Volksschullehrerseminar.
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setzten arbeiten, die nur theilweise aus ihrer Mitte genommen sind. Das sind Auf-gaben, bei deren Lösung der Mann nur dann vor Verkümmerung und Verbitterung,vor den Versuchungen zu Trotz oder Servilismns bewahrt bleibt, wenn ihn die obenbezeichnetcn idealen Mächte aufrecht halten. Weisen wir nun dem Seminare die Auf-gabe zu, seine Zöglinge nicht nur zu unterrichten und zu üben, sondern sic zu erziehen,sie zu Männern heranzubilden, die würdig und fähig seien, Lehrer zu werden, so istdamit, glaube ich auch, die Nothwendigkeit der Seminare, bzw. besonderer Lehrer-Bil-dungsanstalten ausgesprochen. Dieselbe liegt nicht nur, wie viele meinen, in dem Ucbel-stande, zu dessen Beseitigung die ersten Seminare gegründet sind, „daß sich sonst keineSubjecte für die Unterweisung der Jugend finden." Sie liegt auch nicht, wie es in dendrei ersten Jahrzehnten unsres Jahrhunderts angenommen wurde, iu dem schlechten Zu-stande der Elementarschule, welcher durch das „Seminarium" in dem Grade ver-bessert werden sollte, daß, wie man damals in amtlichen Berichten häufig schrieb, „dieseAnstalten sich selbst entbehrlich machen müßten," indem zuletzt die Zöglinge der regene-rirten Elementarschulen selbst Lehrer werden könnten. Die Nothwendigkeit derSeminare ist vielmehr eine innere und beruht iu dem Bedürfnisse des Volkes nachgebildeten — nicht abgerichteten — Lehrern für seine Kinder.
Es liegt die Frage nahe, warum Venn aber die höheren Lehranstalten in Blüteständen, obgleich ihre Lehrer nicht oder doch nur ausnahmsweise durch pädagogische Se-minare gegangen seien. Aber ebenso nahe liegt die Antwort für denjenigen, der wiees Stoy und Palmer gleichmäßig thun, wie es auch das preußische Regulativ vom1. Octobcr 1854 that, die Aufgabe des Seminars nicht auf die Aneignung der Kennt-nisse und die Einübung der Methode beschränkt, sondern sie vorzüglich in der Erziehung,der Bildung des Lehrers sicht. Diese hat der Literat auf dem Gymnasium und derUniversität aus den beiden Quellen erhalten, auf welche Melauchthon (vgl. d. Art. IV.658 ff.) als die ewig frischen und heilskräftigcu gewiesen, aus den alten Klassikern undans der hl. Schrift. Daß ihm bessere methodische Schulung vor dem Eintritt ins Amtim Interesse unserer Kinder zu wünschen wäre, gehört nicht hierher, ist auch von Dicster-weg und neuester Zeit von Ziller in überzeugender Weise geltend gemacht worden.
Ernster als die jetzt Wohl nirgends mehr verneinte Frage nach der Nothwendigkeitder Seminare tritt die nach ihrer Möglichkeit an uns heran. „Wie läßt doch solches,so Großes sich lehren? wie läßt eine solche Verfassung des ganzen innern Menschen sichanbilden?" fragt Stoy a. a. O. S. 27; und es ist im Verlauf der Geschichtsdar-stellung wiederholt von jener Zeit die Rede gewesen, wo Prinz Johann von Sachsenin der ersten Kammer zu Dresden die schwerste Anklage gegen die Seminare erhob,indem er sie für die zu Tage getretenen Schäden im Volksleben verantwortlich machte,und wo ihm von den verschiedensten Seiten her bcigestimmt wurde. Es waren, bezw.sind es noch jetzt nicht nur Regierungen oder politische Parteien, welche an der Mög-lichkeit einer Lösung der dem Seminare gestellten hohen Aufgabe verzweifeln. DerSeminardirector Curtman schrieb 1851 in seiner Reform der Volksschule S. 7:„Es ist fast unbegreiflich, wie man diese Menge von Seminaren und Präparanden-schulen errichten und mit schweren Kosten unterhalten mochte, ohne daß der vorgeblichheilsame Einfluß derselben auf das Volk hinreichend erwiesen und gewährleistet war.Mir selber ist es jetzt unbegreiflich, wie ich glauben mochte, eine aus niedrigem Standeznsammcngeraffte, in unnatürlicher Vereinigung znsammcngepreßte Schaar von Jüng-lingen würde sich in der Geschwindigkeit einiger Jahre zu Stützen der bürgerlichen Gesellschaftzurichten lassen. Wie konnten junge Leute auf der Grenzlinie zwischen dem Knaben- undJünglingsalter den Ernst der Wissenschaften in sich aufnehmcn, und sogleich in dieAdern des Lebens verarbeiten, und mit ununterbrochener Selbstverlängnnng sich derinnern Bildung der Heranwachsenden Generation widmen?" Der SeminardirectorJacvbi schrieb 1849, nachdem er an der Bildung von 1045 Seminaristen Antheil ge-habt hatte, in eben demselben Sinne und kam zu dem Votum, daß nichts übrig bliebe,