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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Volksschullehrcrscminar.

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bürgerlichen Leben wirklich Vorkommen; er solle die Nanmbcrechnnngcn vornehmen können,die man dort braucht; er solle die Gründe des Verfahrens wissen und im Stande sein,rechnen zu lehren. Das ist mehr verlangt, als manche Lenken und viele können; unddiejenigen seminaristisch gebildeten Lehrer, welche die praktische Tüchtigkeit unterschätzen,unsachten eben das, was sie stark inacht, und treten in Wide: sprach mit sich selber, denndie theologisch gebildeten Schulmänner, deren Jnspcction und Direction sie ablehne,,,haben in der wissenschaftlichen Mathematik ja das alles, und noch mehr als das gelernt,was in die neuen Programme gesetzt wird. Andererseits möchte ich bei dieser Hochhaltungder formellen Aufgabe die materielle nicht zu niedrig bemessen und versichere aus eignerErfahrung: cs läßt sich mehr erreichen, als man gewöhnlich annimmt. Die Rechnungenmit entgegengesetzten Größen müßen die Seminaristen lernen und von der Buchstaben: >rcchnung doch so viel, daß sic die in Formeln ausgedrückten allgemeinen Gesetze in derGeometrie, der Physik und der Chemie verstehen, behalten und anwcndcn können. Wieweit ein Schwimmer sich ins offene Meer wagen darf, hängt von seiner Kraft ab, nur Smuß er diese kennen und darf das Ufer nicht aus dem Auge verlieren. Ich würde nebenden bürgerlichen Rechnungsarten, der Algebra und den Wurzelertractioncn auch bei,Gleichungen ihren Platz im Lehrplane geben, wo cs ohne Schaden der Minderbegabtenthunlich ist. Die Logarithmen dürften in den meisten Fällen, die geometrischen Pro-grcssioncn überall dem Privatfleiße zu überlassen sein. Ich ersehe von ihnen keinenNutzen für das Seminar, ebensowenig als von einer streng wissenschaftlichen Behandlungder Geometrie, während ihre elementare Darstellung, fortgeführt bis zu den Körpernund deren Berechnung formell und materiell wichtig ist.

Auch bei Bestimmung der Scminaranfgabe für die Muttersprache habe ich micheiner Ketzerei schuldig zu geben. Mir ist es nemlich sehr viel wichtiger, daß die Sominaristen gut sprechen und lesen und daß sie correct schreiben, als daß sie von deinMittelhochdeutschen naschen, denn mehr als dieses ist doch nicht möglich, und ich binder Ansicht, daß die Aufgabe, sic lesen, sprechen und schreiben zu lehren, eine so schwie-rige und große sei, daß neben oder nach ihrer Lösung nicht viel Zeit bleiben wird. -Die Meinung, es sei der grammatische Unterricht entbehrlich oder es sei möglich, ihnnur gelegentlich in die Behandlung der Sprachstücke aufznnchmen, eine Ansicht, welcherPalmer selbst für die Volksschule stets widersprochen hat, darf als eine überwundene an-gesehen werde», während andrerseits, nachdem der Reiz des Widerspruchs weggefallen ist,niemand mehr ernstlich davon redet, die deutsche Grammatik wie diejenige irgend einerfremden Sprache zu lehren. Endlich darf auch jene Outrirung der ursprünglich vonKellner und Otto eingeführten und von diesen selbst ganz rationell behandelten Methodeeines Sprachunterrichtes, der sich an dicBehandlung weniger Normalstosse lehnt, als beseitigtangesehen werden. Der Gedanke, erst aus dem ganzen deutschen Sprachschatz eine kleineAuslese in ein Lesebuch zu sammeln, dann noch aus diesem wieder ein Dutzend Nor- !malstoffe zu suchen und an ihnen oder mit ihnen Wochen-, ja monatelang zu manipuli-ren, ist zu absurd, als daß er dauernd Freunde finden könnte. Es ist demnach eineVerständigung über die Methode des deutschen Sprachunterrichtes jetzt zu erhoffen undgewiß auch über die Gegenstände desselben. Es war allerdings befremdlich, daß selbstdas preußische Ministerialrescript vom 16. Februar 1861 noch schrieb:Wenn sonst

Zeit und Umstände es gestatten, kann z. B. in den Seminaren Schiller's WilhelmTell und Göthe's Hermann und Dorothea der Privatlectüre der Seminaristen zugc-wiesen werden," statt zu schreiben:Dichtungen, wie Schiller's Tell und Göthe'sHermann und Dorothea müßen, wo die Zeit fehlt, sie im Unterricht zu behandeln,den Seminaristen wenigstens durch Privatlectüre bekannt gemacht werden." Wer aberden oben angeführten Aufsatz von Supprian im Centralblatt von 1870 und die in dem- !selben Journal enthaltenen Nevisionsberichte aufmerksam gelesen hat, weiß, daß diePraris auch in den preußischen Seminaren den letzteren Satz längst adoptirt hat.Durch die neue Lehrordnung hat sie auch ihre Anerkennung gefunden. Wh- '