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Volksschullehrcrscniinar.
sein Vortrag muß sich an Mustcrstücken, von denen er einige, prosaische wie poetischeauswendig weiß, gebildet haben, sein mündlicher und schriftlicher Ausdruck muß correctsein, und er muß es verstehen, über Dinge, die in seinem Anschaunngskreisc liegen, imZusammenhänge zu sprechen oder zu schreiben. Vorzüglich aber muß er orthographischschreiben können. Es ist eine alte Erfahrung, daß es dem treuesten Scminarlchrcrnicht durchweg gelingt, solchen Zöglingen, welche sic nicht mitbringen, Sicherheit in derOrthographie anzucignen. — Im Rechnen steht die Sicherheit und die Gewandtheit inden Operationen voran; auch hier gilt es, daß nicht erwartet werden kann, der Scmi-narunterricht werde diejenigen rechnen lehren, die cs noch nicht können. Je mehr csjetzt auch in den höchsten wissenschaftlichen Kreisen zur Geltung kommt, daß es in derganzen Arithmetik nur jene vier Grundoperationen gebe, welche wir als die Spcciesbezeichnen, desto mehr sind wir berechtigt zu fordern, daß unser Schüler zunächst diesein ganzen Zahlen, in gemeinen und in Decimalbrüchen, in gleich- und ungleichbenanu-lcn Zahlen zu rechnen vermögen. Bei der bedeutenden Stelle, die der Rcchenuntcrrichtjetzt einnimmt und bei dem großen Umfang desselben sind aber vom Präparanden auchKenntnis der sogenannten bürgerlichen Rechnungsarten, die Verhältnisse und elementareLösung algebraischer Aufgaben und aus Anlaß der Einführung der neuen Maße auchdie Extractionen des zweiten Grades zu fordern. Er muß sodauu die Elemente derGeometrie inne haben, Linien, Flächen, Körper bestimmen und berechnen können, auchdie Gründe des Verfahrens wissen. — In der Musik ist Clavier- und Orgclspiel nurfür den Eintritt in diejenigen Seminare Bedingung, welche Organisten bilden wolle»;für den Gesauglehrer genügen die Geige und die Anfänge des Clavicrspiels. DiejenigenChoräle, deren Texte er gelernt hat, und einige Volkslieder muß der Präparand auchcorrect singen und auf der Geige spielen können. Außerdem siud die Elemente derHarmonielehre zu verlangen. — Nückstchtlich der Realien schreibt Zwick a. a. O.S. 108: „Die Bekanntschaft mit der Geographie hat sich zu erstrecken über die allge-meinen Vorbegriffe, über Gestalt, Größe, Bewegung der Erde, über das Allgemeine derErdtheile, besonders Europas; speciell sollen die Aspiranten vertraut sein mit deutscherund vaterländischer Geographie, topischer und politischer Geographie der europäischenStaaten. — Neben Bildern aus der allgemeinen Kulturgeschichte sollen die Präparandenmit den Thatsachen der deutschen und engcrn vaterländischen Geschichte bekannt sein. —Die Naturgeschichte der drei Reiche muß er an vorstehenden Typen und Familien mitbesondrer Berücksichtigung der einheimischen Thicre, Pflanzen und Gesteine gelernt habe».Die wichtigsten physikalischen Lehren, einschließlich der Elemente der Chemie, müßen ihmans Grundlage der Experimente zum Verständnis gekommen sein." Er wird schwerlich
Widerspruch finden.-(Vgl. noch: Bericht über die Verhandlungen der Sc-
minarsection. Kehr a. a. O. S. 45—75. sowie den Bericht über die preußische Juni-confercnz); die Bestimmungen der Ordnung für die Aufnahmeprüfung an den Seminarender preußischen Monarchie vom 15. October 1872 stimmen in den Hauptsachen mit denhier dargclegten Grundsätzen überein.
Auf die Frage, wie die nun aufgcnommencn Seminaristen zu unterrichten seien,geben die bestehenden Einrichtungen in Deutschland zweierlei Antwort. Kehr charak-tcrisirt sie in seinem mehrfach ungezogenen Osterprogramme von 1872 als die preußischeund die sächsische, und sagt, daß dort die elementare, hier die wissenschaftliche Behand-lung herrsche. Er verwahrt aber zugleich die preußischen Anstalten gegen den ihnenhäufig gemachten Vorwurf, als werde in ihnen „gelindert." „Sie muthcn," sagt er,„ihren Schülern vielmehr eine ganz tüchtige Geistesarbeit zu und verlangen bezüglich„der Kenntnisse keineswegs so wenig als man im allgemeinen glaubt. Es herrscht in„manchen Anstalten eine Zucht des Geistes, die alle Ächtung verdient." Er beschreibtdie Rechenstundc, deren Zeuge er iu Weißenfels — und das bei einem Lehrer, der inseinem 50. Dicnstjahre stand — gewesen ist und fügt hinzu: „Vor den erreichten Re-sultaten müßen auch die erbittertsten Feinde der Elementarmethode die Segel streichen.
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