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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Volksschullehrerseminar.

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wie in Frankreich, daß eine fremde Commission der Normalschnle ihre Zöglinge zuweistoder ob ein Schulrath die Seminarlehrer zwar prüfen läßt, dann aber doch selbst dieAuswahl trifft, ist ziemlich dasselbe. Das Gesetz bestimmt die Bedingungen für dieAufnahme; und die Männer, welchen die Arbeit der Erziehung und des Unterrichts derjungen Leute zufällt, untersuchen, ob die Bedingungen erfüllt sind. Die Prüfung derAspiranten erforscht nicht blos die Kenntnisse derselben. Sie erstreckt sich auch auf diesittliche und die körperliche Qualification des Aufzunehmcnden. Der angehende Lehrer mußden Nachweis seiner sittlichen Integrität führen, das ist wohl selbstverständlich; er mußaber auch gesund, und namentlich da, wo ein Internat ist, kräftig genug sein, um dienicht geringen Anforderungen an seine Leistungsfähigkeit befriedigen zu können. Schonaus diesem Grunde sollte man nirgends, selbst da, wo vierjähriger Cnrsus ist, unterdas vollendete 17. Jahr als Eintrittsaltcr hcrabgehen. Hier ist Milde sehr oft diegrößte Härte. — Von den verschiedenen Formen der Prüfung ist die von mir in derBroschüre über französische und preußische Volksschule S. 56 beschriebene gewiß diezweckmäßigste, sonderlich da, wo sich das Examen wegen großer Zahl der Gemeldetenals Concurs gestaltet. Darnach macht eine sehr genaue schriftliche Expertise, bei derauch nach Art der englischen und nordamerikanischcn Prüfungen directe Fragen nachpositiven Daten gestellt werden, den Anfang. Wer hier als ungenügend erscheint, wirdohne weiteres Examen abgewiesen; ebenso können vorzügliche Leistungen einen Dispensvon der mündlichen Prüfung herbciführcn. Leuh erzählt in dem Karlsruher Programmvon 1872, daß man dort bei ähnlichem Vorgehen auf Widerspruch gestoßen sei; das istsehr glaublich und wird so lange dauern, bis allerwärts ein gleichmäßiges Verfahrenstattfindct. Bei der mündlichen Prüfung cxaminircn die Lehrer des Seminars, jederin feinen Fächern, und die Examinanden sind in so viele Gruppen gctheilt als Lehrersind. Diese Erleichterung ist durch das Interesse einer gründlichen Untersuchung desBildungsstandes der Aspiranten geboten. Doch wird überall da, wo sich keine Ucber-einstimmung des Urtheils herbciführcn läßt, eine kurze collcgialische Prüfung unvermeid-lich sein. — In Preußen war bis jetzt und cs ist sonst auch vielfach die Aufnahmeformell nur eine provisorische; es steht der Anstalt frei, innerhalb des ersten Quartalsden Recipirtcn wegen ungenügender Vorbildung wieder zu entlassen. Das geschiehtaber fast nie; ich habe cs wenigstens bisher nie erfahren und meine daher, es seibesser, das Gewissen der Prüfenden dadurch zu schärfen, daß sie an ihr Votum gebundenbleiben.

Die Anforderungen an die positiven Kenntnisse des Aspiranten sollten im allge-meinen dieselben sein, wie die bei der Lehrerprüfung, denn es ist nicht Sache des Se-minars, feinen Zöglingen allerlei Wissen beizubringen, sondern das, was sie haben, zuordnen, zu ergänzen, zu vertiefen und sie anzuleitcn, daß sie es selbständig reproducirenkönnen. Zudem ist im Seminar für das Lernen, namentlich für Gedächtnisübungenund für Aneignung technischer Fertigkeiten keine Zeit. Es ist das namentlich für dieAnforderungen rücksichtlich der Religion, der Musik, des Rechnens, es ist aber auchsonst wichtig. Es läßt sich darüber streiten, wie viel Memorirstoff ein Lehrer in derReligion inne haben müße; darüber aber, daß derselbe nicht erst im Seminare gelerntwerden solle, ist man Wohl einig und ebenso darüber, daß der Katechismus mit denErklärungen, eine gewiße Zahl von Sprüchen, Psalmen und Liedern Eigenthum desLehrers sein müßen. Neben dem so beschränkten Memorirstoff muß der Präparand dieThatsachen der Heilsgeschichte kennen und eine nicht zu hoch bemeßnc Zahl von bib-lischen Geschichten selbständig zu erzählen vermögen, aber ja nicht auswendig wissen undden Katechismus nach seinem Wortlaut verstehen.

In der Muttersprache muß der Präparand über die Hauptregeln der Sprachlehreund Sprachbildung Rechenschaft geben und an Sprüchwörtern und Mustersätzen ausden Classikcrn Nachweisen können, daß er sie anzuwenden wisse; er muß mit Verständ-nis und gut lesen, auch eine Analyse dessen, was er gelesen hat, zu geben vermögen;