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Volksschullehrerseminar.
brauchen „ihr Interesse am eignen geistigen Wachsthum" leiben (vgl. Zwick, Ziel derLehrerbildung, S. 106 tut. 14). — Daß und warum man in Gotha die Bestimmungdes §. 31 des Volksschulgesetzes, welcher den Tertianern des Gymnasiums in Gotha undden Sccundancrn der Realschule in Ohrdruf den Eintritt in Las Seminar gestattet,aufhebcn will, habe ich schon oben gesagt. Auch Kehr hat in dem gothaischen Ostcr-programm von 1872 darüber berichtet. Abgesehen davon, daß es eben nicht die tüch-tigen Gymnasiasten und Realschüler sind, die auf das Seminar übergehen, so ist esauch auszusprcckcn: die Secundanerbildung kann uns nicht genügen. ZurAufnahme in das Berliner Seminar melden sich alljährlich Schüler der Tertia undSccunda der höhern Lehranstalten; nicht alle erscheinen zur Aufnahme reif und dieAufgcnommcnen zeichnen sich vor den anderen Seminaristen keineswegs aus. Es istdas natürlich! denn was sie Gutes haben, ihre Kenntnis fremder Sprachen, kommt imSeminar nickst zur Geltung, und was dieses verlangen muß — an Form und Inhaltdes Wissens in der Muttersprache, den Realien, der Geschichte, — das fehlt ihnen. Ichstehe mit überraschenden Belegen zur Verfügung. — Die Form der Präparandcubildung,welche das Regulativ vom 2. Oct. 1854 nicht forderte, aber empfahl, ist die am meistenbestrittene. Das betreffende Regulativ wird beseitigt sein, che dieser Artikel gedruckt ist.Eine Erörterung desselben ist also nicht mehr an der Zeit. Es muß eingcräumt wer-den, Laß die in demselben vorgeschlageue Vorbildung von einer idealen Auffassungausgieug; aber eben darum war sie bedenklich; sie setzte Geistliche und Schullehrer vor-aus, welche mit der Liebe für die Sache, der Geneigtheit zu einer äußerlich nicht ein-träglichen und mühsamen Beschäftigung auch Las Geschick für diese und eine besonderVielseitigkeit des Wissens verbinden. Leider sind solche Männer selten; häufig fehltedem Präparaudenbildner die richtige Einsicht; er muthete seinem Zöglinge andauerndes,selbst ununterbrochenes Hospitinm in der Schule zu und machte ihn dadurch träge, schlaff,träumerisch; er unterrichtete wenig selbst und machte die Gedächtnisarbcit zur Haupt-sache (Zwick a. a. O. S. 29—39, 105, 106). Der an manchen Seminaren vorüber-gehend eiugctreteue Präparandenmaugel war durch jenes Regulativ verschuldet. DieErrichtung von privaten oder öffentlichen Präparandcnanstalten beseitigte ihn sehrbald. Die Privatanstaltcn haben Mängel und Vorzüge mit den übrigen Privatschulcngemein. — Ich glaube, daß die allgemeine Einrichtung von Präparandcnanstalten, aberwo möglich nicht am Scminarort, eine Nothwendigkeit ist oder werden wird. DieZahl der jungen Leute, die zum Lehrfache übergehen, würde eine beträchtlich größeresein, wenn der lange Zeitraum zwischen der Confirmation und dem Eintritte ins Se-minar nicht viele abschreckte, und die Leistungen der Seminaristen würden wesentlichbessere sein, wenn eben diese Zeit vorzüglicher Bildungsfähigkeit besser benützt würde.Deinhardt und andre empfehlen den unmittelbaren Uebergang von der gehobenen Bür-gerschule ins Seminar. Das hat viel für sich, Norm aber kann cs nicht werden.Ich halte die Zöglinge so lange als möglich in der Schule und kürze ihnen diePräparandenzeit, so sehr ich kann, habe sogar in Bromberg einmal einen Schüler ausder Uebungsschnle ohne eigentliche Zwischenstufe ins Seminar übergehen lassen, so,daß er ein Semester hindurch frei war. Der Erfolg war gut. Bei solchen Seminaristenfreilich, die unmittelbar aus einer andern Schule, höherer oder mittlerer, ins Seminartraten, werden häufig Klagen über die Führung erhoben. Der Schnlstanb muß erstabgeschüttclt, der Pennalismns muß vergessen werden, che ein junger Mensch ei»guter Seminarist wird. Ich möchte also empfehlen, daß da, wo gute Bürgerschulensind, der angehende Seminarist diese absolvire, und daß er dann, wie cs ihm gebotenwird, am liebsten in einer guten Präparandenaustalt, seine Kenntnisse ergänze und sichnamentlich in Musik, Religion, Sprache tüchtig mache.
Wo aber auch der Aspirant seine Vorbildung empfangen habe, in keinem Falledarf sich .das Seminar die Aufnahmeprüfung nehmen lassen. Ihm fällt die Verant-wortung für den Erfolg zu, darum gebührt ihm auch die freie Wahl. Ob es geschieht,