Volksschullrhrerseminar.
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zwei oder drei Seminaristen zusammen einer armen Familie, mit der sie nie in Berüh-rung treten, ein Dachstübchen abmicthcn, das sie, wie es hier vorkommt, gar noch mitirgend einem ihnen fremden Fabrikarbeiter thcilen, und das sie im Winter der Kälte,im Sommer der Hitze wegen nach Möglichkeit meiden? daß sie alle ihre Hauptmahl-zeiten in einem Keller oder in einer Volksküche einnehmend Es ist am Seminar fürStadtschulen zn Berlin wiederholt constatirt worden, daß eine verhältnismäßig nicht ge-ringe Zahl von Zöglingen bei dieser Lebensweise an Erpansionskraft der Lungen undan Körpergewicht während ihres Kursus zurückgegangen sind.
Der erziehende Einfluß des Familienlebens besteht in seiner Ordnung. Je festersich in dasselbe das salomonische Wort cingeprägt hat: alles hat seine Zeit, und jestrenger darauf geachtet wird, daß auch alles seinen Ort habe, desto wohler wird unsim Hause. Die Ordnung desselben nimmt dem Manne gegen das Entgelt, das er ihrin treuer Arbeit leistet, die kleine Sorge ab, das Kümmern und Mühen um das, wasseinen Gang wie ein Fußfcssel hemmt und ihn hindert, das Auge zu erheben. DieWechselbeziehung von Recht und Pflicht ist somit das andere bildende Moment imFamilienleben, nemlich die Nothwcndigkcit für jedes Familienglicd, das Scinige zuleisten und dankbar anzunehmen, was ihm geboten wird; hierin liegt ferner die Nöthi-gung für den Einzelnen, sich selbst freiwillig Schranken zu setzen, sich in andere zufügen und sie zu tragen. So lernt man in der Familie die sich wunderbar ergänzen-den. apostolischen Mahnungen verstehen, daß einer des andern Last und dabei dochein jeglicher seine eigne Last trage; so lernt man Liebe annchmcn und Liebe üben-Und diese Kräfte des Familienlebens vermag das gut eingerichtete und weise ge-leitete Internat zu entfalten. Zur guten Einrichtung gehört es, daß der Seminaristsich in demselben wohl fühlen kann, daß er ausreichende und gute Beköstigung erhalte,gesund wohne und schlafe und ihn eine Ordnung umgebe, welche die Ausrichtung seinerPflichten ihm erleichtert. Kehr scheidet das Zelleusystcm, da zwei Zöglinge ein Zimmerals Arbeits- und Schlafzimmer gemeinsam benützen, das Stubensystem, da vier Zög-linge in einem Zimmer und anstoßendem Schlafgcmach wohnen, und das Saal-system, da zehn bis zwölf Zöglinge in einem Zimmer arbeiten, zwei- bis dreimal soviel zusammenschlafcn (a. a. O. S. 22). Als eine gute Einrichtung wird die erst-genannte niemand anfführen; die andern können es sein; es kommt übrigens auch vor,daß eine viel größere Zahl den Arbeitssaal gemeinsam hat, was mir auch nicht gefallenwill, und daß, wie meistens in Preußen, sechs bis acht Seminaristen mit einanderWohnen, etwa dreißig in weiten Sälen gemeinsam schlafen, was bei uns als wvhlthätigerprobt ist. Zur weisen Leitung gehört eine Hausordnung, welche jeden pictistischenHauch, ebenso wie alle Pedanterie meidet, welche nicht Dinge fordert, die niemand mehrleisten mag, und andre verbietet, die jeder ausübt; eine Hausordnung, abgefaßt in derSprache, die wir alle reden, also weder im Bibel- (Pölitz) noch im Turner- und Burschcnton(vordem Bnnzlau und Weißenfels: Du sollst rc.), beschränkt auf wenige Bestimmungen, dieihre Basis haben in dem Sittengesctz, in der Rücksicht auf das allgemeine Wohlbefindenund ans die Förderung des Lehrzwccks, und in der sich das Haus als ein christlichesdarstellt. Diese Hausordnung muß aber daun auch gelten und alle binden. Die weiseLeitung ist zugleich eine liebevolle und väterliche. Das wird erleichtert, wenn, wie esin Bnnzlau geschieht, die Seminaristen sich in „Familien" theilen, deren jede einem be-sonderen Lehrer zur Sorge und Leitung übertragen ist. Die Mitglieder dieser Familienschließen sich eng und treu zusammen, und ihre Verbindungen überdauern das An-staltsleben.
Das wohl eingerichtete, weise geleitete Internat erleichtert auch die sonstige Arbeitdes Seminars. Ihre Schwierigkeit ist im Vorstehenden wiederholt in Erinnerung ge-bracht worden; hatte doch ein alter Seminardirector selbst sich gewundert, wie man sienur hätte für möglich halten können. Die von den verschiedensten Bildungsstätten herzusammengcführten, an Alter, Lebensanschauung, Kenntnissen unter sich ungleichen, zum