der Erzieher, welcher seinen Eingang in Schule oder Haus unterem Vortritt einer günstigen Meinung von seiner Person findet, hat leichtere Arbeit undschnelleren Erfolg, als ein mit Gleichgültigkeit oder gar mit Widerwillen Aufgenommener.

aher ein gewinnendes Aeußere, eine stattliche Persönlichkeit schon einigen VorschubIGet, und Pädagogen es der Sache selbst schuldig sind, auf anständige Körperhaltung,emliche Kleidung u. s. w. zu sehen, alles abstoßende von ihrer Erscheinung ferne zualten; wiewohl der äußere Mensch allein einen bleibenden Eindruck nicht erzielt, sondern^ ist das Durchleuchten des inwendigen Menschen, die sittliche Persönlichkeit, welche,vielleicht nicht so schnell, aber desto sicherer zu ihrer Geltung gelangt; denn sie vermagauch den von der Natur minder Begünstigten, selbst den Misbildeten, mit imponirender