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Bolksschnllchrerseminar.
als „cm so lief unterwühltcs, in seinen Grundpfeilern erschüttertes, vom Sturmwinddurchlöchertes, im Innern zerfressenes, morsches und ans den Fugen gehendes Gebäudeniederzureißen und der Erde gleich zu machen" (die Nothwendigkeit einer Umgestaltungder Schullehrerseminare). Ebenso heftige Anklagen kamen und kommen von der an-dern Seite. Namentlich hat sie Dicsterwcg selbst in den letzten beiden Decennien seinesLebens immer von neuem erhoben. Nach seiner Versicherung (zur Lehrerbildung S. 17)sind „die Lehrer selbst, so viel ich weiß, ohne Ausnahme mir ihrer Bildung nicht mehrzufrieden." Seitdem hat sich eine Reorganisation der Seminare vollzogen; aber ihregegenwärtige Gestalt, bezw. der jetzt durch sie hcrangebildete Lehrcrstand erfährt dieselbenUrtheile. „Zu beherzigen sind folgende Worte: „Wir haben noch fortwährend Gelegen-heit, das äußerliche Wesen, die Eingebildetheit auf äußerliches Lehrgeschick, die hoch-mütige Aufgeblasenheit gegen Glcichstehcnde, aber auch die geistige und sittliche Un-selbständigkeit, die Charakterlosigkeit und die speichcllcckerische Kncchtsdcmuth an Lehrernzu beobachten, die unter dem verderblichen Einflüsse der Seminarlust in geschlossenenSeminaren, zumal unter den Augen und der Hand klcinmcistcrlicher, die äußere Formals das Höchste schätzender Scminarlehrcr sich entwickelt und durch andere begünstigende Um-stände weiter heransgebildet hat;" lesen wir in der Brochüre eines preußischen Schulrectors;es ist bekannt, daß ans dem Wiener Lehrertag 1870 noch stärkere Urtheile gefällt worden sind.Von der andern Seite bekundete auch das preußische Herrenhaus in dem Bericht seiner Unter-richtscommission über den Mühler'schcu Entwurf eines Unterrichts- und Dotationsgcsetzesfür die Volksschulen von 1868 und die feudale Partei in Preußen in einer Reihe von Aufsätzenin der Kreuzzeitung jenes Jahres die ernstesten Bedenken gegen die Ausbildung der Lehrer inden Seminaren und die ihnen dort „an- oder eingebildeten" Ansprüche an das Leben. —Wenn die verschiedenen Gegner des Seminars auf unsre Frage, ob sie denn jemalsdie Arbeit derselben gesehen haben, das Recht in Anspruch nehmen, nach den Früchten zunrtheilcn, so haben wir das gleiche Recht zu fragen, was sie an den Früchten suchen;zu gut deutsch, was sie vom Lehrer verlangen: ob Abonnement ans Parteiorgane, ob Beitrittzu Lehrervereinen, Theilnahmc an Demonstrationen, ob Unterschriften unter Proteste gegen ge-wiße von den Schulinspcctoren selbst nicht gelesene Bücher von Schenkel, Shdow, Lis-cov, oder unter Erklärungen für sic, unter Loyalitätsadressen und Sturmpctitioncn; obLeistung von allerlei Diensten und Nebenarbeiten für den Edelmann oder für den Schul-iuspcctor, geduldige Hinnahme eines Einkommens geringer als das des untersten Eisen-bahnbeamtcn, Ausharreu in Stellen, an denen der Unterhalt für die Familie nicht aus-reichend gewährt wird, oder an denen ihnen alle Mittel zur Fortbildung fehlen, Fest-halten an oder Wiederaufnchmen von längst überwundenen Lehrweisen. Wer mit solchenPrätensionen an den Lehrer herantritt, findet sich freilich meist getäuscht und erhebt dannjene Klagen, durch welche diejenigen getäuscht werden, denen nie Gelegenheit wird, derSache selbst näher zu treten. Zum anderen sei die Frage gestattet, wie viele Früchteunsrer Arbeit denn von den einzelnen Anklägern geprüft worden seien. Mich zermalmteeinmal ein Superintendent Lurch das Gewicht seiner Erfahrung: „ich kenne," sagte er,„sechs und dreißig Schulen;" d. h. er kannte eine Diöcese, die Zöglinge einesSeminars und meinte wirklich, er kenne die preußische Schule und Lehrerbildung.
Diejenigen, welche wirklich oricntirt sind, kennen die große Schwierigkeit der Auf-gabe, die in so kurzer Zeit (2 — 4 Jahre) gelöst werden soll; sie wissen, welche Ver-suchungen das spätere Leben dem Lehrer bringt; sie wissen, wie die in die Schule hinein-getragencn kirchlich politische» Gegensätze den ganzen Staub beunruhigen, welchen Einfluß diePresse, namentlich eine gcwiße Presse auf ihn zu üben versucht, und sic haben doch denMuth zu behaupten: Der Stand der Elementarlehrcr in Deutschland legtdurch das Maß seiner geistigen und sittlichen Bildung, durch seinen Be-rufseifer, durch seine treue Hingabe an das Amt, durch seine Haltungals Stand ein günstiges Zeugnis für die Anstalten ab, in denen er vor-gebildet ist. Eine beträchtliche Zahl von Elementarlehrern hat an dem großen Kriege