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Volksschullehrerseminar.
über das — auch heute noch nicht befriedigte — Bedürfnis eines Lehrbuches für den-selben, habe ich in einer Abhandlung ausführlich geredet, welche als „das Gutachteneines Seminardircctors" im Centralblatt 1865 S. 544-571 abgedruckt ist, und aufdas ich daher um so mehr verweisen darf, als ich noch heute die dort niedcrgelcgten ^Ansichten vertrete. Es handelt sich mir nemlich bei dem Gegenstände in erster Linieum die Erweckung und Belebung einer religiösen Uebcrzcugung in dem jungen Manne,der unmittelbar ans der Anstalt ins öffentliche Leben tritt, dem der Widerspruch gegendas Evangelium ans zahllosen Quellen entgegenströmt, während die Befestigung indem Glauben an dasselbe oft nur von ihm selbst ausgchcn kann. Ich vergegenwär-tige mir, daß der junge Lehrer die Waffen der Wissenschaft nicht führen, daß ihmnur eigener fester Glaube einen Halt verleihen kann. Andererseits bringe ich mirzum Bewußtsein, wie gar nöthig er desselben bedürfen wird fürs eigne Leben, vollArbeit und Entbehrungen, für die Tausende von Kindern, denen er im Laufe feinerAmtszeit ein Führer zu ihrem Heilande werden soll, und für die Gemeinde, die aussein Wort achtet und namentlich dann auf dasselbe sich beruft, wenn sie den eigenenUnglauben durch seine Auctorität beschönigen kann. Weil der Lehrer die rechte Stellein seinem Hanse, in seiner Schule, in seiner Gemeinde nur dann hat, wenn er eineeigne Ueberzcugnng gewonnen hat, und weil diese nur mit Freiheit gewonnen werdenkann, so darf das Evangelium dem jungen Manne nicht als Gesetz entgcgcugebrachtwerden mit Len strengen Worten: „Das mußt du glauben." Es darf um der Selig-keit von tausenden von Christenkindern willen der Glaube nicht zum guten Werke herab-gedrückt werden, und das geschieht, wo nur irgend das Bekenntnis eines Schülers eine»Einfluß auf das Ilrtheil der Lehrer über ihn hat. Die dadurch geweckte und genährteHeuchelei der Zöglinge macht alle Erziehung unmöglich. — Weil ferner nur das, wasvom Geist geboren ist, Geist ist, so darf der Religionsunterricht nicht Gedächtniswerkfein, ebensowenig Sprachstunde und noch weniger Zubereitung zum Examen. — Weil esendlich zahllose Lehrer giebt, die in der biblischen Geschichtsstundc nur aufgeben und abhören,höchstens noch vorlesen lassen und die dadurch ihre Schüler todtmachen, so müßen die Semina-risten das Vorbild eines guten und erwecklichen Unterrichtes erhalten. — Die Frage, wie mandenn aber eine Ucberzcugung in den angehenden Lehrern erwecke, beantwortet sich für michauch für diese durch das Wort des Bernardus, das ich vor 12 Jahren über mein Rcligions-buch für Primaner geschrieben habe: guantum äons oo^nosoitur, tnmtum äiligltur. Manzeichne nur mit treuem Fleiße, recht rein von eigner Zuthat, das Christusbild; die leichtempfänglichen Jünglinge werden cs sehr lieb gewinnen.
Die Bestimmung des Peufums und dessen Vertheilung ist einfach. Der Unterstufegehört die biblische Geschichte und das Kirchenlied; der Mittelstufe der Katechismus, deroberen die Methodik; nebenher geht Bibellesen; wenigstens ein Evangelium und derRömerbrief sollten gelesen werden. Was von der Augustana, von den Uuterschcibungslchren,von der Kirchengeschichte zu geben sei, ist von den localen Verhältnissen abhängig.Ebenso die Wahl des Katechismus. Wo die Provincialgcmeiude oder die Landeskircheihren Katechismus hat, wie in Bayer», Rheinpreußcn, Hannover, da ist dieser auchScminarbuch. Wo sich ein Katechismus, ohne officiell eingcführt zu sein, so eingebür-gert hat, wie der von Jaspis in Pommern, so gehört er ebenfalls ins Seminar. (Vgl.noch Toren: der evangelische Religionsunterricht in Deutschland, Großbritannien undDänemark. Berlin 1865.)
lieber „die Theorie und Praxis des pädagogischen Unterrichts an den deutschenSchullehrerscminarien" haben wir eine treffliche kleine Monographie (von Leutz, Karls-ruhe 1869), deren Verfasser alles, was an Programmen, Brochüren und Reiseberichtenvorhanden ist, sorgfältig benützt hat. Es darf also auf sie verwiesen und hier nur inKürze das Wesentliche gesagt werden, und dies um so mehr, als auch schon im Vor-stehenden (unter Preuße») diejenige Einrichtung genau beschrieben ist, der Leutz beson-ders beistimmt, die aber nicht, wie er annimmt, in Bunzlau, sondern in Bromberg be-