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158 Volksschullehrerseminar. I
Lehrerbildung und Lehrerbildungsanstalten. 2. Aust., Wien 1871; aber die erstere derbeiden mit Besonnenheit und reicher Sachkenntnis vom liberalen Standpunct aus ge-schriebenen Brochüren hat nur preußische, die andere nnr österreichische Anstände ins Augegefaßt: es bilden daher die Brochüren von Scyffarth, Böse u. a.; Aufsätze wie die in .Dietleins Schulblatt der Provinz Sachsen, in Berthelts allgemeiner deutschen Lehrer- !zeitung von Kehr und in der norddeutschen Schnlzeitung 1870 und 1871, von Kehr undvon Römpler in den Leipziger Blättern für Pädagogik 1867, S. 1 ff. dazu eine er-wünschte Ergänzung; eine noch schätzcnswerthcre der 7. Jahresbericht des Lehrer-seminars zu Gotha: die Verschiedenheit der deutschen Schullehrerseminarien von Kehr,1872, und Leutz, Theorie und Praxis des pädagogischen Unterrichts in den deutschenSeminaricn, 1869. Endlich ist der pädagogische Jahresbericht von Lüben und Nackc,bzw. von Lüben (fast in jedem Jahrgange) einznsehen, da er die Entwicklung des Se-minars eifrig verfolgt und alle Fragen desselben erörtert.
Die Aufgabe des Seminars ist die Heranbildung von Volksschullehrern.
Es sollen in demselben „die angehenden Lehrer zum einfachen und fruchtbringenden Unterrichtin der Religion, im Lesen und in der Muttersprache, im Schreiben, Rechnen, Singen, inder Vaterlands- und der Naturkunde — sämmtliche Gegenstände in ihrer Beschränkungaus die Grenzen der Elementarschule — theoretisch und praktisch befähigt werden."Gegen diese Bestimmung des preußischen Regulativs vom 1. Octobcr 1854 dürfte kaumjemand einen andern Einwand erheben können als Leu, daß im Sinne der Weiterent- l
Wicklung des Regulativs selbst noch Raumlehre, Zeichnen und Turnen den Lehrgegcn-stäuden Lcizufügcn seien. Aber wer ist theoretisch und praktisch befähigt, einfach und !
fruchtbringend zu unterrichten? Man braucht sich nicht auf den Standpunct von Amos ^
Comenius oder von Niederer zu stellen, um mit ahnen das Vorhandensein einer !
allgemeinen Didaktik anzunehmen, welche eine ebenso zwingende Gewalt üben müße, wiedie Logik, um doch der Ansicht derer entgegenzutreten, die da meinen, das Wisseneiner Sache qualifizire den Menschen von selbst schon auch zum Lehren, bzw. zum Lehrer.Jener Dircctor, der in Verlegenheit um Vertretung einer zeitweilig vacanten Stellean seiner Vorschule sich zu der Acußerung verleiten ließ: „es genügt ja, wenn derMensch gut lesen kann," erhält seine Abfertigung in der Antwort eines Lehrers: „ei, so i
nehmen wir doch einen Knaben aus der ersten Vorschulclasse." Den zum fruchtbringen-den, d. h. doch znm belebenden, oder wie man jetzt gern sagt, zum erziehenden Unter- !
richt theoretisch und praktisch befähigten Lehrer machen nicht die Kenntnisse allein; ja ^
diese vielleicht nicht einmal an erster Stelle. Es müßen ihm noch andre Kräfte ver- !
liehen sein, Kräfte des Geistes und des Gemüthes. Stoy nennt (Organisation desLehrerseminars S. 28—31) „drei Quellen oder lebendige Kräfte, um welche cs bei der !Lehrerbildung sich handelt," und er bezeichnet sie als „das Beste in der Menschenbrust.
Sie heißen: die Frische geistiger Arbeitslust, die Wärme der natürlichen Thcilnahme für !die Kindcrwclt, die unüberwindliche Kraft der christlichen Liebe." Dabei hat Stoy nnrdie Arbeit der Schnlstube im Auge, nur jene Selbstverleugnung des sich zum Kinde !
herabstimmendcn Mannes, die schon in Augustinus ihren beredten Apostel gefunden hat ^
(äs r. ent.).
Wir sind aber darauf angewiesen, von unfern Elemcntarlehrern noch mehr zu ver-langen. Sic sollen aus eignem, freien Triebe ihre Kenntnisse stetig erweitern und ver-tiefen und mit Mitteln, die beschränkter sind als die ihrer glücklicher situirtcn Kollegenan den höheren Lehranstalten, den Fortschritten der Wissenschaft folgen. Sie sollen ihrbisweilen recht schwieriges Amt unter Entbehrungen mit Treue und mit jener Gcistes-frische ansrichtcn, deren Mangel die Kinder nnr zu tief empfinden, und sie sollen sick-endlich, was nicht das Geringste ist, lebenslang in eine untergeordnete Stellung in derbürgerlichen Gesellschaft fügen, in eine solche obcnein, die sie in beständigen Contactmit den höheren Kreisen bringt, zu denen ihnen nnr selten Zugang wird, und sollen —es wird auch das neue Schulanfsichtsgesctz daran nicht wesentlich ändern, unter Borge-