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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Volksschullehrerscminar.

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Daß die Ucbungsschule ein nothwcndiger Bcstandtheil des Seminars sei, unddaß sie, wie das preußische Regulativ vom 1. October 1854 fordert, den Mittelpuuctzu bilden habe, um den sich ein großer Theil des Scminaruntcrrichts in den beidenletzten Jahren lebendig gestalte, ist fast von allen Seiten anerkannt. Diestcrweg gehtsogar so weit zu sagen:ein Seminar ist gerade so viel Werth, als die Schule, die esbesitzt." In der preußischen Lehrordnnng vom 15. Oktober 1872 bildet die Be-stimmung, daß bas Seminar eine Ucbungsschule haben müße, den ersten Para-graphen. Nur an einzelnen Stellen steht die praktische Anerkennung noch ans, die Se-minarschule fehlt aber dann meist aus äußeren Gründen. Ein literarischer Gegner istihr neuerlich in Deinhardt erstanden, dessen Votum jedoch, wie er nachträglich sichcrplicirt hat, die österreichischen Verhältnisse im Auge hat und sich mehr gegen denMisbranch als gegen den Gebrauch der Sache richtet und endlich mehr die pcätendirteMusterschule als die Scminarschule ins Auge nimmt.

Die Seminarschule soll M u st erschule sein, so weit sic das sein kann, und Ueb un g s-schule, nicht aber Versuchsfeld für neue Methoden und allerlei Fündlein. Nur dasErprobte und Bewährte ist dem Seminaristen zu zeigen. Damit die Schule ihm in sovollkommener Gestalt erscheine, als dies nur irgend zu erreichen ist, und damit dieSchulkinder nicht ein Opfer der an ihrem Unterrichte sich versuchenden Seminaristenwerden, ist es nöthig, das; der Unterricht nicht ausschließlich in deren Händen liege, son-dern daß sich die Seminarlehrer selbst an demselben betheiligen, daß ferner eine stetigeJnspcction stattfinde, d. h. daß ein Lehrer da sei, der während der ganzen Dauer derSchulzeit in der Schule anwesend, von Classe zu Classe gehend die Seminaristen über-wache und daß in irgend einer Weise, z. B. durch Conferenzen, wie sie in Gotha undin Preußen nach dem neuen Lehrplane gehalten werden, eine Einheit in der Arbeiterhalten werde. Dazu aber, daß die Lehrübnng in der Schule den Seminaristen sichreFrucht bringe, gehört die schon oben postnlirte Einheit zwischen ihr und dem Scminar-uuterricht; dazu ist cs nöthig, daß die Methodik jedes Lehrgcgenstandes in das Pensumdesselben ausgenommen werde, und daß die praktische Ausführung unter Contrvle desFachlehrers stehe, der sich mit dem Vorsteher der Ucbungsschule zu verständigen hat.Die Zahl der ans einen Seminaristen fallenden Lehrstunden sollte überall, wie es vonjetzt an in Preußen Regel ist, nicht unter 6, aber auch nicht über 10 wöchentlich be-tragen, denn nur die gehörig vorbereitete und controlirte Lehrstunde übt; außerdemmüßen besondere als Lehrproben bezcichnete Hebungen und Jnspcctioncn der selbständigenThätigkcit vorangegangen sein. Der Wechsel in den Gegenständen derselben ist nöthig,damit der Seminarist in allen Hauptfächern geübt werde und damit er nicht von vornherein Routine mit Tüchtigkeit verwechsle und in den Schlendrian falle; aber einzweimaliger, höchstens dreimaliger Wechsel im Jahre genügt.

Dadurch, daß man in den preußischen Seminaren die besondere Untcrrichtskundeden einzelnen Fächern zuschrcibt, und die grammatische, bezw. sprachliche Hebung, welchein Gotha als Fragebildung eine besondere Lehrstunde erfordert, ebenfalls an anderenOrten anstellt, erklärt sich der engere Umfang, welchen der eigentliche pädagogische Un-terricht dort scheinbar hat; scheinbar, denn factisch dnrchdringt er das Ganze in allenTheilcn. Es ist darüber im Vorstehenden wiederholt und ausführlich die Rede ge-wesen, auch davon ward schon gesprochen, daß die Grundbegriffe der Psychologie undder Logik dem Seminaristen zu geben seien, daß es aber mehr als fraglich sei, ob da-für eine besondere Lehrstunde nöthig sei. Auch Kehr klagt darüber, daß die meistenScminarlehrpläne ein zu großes Vielerlei von Untcrrichtsgegcnständen anfwcisen (a. a.O. 39). Zudem lassen sich doch weder Psychologie noch Logik aus dem Organismusdes Systems lösen, auf dessen Boden sie gewachsen sind; sie aber im Zusammenhang mitdiesem zu geben, geht über die Kräfte des Seminars. Außer diesen grundlegenden Begriffengehören noch die Geschichte der Erziehung und des Unterrichts, die eigentliche Schul-kunde oder Schulpraxis und die Einführung in die Schulgesehgebung desjenigen Be-