Volksschiillehrersciittiiar.
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rmd sonach einer im allgemeinen gleichmäßigen Behandlung des deutschen Sprachunter-richtes in den Seminaren die Wege geebnet sind, fehlt ihnen ein zweckmäßiges Lese-buch, wie es z. B. den Gymnasien von Hopf und Panlsieck dargcbotcn ist. Das vonWackernagcl ist schon um seiner Orthographie willen bedenklich, dann aber, weil es beider Auswahl seines ethischen und geschichtlichen Stoffes die letzten drei Jahrzehnteignorirt, weil seine naturkundlichen Lesestücke meist veraltet sind und zum Theil sogaroffenbare Jrrthümcr enthalten und endlich weil aller pädagogische Stoff fehlt. Es ist eineder nächsten Aufgaben der Seminare, ein gutes Lesebuch herzustellcn.
Je mehr Gewicht ans die formelle Aufgabe des Sprachunterrichts gelegt wird, destodeutlicher wird cs, daß dieselbe in den wenigen Lehrstunden, die diesem Gegenstände zu-geschrieben sind, nicht gelöst werden kann. „In Preußen ist eben aller Scminarnnter-richt Sprachunterricht." (Kehr a. a. O. S. 30.) Es sollte überall so sein. JederSchriftsatz muß corrcct, jeder Vortrag klar und bestimmt sein, denn cs ist nicht bloßdie Fähigkeit zum Unterricht in der Muttersprache Lehrziel, sondern diejenige Herrschaftüber die Sprache, ohne welche wirkliche Lehrhaftigkeit nicht erreicht wird. Es ist nochmehr zu fordern. Selbst die Conccntration aller im Unterricht überhaupt gegebenenFactorcn genügt für die Erreichung des geforderten Resultates nicht. Auch der Pri-vatfleiß muß in Anspruch genommen werden. Dazu dient, was Kehr in Berlin gesehenhat (a. a. O. S. 42), und was er „Zwangslcctüre" nennt und zur Nachahmung empfiehlt.Ich habe diese Einrichtung von Bock in Münsterberg gelernt 1863 und sie mit Modifika-tionen in Bromberg, Bunzlau und Berlin eingeführt. Dieselbe besteht darin, daß ansder Bibliothek der Seminaristen diejenigen Bücher ausgewählt werden, welche die Zöglingekennen mäßen, daß diese nach einem bestimmten Turnus unter ihnen circuliren, und daßan dem Tage des Auswcchselns in einer dazu verwendeten deutschen Stunde von ihnenBericht über die Lcctüre gefordert wird. Die gewählten Schriften sind theils denen der Klas-siker und unserer besten Volksschriftstcller, theils der pädagogischen Literatur entnommen;Mnsterdarstellungen geschichtlicher, geographischer und natnrgeschichtlichcr Stoffe gehörenebenfalls dahin. (Die preußische Lehrordnung vom 15. Oct. hat auch diesen Gegen-stand geordnet.) — Eine besondere Sorgfalt ist endlich den Aufsätzen, sowohl rücksicht-lich der Auswahl der Themata, wie der Corrcctur der Arbeiten znzuwcnden. Die Auf-gaben sind aus dem Anschauungskreise des Zöglings zu nehmen und auf seinen künf-tigen Beruf zu beziehen. Sie haben darum an die Lcctüre oder den Unterricht so an-znknüpfen, daß die Anordnung und die Darstellung des Stoffes, nicht dessen InventionSache des Schülers ist. Ein Thema wie „der epische Hintergrund in Hermann undDorothea" hat gewiß nichts gegen sich. In etwas andrer Form rcdigirt kommt cs inPreußen auch Wohl vor; „aus Göthe's Wanderer und Pächterin eine Novelle zuconstrniren," ist in keiner Lehranstalt eine angemessene Aufgabe, am wenigsten in einemSeminar.
Das materielle Ziel des Unterrichts in der Muttersprache läßt sich in allgemeinbindender Weise nicht bestimmen, es erweitert sich das Pensum in dem Maße, als dieVorbildung der formellen Aufgabe vorgearbeitet hat. Man wird in Berlin, wohinZöglinge aus den verschiedensten Gauen kommen, weiter gehen können, als in solchenAnstalten, deren Nachwuchs nur aus den engen Grenzen einer kleinen Landschaft kommt,deren Mundart mitbringt und arm an Vorstellungen ist. Man wird selbst innerhalbeiner Provinz nicht gleiches Niveau erreichen, in der größeren Stadt mehr geben könnenals in der kleineren. — Uebcreinstimmend werden dagegen die Lchrgcgenstände überallsein: Methodik des deutschen Sprachunterrichtes, besonders Lcselehre; Wiederholung derGrammatik; Darstellung des Wesens und Charakters der Stilgattnngen und der be-kanntesten Dichtnngsarten an Proben aus den Meisterwerken der neueren deutschen Lite-ratur (seit Luther); Einführung in diese, soweit möglich an der Hand des Lesebuchs,und das Wesentliche über die bedeutendsten Dichter und Schriftsteller.
lieber die Aufgabe und das Ziel des Religionsunterrichtes in dem Seminar und