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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Volksschullehrcrscininar.

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oder Belehrung, um nicht zu sagen Ablichtung. Hätte nicht die Leidenschaft geblen-det, wären nicht durch zum Thcil recht ernstlich zu beklagende Verirrungen und Mis-griffe die Gemeinden mitunter nicht ohne Grund ernstlich beunruhigt, mau würde sichbald genug davon überzeugen. Man würde sich ins Gedächtnis rnfeu, daß die Männerdes confessioncllen Unterrichts, Luther, Melanchthon, Spener, Schleiermacher, stets widerden Orthodoxismus gestanden haben, daß gerade politische Obrigkeiten bei eintreteuden Con-flicten stets intolerant sind, ja die Lehrer würden begreifen, daß ihnen diejenigen den schön-sten Preis ihrer Mühe versagen, welche ihnen verbieten wollen, frei und offen mit ihrenSchülern von ihrem Gotte zu reden. Man überzeuge sich von der Stimmung ernst ge-sinnter Pädagogen in Oesterreich. Wir sind weit davon entfernt, die Schulen zu Hör-sälen für die eben in den hochkirchlichen Kreisen geltenden dogmatischen Systeme machenzu lassen; wir wollen den Religionsunterricht nicht an die Geistlichen abgcben und ihndadurch aus dem Organismus der Schule lösen; wir wollen endlich uns nicht Las sagenlassen, was bereits an manchen Stellen um Anerkennung ringt:die Schule hat nur zulehren; jedes erziehliche Interesse ist von ihrer Arbeit ausgeschlossen."

Im Interesse des erziehlichen Princips also, im Interesse der Freiheit der religiösenUeberzeugung, im Interesse des Friedens im Hause und der Wirksamkeit aller seinerLebensfactoren wünschte ich, daß die religiösen Anschauungen der Zöglinge, der Lehrerdes Seminars und der Schulgemeinden, für welche sie arbeiten, soweit als dies unteruns möglich ist, dieselben seien. Dies ist der Sinn des cvnfessionellen Seminars.Getrennte Hausandachten, verschiedener Religionsunterricht, Wenns recht zugeht, getrenn-ter Unterricht in allen ethischen Disciplinen heben den Begriff gemeinsamer Erziehung,der Begeisterung für die ncmlichcn Ideale auf. Dagegen läßt sich ein GastvcrhältnisAndcrsglanbcnder, sobald nur das Rechtsverhältnis klar ist, sehr wohl Lenken.Ichhatte Juden gern im Seminar, Otto Schulz mochte sie nicht leiden," schreibt Dicsterweg;ich stelle mich aus seine Seite; ich habe diese Gäste stets lernbegierig, bescheiden unddankbar gefunden, aber sie sind Gäste, und es darf ihretwegen den Schülern nicht dasvoreuthaltcn werden, worauf sie ein Recht haben. Aehnlich verhält cs sich mit Len An-gehörigen anderer christlicher Bekenntnisse.

Anders würde die Sache allerdings im Erternate liegen. Hier hat die Vereinigungcoiifessioncll geschiedener junger Leute zur Vorbereitung aufs Lehramt Schwierigkeiten,aber sie ist durchführbar, ohne daß die Arbeit selbst zu Schaden kommt. Ist endlich dieGefahr wirklich vorhanden, daß der Jesuitismus die confessionellen Lehranstalten, wiecs seiner Zeit in den Gymnasien der Prov. Posen geschehen ist, zu Werkzeugen seinerZwecke mache, so werden wir allerdings nicht bloß Las politische Interesse des deutschenReiches, sondern auch das religiöse der ev. Wahrheit und des inneren Friedens in derparitätischen Anstalt am besten gewahrt finden.

Es sind nur noch über einige minder wichtige Puncte Andeutungen zu geben. DieDisciplin im Seminar ist in der Regel gut. Es bilden sich nicht leicht Traditionen,da jeder Cötns geschlossen durch die Anstalt geht. Strafen sollten nur die verschiedenenFormen der Rüge, die Versagung von Unterstützungen und die Verweisung sein. Haus-arrest habe ich wirksam gefunden, wo es galt, die verloren gegangene Auctorität einesLehrers hcrzustellen, aber die Strafe hat viel wider sich, und ich würde sie schwerlichwieder verhängen. Geldstrafen gegen Ueberschreitungen der äußeren Ordnung sind wirk-sam, aber bedenklich. Solidarische Haftbarkeit einer Claffe, der ganzen Anstalt für ver-lorne, verdorbnc, gestohlne Sachen thut gute Dienste und erregt das Gefühl der Soli-darität, aber es ist keine Strafe. Viele Dircctorcn befördern den freiwilligen Abgangunfähiger, träger, unwürdiger Schüler; ich habe ihn stets bekämpft. Das Seminarmuß tragen, erziehen, muß zu retten suchen, so lange als möglich. Wo aber die Mög-lichkeit versagt, muß cs auch Len Mnth haben, zu sagen: dieser Zögling kann oderdarf nicht Lehrer werden.

Der ehrenvolle Abgang ist mit einer Prüfung verbunden, welche sich überall als