Nolksschullchrerscminar.
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ihrer von ihm selbst ungeordneten Einrichtung erkannte; wenn aber einmal große In-stitute im Leben gcwurzclt und mit vielen verschiedenartigen Interessen verschlungen sind,so ist cs äußerst bedenklich, radicalc Veränderungen mit ihnen vorzunchmen" (ZurBenrthcilnng des Min. Eichhorns S. 117). Zeitgenossen, welche theilö den Verhält-nissen nahe gestanden, thcils dieselben aus Urkunden, welche andern nicht zugänglich sind,studirt haben, versichern, daß besonders zwei Seminardircctorcn, fast ohne cs zu wissen,sicher ohne cs zu wollen, dazu bcigctragen haben, den Gegensatz schärfer zu machen.Beide verdankten den Einfluß, den sie ans ihre Schüler und allmählich auf weitereLehrcrkrcise erlangten, der seltenen Lehrgabc, mit der sie ausgerüstet waren, und mehr noch dergewinnenden und überwindenden Macht, welche ihre Persönlichkeit im unmittelbarenVerkehre übte. Daraus erklärt es sich, daß ihre Bedeutung von denen unterschätzt wer-den mußte, die sic nur aus ihren Schriften oder ans Berichten über ihre amtliche Tä-tigkeit kannten. Beiden genügte ihr Wirkungskreis nicht, und sic strebten daher nachErweiterung desselben, beiten war cs ans die Dauer unmöglich, sich in den Mechanis-mus der preußischen vormärzlichcn Büreaukratie zu finden. Ihre Wege gicngen von demgleichen Ausgangspunkte aus, von einem frischen und warmen Christenthum, von inniger Ver-ehrung für Pestalozzi und aufrichtiger Anerkenntnis seiner Verdienste neben einer herben Ver-urteilung deS Thuns der mechanischen Nachbeter des Meisters; aber von diesem gleichenAnsgangspunct führte sic ihr Lebensgang weit auseinander, den einen als einen „Pietisten" ineine reich dolirte Landpfarre, den andern als einen „Radikalen" auf die Bänke derLinken des preußischen Landtages. Wie immer, misliebig und unbequem wurden beide.Harnisch war, nachdem er seine Vorbildung am Plamaunschen Institute zu Berlin em-pfangen hatte, Dirigent des cv. Seminars zu Breslau geworden und hatte dort iu denJahren von I8l0 bis 1820 in engem Verkehr mit den Männern gestanden, die an denBefreiungskriegen hervorragenden Nntheil nahmen. Wider seinen Willen wurde er wegenseiner turnerischen Bestrebungen als Tirector nach Wcißcnfcls versetzt. Weder die schönenWorte des Ministers, noch die Rangerhöhung und Gehaltsverbesscrung, beide obcncinmäßig, konnten ihn für das, was er aufgeben mußte, cntsckädigen. Aussichten auf Ver-setzung in einflußreichere Stellen, als Seminardircctor oder als Stadtschulrath in Berlin,einmal sogar als Ministerialrath, ergriff er lebhaft, nicht ans Ehrgeiz, sondern ausdem Drange nach ausreichender Thätigkeit; aber die Verhandlungen zerschlugen sich, undso suchte er den Ersatz in einer wunderlichen Geschäftigkeit. Er wandte sich mit Zu-schriften und Neformvorschlägcn an die Behörden; die ersteren enthielten meist eine herbeKritik der bestehenden Verhältnisse; die letzteren gicngen in der Regel darauf aus, dieCompetenzcn der Seminardircctoren in's unbestimmte zu erweitern und diese von ihrer^ Wirksamkeit, von ihrer nächsten Bestimmung, abzulenkcn. Ich nenne von den Anträgennur die zwei: die Errichrnng einer königlichen Schulbuchhandlung, welche den Verlagund Verkauf der Schulbücher monopolisirtc, und die Ordination der Seminardircctorcn.
Diesterweg kam 1832 aus Mörs nach Berlin, aus einem Internate, in dem seinelebhafte Natur sich allseitig bcthätigcn konnte, an ein eben erst im Entstehen begriffenesEptcrnat, von einer Anstalt, wo alles nach seinen Wünschen und klar geordnet war, aneine werdende, für welche nicht einmal ausreichende Mittel angewiesen waren, und derengedeihliche Entwicklung nur einem Manne gelingen konnte, welcher sehr viel Geduld undauch ein reichliches Blaß von Wcltklngheit besaß; er kam aus dem traulichen Freundes-kreise in die Einsamkeit der großen Stadt. Er suchte allerdings weder Rangerhöhung,noch Erweiterung seiner Competenzcn; im Gegentheil, selbst die Directoratsgeschäste warenihm unbequem; er wollte Lehrer und Schriftsteller sein, vielleicht auch Redner, aber indiesen Eigenschaften wollte er in weite Kreise hin und frei wirken. Einzelne seiner Redenund kleinen Schriften machten ihn den regierenden Kreisen unbeliebt, selbst verdächtig; manfieng an, ihn zn beobachten. Seine bisweilen freilich unvorsichtigen Aeußerungen wur-den bis an die höchste Stelle getragen, wurden Gegenstand amtlicher Eorrcspondcnz; sowuchs der gegenseitige Argwohn, die Verstimmung der einen gegen die andern, und das