Volksschullehrerseminar.
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lassen. Im allgemeinen ist festzustcllcn, daß drei Classen die Norm, bezw. das Mini-mum sind, und daß die vierte Classe überall da geboten ist, wo dem Seminar noch dieAufgabe wesentlicher Mittheilnng neuen Lernstoffes zufällt. Es werden demnach dannauch zwei Classen der Mittelstufe augchören. Es ist ncmlich Sache der Unterstufe,unter den von den verschiedensten Bildungsstätten her zusammcngeführten Zöglingeneine Gemeinschaft des Geistes zu bilden, sie zu einer Classe zu gestalten'und denWissensstoff, den sie mitgebracht haben, zu läutern, zu ordnen und zu befestigen. Außer-dem fällt ihr, aber mehr noch der Mittelstufe — ein oder zwei Classen — die Auf-gabe zu, das zu geben, was die Seminaristen an positiven Kenntnissen neu zu erhaltenhaben. Hier wird ihr Gesichtskreis erweitert, und ihnen die Fähigkeit gegeben, späterselbständig weiter zu arbeiten. Die Oberstufe lernt und übt das Unterrichten. IhrenZöglingen sollte Lernen für den Unterricht, den sie empfangen, gar nicht mehr oderdoch nur in ganz geringem Maße zugemuthet werden (vgl. oben das über Württem-berg Gesagte. Die preußische Lehrordnung vom 15. Oct. 1872 adoptirt diese Sätze.)
Die Lehrgegenstäude im Seminarunterricht sind jetzt in Deutschland überall die-selben, nemlich die in der Bürgerschule verkommenden Disciplinen und die schulkund-liche Unterweisung. Nur insofern bestehen Unterschiede, als hier mehr Objecte in denPlänen genannt sind, während dort mancher Lehrgegenstand in einen andern ausgenom-men ist; so ist es z. B. mit Logik, Psychologie, Chemie.
Neuerdings hat Hamburg Len Anfang gemacht, die englische und die französischeSprache als obligatorische Lehrgegenstände aufzunehmen; in. Sachsen werden sie zumTheil facultativ gegeben; dasselbe ordnet der preußische Normalplan an. Es ist dringendzu wünschen, ja es ist eine unabweisbare Nothwendigkeit, daß wenigstens in den Semi-naren für Stadtschulen das Französische gelehrt werde, und jedenfalls war es eine wunder-liche Anomalie, daß in der deutschen Kaiserstadt in der Scminarschule französischer Unter-richt ertheilt wurde, im Seminar nicht; während an dem Seminar eine Prüfungs-commission für „den Unterricht in fremden Sprachen an zu Abgangsprüfungen nichtberechtigten Schulen" bestand, zu welcher die seminaristisch gebildeten Lehrer zugelassenWurden, und darum der fremdsprachliche Unterricht an den Berliner Mittelschulenfast nur in deren Händen liegt.
Au einigen Stellen wird ein besonderer Werth auf die Anfertigung von Handar-beiten durch die Seminaristen gelegt (vgl. oben Mecklenburg). Unter Stoy sind imersten Jahre in Bielitz Buchbinderarbeiten, Laubsägearbeiten, Drechsler-, Tischlerarbeitenund an physikalischen Apparaten gefertigt worden: 1 schiefe Ebene, 1 bewegliche Nolle,1 Flaschenzug, 1 Gestell zum einarmigen Hebel. Das Letztere hat Werth; es ist gut,wenn die Seminaristen lernen, Lehrmittel selbst herzustellen; aber sie müssen es auchWirklich lernen, und dazu gehört viel. In den meisten Fällen werden diese praktischenArbeiten Wenig praktischen Erfolg haben. — Wichtiger ist die Anleitung für Feld- undGartenarbeit, wie sie die Schweiz hat, wie v. d. Golz und Bock sie für Ostpreußenerstreben; aber unter der Voraussetzung, daß die Zöglinge wirklich eine Einsicht in dieSache erhalten und soweit gefördert werden, daß sie in ihrer späteren Heimat denLandleuten Rath und Belehrung zu geben im Stande seien. Diejenige Feld- undGartenarbeit, die nur den Zweck zu haben scheint, der Anstalt oder gar einzelnen Leh-rern ordinäre Dienste zu leisten, läßt sich als körperliche Hebung allenfalls entschuldigen,aber nicht rechtfertigen! — Auf die Gefahr hin, für einen Ketzer zu gelten, votire ichgegen die Pflege des Seidenbaus in den Seminaren. Gerade hier werden die Semi-naristen vielfach misbraucht, und ihre Thätigkeit beschränkt sich oft auf das Herbei-schaffen der Maulbecrblätter. Zudem habe ich Gelegenheit gehabt, zu constatircn, daßein Semiuarlehrer, der wegen seiner persönlichen Verdienste um den Seidenbau oft prä-miirt worden war und der seine Schüler in demselben unterwies, doch in zwanzigjäh-riger Thätigkeit nur etwa drei von diesen soweit für die Sache gewonnen hatte, daß siedieselbe selbständig weiter führten. Dagegen möchte ich für Bienenzucht ein sehr war-