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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Volksschullehrrrseminar.

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und in seinen begründenden Abschnitten thcilweise selbst in der Form gegeben wer-den, welche die Behandlung desselben Gegenstandes in der Elementarschule fordert.

Er muß überhaupt in seiner Form nach allen Seiten in strenger Festhaltung des Ge-dankens entwickelnd, die Antworten zum weitern Fortschreiten richtig benutzend, Schwie-rigkeiten vermittelnd und verkehrte Auffassungen berichtigend, geistige Zucht üben und ^indem der Lehrer in seiner mittheilcnden Thätigkeit mehr zurücktritt, die Selbstthätig-keit der Schüler anregend in Anspruch nehmen. Hiernach sind in allen Lcetionenrasches und sicheres Auffassen der gelesenen oder vorgetragenen Gedanken, klares undsicheres Verarbeiten, einfaches, richtiges Wiedergeben, also Uebung im Verstehen, Den-ken und Sprechen stets im Vordergründe stehende Gesichtspuncte." Wer das aufmerk-sam liest,, muß es unbegreiflich finden, daß sich der Jrrthum erzeugen und verbreitenkonnte, es solle mit den Seminaristen ein Kinderspiel getrieben werden. Diese Forde-rung, welche auch nach der Aufhebung des Regulativs aufrecht erhalten werden muß*), !ist im wesentlichen dieselbe, Welche Stoy selbst stellt, daß die Lehrobjecte und der Stand- ^puuct der Zöglinge die Methode bestimmen, und wenn Stoy in ein preußisches Semi-nar tritt, wird er dort die Lehrweise finden, die er uns selbst a. a. O. S. 27 unterdem Gesichtspunct der Selbstverleugnung gezeigt und beredt empfohlen hat. Die be-strittene Forderung des Regulativs richtet sich gegen diejenigen, welche den SeminaristenHefte dictirten, welche ihnen nach akademischer Weise langathmige Vorträge hielten, >

Welche unter dem Titel irgend einer Disciplin Zeug herbeibrachten,das keines Ge- i

müthc bessert, noch eines Menschen Nutz vergrößert," welche in der Neligionsstundearchäologischen Kram von zweifelhafter Richtigkeit gaben, welche wie gewiße Professorenihr Pensum nie absolvirten, in der biblischen Geschichte alten Testaments kaum überJoseph, im neuen Testament über das 5. Capitel eines Evangeliums hinauskamen.

Die Beispiele würden heute kaum Glauben finden, denn die Ucbelstände sind beseitigt.

Was Stiehl in den durch ihre Fassung das Misverständnis allerdings zum Theil selbst ver-schuldenden Worten gemeint habe, wird durch das von ihm in der BrochüreMeine Stel-lung re. S. 197) mitgetheilte Ladenberg'sche Rescript deutlich. Uebrigens hat gerade dieseForderung einen Gewährsmann, dem niemand eine Voreingenommenheit für das preußischeSeminar, wie es sich in den letzten beiden Jahrzehnten entwickelt hat, zutraucn dürste.Der Lernstoff soll den Seminaristen nicht hinterher, sondern zugleich mit derrechten Methode zum Eigenthum werden. Die Weise, wie sie lernen, muß die-selbe sein, in der sie lehren sollen. Der Seminarlehrer darf darum keine andre Lehr-weise bei den Seminaristen anwenden als die, welche die Seminaristen bei ihrenSchülern üben sollen. Denn sie wenden das Gelernte nicht so an, wie man ihnensagt, daß sie es anwenden sollen, sondern sie wenden es so an, wie sie es erfahrenhaben," schreibt aus mehr als zwanzigjähriger Seminarpraxis- Diesterweg.

Es bleibt demnach Axiom, daß der Seminarunterricht von dem richtig verstande-nen formellen Lehrprincipe ausgehcn und in jeder Hinsicht, soweit das möglich ist, muster-gültig sein, daß überall die dialogische Unterrichtsform angewendet werden muß, unddaß es dem Seminarlchrer weder gestattet werden kann, durch Dictate u. dgl. dieeigentliche Arbeit von sich auf seine Schüler zu legen, noch seinen Liebhabereien nach-zugehen.

Zur Zeit ist die Zahl der Elasten beim Seminar noch sehr verschieden; wir habenein-, zwei-, drei- und vierclasstge. Das Dreiclassensystcm ist in Preußen, Baden,Württemberg, das Vierclassensystem ist in Sachsen, neuerdings in Oesterreich, undallerneuestens in Gotha eingeführt. Gleichmäßigkeit wird noch lange auf sich warten

") In der Lehrordnung vom 15. Oct. heißt es: Der Unterricht, den die Seminaristen em-pfangen, soll in seiner Form ein Muster desjenigen sein, welchen sie als Lehrer später zu erthci-lcn haben werden. Die Unterweisung giebt überall mit dem Stoffe auch die Methode undleitet zu selbständiger Durchdringung desselben an (8 10. »I. 1. und 3.).