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Vorschule.
fest genug, um ohne Feder und Papier Wache über sich zu halten, so ist die Aufmerk-samkeit des Erziehers und dessen Mahnung an gefaßte Vorsätze das beste Tagebuch für ihn.
Palmer.
Vorschule. Erster Artikel. Unter einer Vorschule ist, wie die Bildung desWortes lehrt, eine Schule vor einer andern Schule zu verstehen, d. h. eine Untcrrichts-anstalt, welche diejenige Vorbildung vermittelt, welche zum Eintritt in eine andere Un-terrichtsanstalt befähigt. In diesem allgemeinen Sinne findet das Wort wohl mancherleiVerwendung, die üblichste jedoch bezieht sich auf diejenigen Elementarclassen, welche mithöheren Bildungsanstalten (oder süddeutsch zu reden, Mittelschulen) in mehr oder minderengem Verbände stehend, Kinder vom Eintritt in das schulpflichtige und schulfähigeAlter an in einem mehrjährigen Cursus, bis zur Vollendung des neunten Jahres etwa,mit denjenigen Kenntnissen und Fertigkeiten auszurüsten suchen, welche zum Eintritt indie unterste Classe einer Gymnasial- oder Ncalanstalt befähigen. Von diesen Vorschulen,also von den mit den Gymnasien, Realschulen, höheren Bürgerschulen rc. verbundenenElementar-Vorbereitungsclasscn soll im Nachfolgenden die Rede sein. So einfach dieseAngelegenheit auf den ersten Blick erscheinen mag, so complicirt ist sie in der That, wennman etwas näher hinschaut. Wir werden daher zu Gunsten momentaner Opportunitäts-rücksichten nicht auf die Prüfung der zu Grunde liegenden Principfragcn verzichten unddemgemäß eingehender Erörterungen nicht entbehren dürfen.
I. Die höheren Schulen — um die in Nord- und Mitteldeutschland übliche Bezeich-nung zu gebrauchen — beginnen ihren Unterricht auf einer elementaren Grundlage.Ihre unterste Classe setzt ein gewißes Maß von Kenntnissen und Fertigkeiten, in derRegel auch ein gewißes Alter voraus, meist das vollendete neunte Lebensjahr (in Würt-temberg das achte Lebensjahr. D. Red.) Kenntnis der bekanntesten biblischen Geschichten,Fertigkeit im Lesen, in der Hauptsache richtig schreiben können, leidliches Verständnis dervier Grundrechnungsarten mit ganzen (unbenanntcn) Zahlen pflegt gefordert zu werden.Diese Kenntnisse und Fertigkeiten müßen vorher erworben werden, was offenbar aufverschiedene Weise möglich ist, d. h. entweder privatim oder innerhalb irgend einer an-deren Schule, welche diese Anfänge alles Wissens und Könnens lehrt. Das kann ihrespecielle Aufgabe sein oder nur ein Theil der Gesammtaufgabe. Das Letztere würde derFall sein, wenn der Knabe — von den Mädchenschulen wird besonders die Rede sein —mit 6 Jahren in eine vollständige Elementarschule cinträte und sie nach 2—ZjährigcmBesuche an der Stelle verließe, wo der für den Eintritt in die höhere Schule erforderlicheBesitz ihm gesichert ist. Errichtet man, wie das z. B. in Bremen der Fall ist, einebesondere Schule für die Zwecke der Vorbereitung auf mehrere höhere Schulen, oderverbindet man mit der einzelnen Schule eine elementare Vorschule, so besteht damit eineSchule uä Iroe, die pädagogisch als in sich geschlossene Anstalt angesehen werden muß,selbst wenn eine administrative Union mit der eigentlichen Schule gegeben ist.
II. Die Praxis zeigt, daß die eben genannten Wege der Befriedigung dieses Be-dürfnisses sämmtlich «ungeschlagen werden. Am wenigsten häufig wird die Vorbereitunginnerhalb der Familie selbst stattfinden, durch den Vater, durch einen der Familie zu-gesellten Hauslehrer oder unter Mitwirkung des einen oder anderen in der Nähe befind-lichen Lehrers. Mit Ausnahme weniger, durch ganz specielle Verhältnisse bedingter Fällewird man wohl diesen Weg bei Landwirthen, land- und forstwirthschaftlichcn Beamten,Landgeistlichcn, kurz da betreten finden, wo die Jsolirung des Wohnsitzes darauf hin-weist; in den Städten mag die Neigung vornehmer oder reicher Leute, sich auch in Er-zichungs- und Unterrichtsanstalten von der Menge zu separircn, selbst wo kein Grundfür solche Separation vorliegt, manchen Knaben bis zum 10. Jahre oder noch darüberhinaus im Hause behalten; daß in den allerhöchsten Regionen der Gesellschaft Unterrichtund Erziehung in der Regel gänzlich in der Familie verbleibt, ist bekannt und brauchtdaher nur kurz erwähnt zu werden. Viel öfter aber besucht der künftige Gymnafial-und Realschüler vorher eine Schule. Es kann das eine öffentliche oder eine private sein.