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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Volksschullehrerseminar.

Thcil aus den unteren Standen hcrvorgcgangenen Jünglinge sollen in drei JahrenLehrer werden. Das ist nicht möglich, wofern nicht dem, der sie bildete, nachgcrühmtwerden kann:er goß auch Lieb und Glauben mit in die Form hinein."Damit sie aber solcher Einwirkung zugänglich werden, mäßen sie Liebe und Vertrauenzum Lehrer haben und darum mäßen sie ihn kennen, mäßen ihm näher treten, als diesim Unterrichte möglich ist, und diese Annäherung wiederum vollzieht sich in der Lebens-gemeinschaft des Internats. Diese Lebensgemeinschaft begründet sich in der gemeinsamenFeier, der kirchlichen, wie der vaterländischen. Die Gemeinschaft der Lebcnsidcale, diegemeinsame Anbetung, die gemeinsame Freude über des Vaterlandes Ehrentage, dasBewußtsein des gemeinsamen Besitzes der höchsten Lebensgüter bindet fest, denn cs hebtüber alles trennende hinweg. Ist cs möglich, den Seminaristen in eine solche Lebens-gemeinschaft hincinznnchmen, dann, meine ich, hat er auch für das Amtslebcn die Rich-tung erhalten; denn gno ssmol ost imbnta reeens, ssrvubit oäorom tsstn clin.

Das Internat fördert endlich auch den Lehrbetrieb; das Erternat hält ihn auf;schon die bescheidne Forderung, daß der Seminarist der ersten Classe seine eignen Lehr-stunden außerhalb der vulgären Schulzeit empfange, stößt in größeren Städten aufwesentliche Schwierigkeiten. Das Erternat erschwert cs, daß sich die Schüler unter-einander forthelfcn, daß ihnen der Lehrer außer der Schulzeit unter die Arme greife,daß der Schüler sich unter Benützung der Anstaltsmittel übe. Man denke an denMusikunterricht, an die Möglichkeit für Seminaristen in Berlin, Wien, Hamburg, inihren kleinen Miethswohnungen Clavicr- und Geigeübungen anznstellcn. Nur das In-ternat vermag cs, die Lern- und Lchrarbeit des Seminaristen so zu ordnen, daß dasgroße Pensum ohne Schaden für die Gesundheit der Zöglinge absolvirt werden kann;denn es hat Controls über den Privatfleiß, die Privatstuuden und den sonstigen Neben-erwerb des Zöglings. Die Versuchung, durch Privatstunden die Mittel zu einigemLebensgenuß zu gewinnen und dann die dringendsten Arbeiten in der Nacht zu absol-viren, ist zu stark, als daß ihr der Seminarist nicht erliegen sollte, wenn er sich selbstüberlassen ist. Man sage nicht: wir haben es als Studenten nicht viel anders gemachtund haben die Anstrengungen überwunden; wir waren am Tage unsre eigenen Herren,und die Seminaristen sind das nicht.

Man hat in den letzten Jahren Versuche mit einem facnltativcn Internate gemacht.

Die Sache ist noch zu neu, als daß ein sicheres Urtheil darüber möglich wäre. So

viel ist klar, daß ein Gewinn für den Lehrbetrieb nur vom obligatorischen Internat zuerwarten ist, und daß, wenn derselbe nicht allen Zöglingen verloren gehen soll, dieErlernen als Gaste anzusehen sind. Auch müßen diese manche Wohlthat entbehren;Z. B. die Benützung der musikalischen Instrumente und der Sammlungen außerhalbder Lehrstunden. Anders ist es, wenn eine Einrichtung getroffen werden kann,

wo die Zöglinge im letzten Jahre außerhalb der Anstalt wohnen und nur bei

nnzuvcrläßiger Aufführung in diese znrückgcrufen werden. Das Erternat bildet danneinen erwünschten Uebcrgang von dem Anstaltsleben zum öffentlichen. Die Voraussetzungfür diese Institution ist aber, daß wohlfeile und gesunde Wohnungen in genügcndcrZahl in der nächsten Umgebung des Seminars zn haben sind (vgl. übrigens Dinterin seiner Sclbstbiographie und Diestcrweg: rhein. Blätter 1849 S. 310).

Es bedarf kaum mehr als einer Erwähnung, daß die erziehende Thätigkeit imSeminar den confessionellen Charakter desselben zur Voraussetzung hat. Es ist in derEncyklopädic an vielen Stellen von verschiedenen Standpuncten ans und unter denmannigfachsten Beziehungen mit überraschender Eiumüthigkeit ausgesprochen, daß mü-der erziehen kann, welcher bekennen darf, daß nur da Geistesblüte und Lebensfrncht zuerwarten steht, wo von innen heraus gearbeitet wird. Sonst kommt Technik, Geschick,Gelehrsamkeit zustande, aber nimmermehr Bildung. Der Encyklopädic ist die Frage umconfessionellen oder confessionslosen Unterricht nicht die um das Regiment der Kircheoder des Staates, nicht die um Orthodorie oder Nationalismus, sondern um Erziehung