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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Vvlksschullchrerseminar.

und verderbender Phantasie pflanzen sich fort. Der Optimismus wie der Pessimismus,der Schlendrian wie die schulmeisterliche Pedanterie können es dazu bringen, daß dieGesetze, sonderlich die unerfüllbaren, umgangen werden, und daß ein Kampf der Listgegen die List, daß Angeberei und Zwischenträgern Eingang finden; aber dagegen hatcs stets Mittel gegeben und gegenwärtig hält die Presse diese Institute unter so guterControle, daß die Wiederkehr von Zuständen, wie sie vorübergehend da oder dort ge-wesen sein mögen, nicht zu fürchten ist. Allerdings ist die glückliche Lösung derAufgabe des Internats nicht leicht; selbst die äußere Oekonomie hat ihre Schwierigkeit;die an sich nicht große Zahl der Männer, die sich zum Scminardienst eignen, wirddurch die hohen Anforderungen an ihren pädagogischen Takt noch verringert; diesenMännern werden schwere Pflichten aufgelegt und dem Staate große Geldopfer zugc-muthet. Aber schon der Umstand, daß gerade die Männer, denen das Extcrnat eineErleichterung bringen würde, gegen dasselbe sind, muß zu der Annahme führen, daßsic dafür starke objective Gründe haben. Der Verfasser eines Aussatzes in der allge-meinen Lchrcrzeitung von 1870 und Lcutz in dem Programm des Karlsruher Semi-nars von 1871 machen geltend, daß der Schaden derVerlumpung" durch das unge-bundene Leben größer sei, als der einer angeblichen Entfremdung vom Leben, und dieThatsache, daß von den Zöglingen des Berliner Seminars unter allen Dircctoren gleich-mäßig von 1832 bis 1870 20,5 °/° und zwar von den im Austaltsgcbände wohnenden,aber nicht beköstigten Zöglingen 13,41 °/, von den ganz externen 25,12°/° das An-staltsziel nicht erreicht haben, unterstützt diesen Grund. Dennoch mag ich ihm keineentscheidende Bedeutung geben, dennKnaben und Jünglinge müßen gewagt werden,um Männer zu werden" (Herbart) und die Jünglinge, welche die Vorbereitung ausihren ersten, heiligen Beruf nicht vor schweren Verirrungen zu bewahren im Stande war,mögen wir um ihrer selbst willen bedauern, ihr Verlust ist nicht zu beklagen; er wärewahrscheinlich einige Jahre später doch eingetretcn. Keinenfalls darf um der Schwachenwillen allen übrigen eine Lebensordnung aufgenöthigt werden, die nicht an sich, bczw.für alle wünschenswerth wäre.

Daß das Internat den Zöglingen angenehm sei, crgiebt sich schon daraus, daß csvon ihnen selbst gewünscht wird. Die Externate haben Mangel an Zöglingen, dieInternate nicht; darum hat sich Biclitz in ein Internat verwandeln müßen; es stündesonst leer; höben wir das Internat auf, wir hätten keine Seminaristen, steht in etwa5 Programmen aus 5 verschiedenen Staaten zu lesen. In Sachsen machen die jungenLeute von der Licenz, für sich zu wohnen, sehr geringen Gebrauch und in Berlin be-gehrten selbst hochliberale Männer für ihre Angehörigen die Aufnahme in das Internat.

Wir sind damit zu dem ersten durchschlagenden Grunde für diese Institution ge-kommen. Sie erleichtert allen und ermöglicht den armen Aspiranten den Eintrittin den Lchrerberuf. So lange man nicht im Stande ist, den Vvlksschullchrer so zu besoldenund gesellig so zu stellen, wie den Literaten, muß man bei der leichten Zugänglichkeitunsrer höheren Lehranstalten denen besondere Unterstützung zuwendcn, welche sich dem Diensteder Volksschule widmen wollen. Auf sich allein gestellt oder ans ein kleines Adjutuman baarem Gelde gewiesen, werden sie vorziehen, andere Lebenswege cinznschlagen. Diejungen Leute selbst und ihre Vertreter suchen das Internat ferner, weil sie in demselbenden Segen des Familienlebens finden. Das ist nun gerade das Gcgcnthcil reudem, was man sonst liest. Durch das Extcrnat sollen die Seminaristen dem Familien-leben erhalten bleiben, mit dem gebildeten Bürgerstande in Verbindung treten. Da-gegen schreibt Kehr:Wo sind denn die gebildeten Familien, welche einen armen Sem-inaristen in ihren Familienkreis aufnehmcn? wo ist denn jenes gebildete Bürgcrthum,das sich dazu hergiebt, arme Seminaristen in die Zirkel gebildeter Gescllschasten ciii-zuführcn? und wo sind denn die Seminaristen, welche die Geldmittel haben, um dengesellschaftlichen, bezw. finanziellen Ansprüchen gebildeter Stände Genüge zu leisten?'(a. a. O. S. 23). Ich frage weiter: ist das eine Beziehung zum Familienleben, wen«