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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Vorschule.

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Soweit hier Schulen in Frage kommen, welche unabhängig von den höheren Schulenfür sich bestehen, Realschulen, Bürgerschulen, Bczirksschulen, die also nicht bloß Vor-schulen stnd, sondern nur als Vorschulen mitdiencn, scheint für die Zwecke der Vorberei-tung der Privatschule der Vorzug gegeben zu werden. Freilich müßcn wir sagen: scheint,es fehlt eben ausreichendes statistisches Material, das uns genauere Uebersicht darübergäbe, aus welchen Schulen die Gymnasien und Realschulen ihre in die untersten Masseneintretenden Schüler beziehen. In Preußen vorzugsweise, jedenfalls mehr als in denübrigen deutschen Staaten, hat neuerdings das Institut besondererVorschulen" Einganggefunden, welche, mit den höheren Schulen unmittelbar verbunden, Knaben im schulfähigenAlter aufnehmen und in etwa 3 Jahrescursen und in der Regel 23 Elasten soweitführen, daß sie mit den vorschriftsmäßigen Vorkenntnisten mit dem vollendeten 9. Jahrein die Sexta übertreten können. Wiese,das höhere Schulwesen in Preußen" II. S. 551.giebt 162 Vorschulen mit 14,338 Schülern an, so daß allerdings noch 207 Schulen(s. S- 549) ohne solche Vorbereitungsanstalt blieben. Diese Vorschulen stehen unter derunmittelbaren Leitung des Schuldirigenten, dem nur da, wo die Gesammtanstalt aus-nahmsweise umfangreich ist, wie z. B. beim Friedrich-Wilhelms-Eymnasium in Berlin,ein Assistent für die Directorialgeschäfte dieser Abtheilung beigegebcn ist: der Unterrichtwird von Elcmcntarlehrern besorgt, die außerdem in den untern Elasten wohl noch einigenUnterricht, namentlich in technischen Fächern, ertheilcn, was leichtverständlichcr Weise inden Reallehranstalten häufiger und ausgedehnter der Fall ist als in den Gymnasien.*)

III. Es gilt nun zu untersuchen, ob wir diese Vorschulen als einen organisatorischenFortschritt anzuschen und demnach ihre Verbreitung über das ganze Gebiet des höherenSchulwesens anzustrcben haben, oder ob principielle und ernstliche Bedenken einer solchenEinrichtung entgcgcnzustellen sind. Wenn Referent keinen Anstand nimmt, schon andieser Stelle zu erklären, daß er ein Gegner dieser Einrichtung ist, so erkennt er damitdie Verpflichtung an, in erster Linie die Gründe sorglich aufzusucheu, welche für die Bei-behaltung und Fortentwicklung derVorschulen" sprechen oder wenigstens von ihrenVerthcidigern zur Sache bcigebracht werden.

Unzweifelhaft ist für alle Schulen Gleichartigkeit der Schüler der einzelnen Elastenein wesentliches Bedürfnis, und jede Schule ist verpflichtet, sich dieselbe soweit cs möglichzu sichern. Jeder weiß auch, daß das immer nur in gewißem Maße erreichbar ist, unddaß innerhalb der einzelnen Schülerabtheilungen trotz aller Vorsicht bei Versetzungen undNeuaufnahmen mehr Ungleichheit übrig bleibt, als zu wünschen wäre. Daher liegt esim Interesse der Schule, daß sie auf ihrer untersten Stufe mit möglichst gleichartigenSchülern beginnen kann und nicht etwa die Sexta erst dazu verwenden muß, die Gleich-mäßigkeit der vorauszusetzendcn Vorbildung herzustelleu. Der sicherste Weg, dieseswesentliche Interesse zu wahren, liegt in der Vorschule, die mit der Hauptschule un-mittelbar verbunden ist. Sie verfolgt kein anderes Ziel, als der Hauptschule genau sovorbereitete Schüler zuzuführcn, wie sie für die Sexta gebraucht werden, und sie kanndieses Ziel um so gewißer erreichen, als sie selbst darin gleichartige Schüler besitzt, daßalle aus der Vorschule in die Sexta überzugehen beabsichtigen. Diese Uebercinstimmungund der unmittelbare Zusammenhang mit der Hauptschule garantiren so ziemlich denErfolg. Dazu kommt, daß, wenn auch zugegeben werden mag, daß die Aufgabe derVorschule in der Hauptsache mit der unteren Stufe der Elementarschule überhaupt zu-sammenfällt, die Vorschule doch die von der Hauptschule festgesetzten Vorbedingungen fürden Eintritt in die Anfangsclasse unmittelbarer und ausschließlicher als Lehrziel verfolgenkann als jede andere Elementarschule. Denn die untere Stufe dieser Anstalt kann sichdoch, und wenn auch die ersten Anfänge überall wesentlich dieselben sind, ihrer Beziehungzu den oberen Stufen dieser Schule nicht cntäußern, sie bleibt immer Glied eines eigenen

*) Gemeinsame Vorschulen für Gymnasien oder lateinische Schulen und Nealanstaltcn be-stehen anch in Württemberg sehr viele. D. Red.