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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Vorschule.

Schulganzen. Die Rücksicht auf Schüler, welche nach 2 oder 3 Jahren in eine andereAnstalt übergehen, kann oder darf wenigstens nur so weit gehen, als sich mit der Wah- ^rung des eigenen Interesse und der Verfolgung des eigenen Zieles verträgt.

Zudem, wohin mit den Knaben, wenn sie doch zu Hause nicht vorbereitet werbenkönnen oder sollen? In eine Privatschnle? Das hängt vom Stande des Privatschul-wescns der betreffenden Stadt und zugleich von der Neigung der Eltern für unterrichtliche !Absonderung ihrer Kinder ab. Vielleicht, wcnn's keine eigentlicheVorschule" gicbt, ist ldie Privatschule noch der beste Ausweg, sie wird vielleicht zu einer Vorschule, bei der !dann das materielle Interesse des Inhabers den mangelnden unmittelbaren Zusammen- !Hang mit der Hauptschule leidlich ersetzt. Wenig beliebt ist wenigstens bei den Wohl-stehenderen die Benutzung der eigentlichen Elementarschule, sie heiße nun Volke-oder Bürger-, oder Bezirks-, oder Stadtschule oder wie sonst immer. Namentlich inden größeren Städten ist es gewiß nur ein mäßiger Bruchtheil der Schüler der Sexta,welcher von den selbständigen öffentlichen Elementarschulen aus Übertritt. Und auch dashat seine Gründe. Die Stadtschulclassen sind in der Regel gar zu voll, mindestensvoller als die Vorschulclasscn oder die Elasten der thcurern Privatschulen. Leider GotteSist das nur zu wahr, so daß nran's dem Vater, der zudem leicht und gern ein paarThaler zum Schulgelde zulegt, kaum verübeln mag, wenn er mit einiger Sorge undScheu auf diese 50, 60, 70 Schüler zählenden Anfangsclassen blickt. Und dann welchegemischte Gesellschaft! Welcher Uebcrfluß an Gelegenheit, im Hause ancrzogene bessereSitten zu vertauschen mit allerlei Unsitten, Roheiten und Ungezogenheiten! Man braucht janicht exclusiv gesinnt zu sein; man braucht ja seine Kinder nicht hermetisch gegen Berührungen,wie sie das Leben nun einmal bringt, abschlicßen zu wollen; man kann einräumen, daßbei der Erziehung von Knaben sich nun einmal um solche Mislichkeiten und unangenehmeZugaben nicht ganz herumkommen läßt; und darf am Ende doch dem Wege den Vorzuggeben, der des Unangenehmen und Mislichcn uns am wenigsten zumuthct, während er im -übrigen zu dem angestrebten Ziele mit gleicher Sicherheit führt.

Wir können auch einen ökonomischen Grund für die Vorschulen ins Feld führen,mehr noch im Sinne der Schulverwaltungen, als des Schulpublicums. So eine gmeingerichtete und gut besuchte Vorschule, bei der doch niemand an Schulgeldfreiheit, son-dern vielmehr an ein leidliches Schulgeld denkt, vermag nicht nur sich selbst zu tragen,sondern kann sogar noch der Hauptschule ein wenig beistehen in Verminderung ihresDesicits und somit der Patronatsbehörde den Zuschuß mindern helfen. In der Ele-mentarschule solls ja künftig gar nichts mehr kosten, das ist ein Axiom der modernen iZeit, warum nicht durch die gut bezahlten Vorschulen eine artige Summe Geldes demSchulwesen erhalten, das doch so außerordentlich viel bedarf und darum sichere und ansich nicht verwerfliche Einnahmen nicht leichtfertig abweisen soll?

Das sind ganz reelle Gründe, die nicht ohne weiteres von der Hand gewiesen wer-den können. Weniger gilt das dem Motive, das wir der Vollständigkeit wegen nichtunerwähnt lassen wollen, und welches in der lieben Eitelkeit der Menschen beruhtDieser bchagt es nemlich, das Bübchen schon mit 6 oder 7 Jahren in einer höherenSphäre zu wissen. Isis auch einstweilen nur die Vorschule zum Gymnasium, die er be-sucht, das alles gehört doch gewißermaßcn schon zum Gymnasium oder zur Realschule, unddas hat doch ganz andern Klang und Schick, als so eine Bürger- oder Stadtschule: eSsagt sich schon viel besser, von der ungleich nenncnswcrthercn Gesellschaft noch ganz ab-gesehen, welche ihre Kinder dorthin schickt; das gicbt allerlei kleine Beziehungen undBekanntschaften, nicht für die Kinder allein, die angenehm und sogar nützlich sind. Fügenwir schließlich noch hinzu, daß zu Gunsten dieserVorschulen" bei manchem ihre Ver-bindung mit der Hauptschule auch deshalb sprechen mag, weil den Lehrern der Haupt-schule dadurch Gelegenheit geboten wird, ihre Schüler schon zeitig ins Auge zu fassenund kennen zu lernen, so werden wir wohl so ziemlich alles bcigcbracht haben, was eingewissenhafter Anwalt für seinen Clienten herbeizubringen vermag. Wir haben den Vor-