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Volksschullehrerscminar.
fanden sich Candidatcn in dem städtischen Scminarium, welche hauptsächlich in der Me-thode sich zu vervollkommnen bestrebt waren, indem sie zugleich selbst unterrichtend ander Real- und gelehrten Schule des Pädagogiums beschäftigt waren.
Ein Lectionsplan aus dem Jahre 1607 weist uach: 3 wöchentliche Stunden fürReligion nebst 4 w. Stdn. Unterricht und Hebung im Katechismen, 5 w. Stdn. deutscheSprache, nemlich orthographische und Stilübungen, 4 w. Stdn. Geographie und bran-dcnbnrgische Geschichte, 3 w. Stdn. Rechnen, 2 w. Stdn. Mechanik, 2 w. Stdn. Bo-tanik in technologischer Hinsicht, 3 w. Stdn. Schönschreiben, 2 w. Stdn. mathematischeund Handzeichnungen, 2. w. Stdn. Unterricht im Orgclspiel und Choralsingen, 2. w.Stdn. Methodik, im ganzen 32 wöchentliche Stunden. Außerdem hatte jeder Seminaristnoch 2 w. Stdn. Klavierunterricht und wurde in den schon oben genannten praktischen Kennt-nissen und Fertigkeiten unterwiesen. Die Gründe für die Aufhebung des Seminarslagen hauptsächlich in den veränderten Zeitverhältnissen, welche Neugestaltungen nöthigmachten, um das aus dem Gebiet der Volkserziehung erwachte neue Leben auch in neueSchläuche zu fassen.
Solche Verbindungen der Seminare mit andern Anstalten mögen wir uns indes immernoch lieber gefallen lassen, als diejenige, über die uns Spieker die nachfolgende Notiz giebt:
„Das Schullehrerseminar zu Luckau, welches in eigenthümlicher Weise organisch mitdem daselbst bestehenden Zucht- und Armenhause verbunden war, verdankt seine Ent-stehung der Munificcnz der Stände der Niederlausitz und wurde unter Aufsicht einervon denselben ernannten Commission verwaltet. Nachdem nemlich im I. 1725 aufAnregung des Herzogs Moritz Wilhelm zu Merseburg die Stände unter Benützungeines alten Klosters in Luckau ein Zucht- und Armenhaus gegründet hatten, wurdenspäter in dasselbe auch Geisteskranke, und seit 1776 auch verwaiste Kinder ausgenommen,ja im I. 1794 trat damit noch ein Schullehrerscminar in Verbindung, welchem dieWaiscnschule als Uebungsschule diente. Bis zum I. 1812, wo die Irrenanstalt nachSorau translvcirt wurde, standen alle diese Anstalten, durch Verwaltung und Ökono-mie zu einem einheitlichen Ganzen verbunden, unter gemeinsamer Oberleitung desAnstaltsgcistlichen."
Die Reihe der auf pietistischem, bczw. auf rein kirchlichem Boden erwachsenenAnstalten schließt wohl Halberstadt mit dem Jahre 1778 (reorganisirt 1822). DieseAnstalt gründete das Domcapitel zur Bildung der Lehrer nicht bloß der unter demselbenstehenden, sondern auch anderer Schulen, und der Unterricht sollte sich erstrecken auf diechristliche Religion und deren Geschichte, besonders auf Bibelkenntnis, ferner auf Erd-kunde, Acker- und Gartenbau, Landesverfassung, auf die Rechte und Pflichten der Untcr-thanen, auf Kenntnis des gestirnten Himmels, Physik, Mechanik, Gesundhcitslehre, Rech-nen, Schreiben, Pädagogik und Methodologie; sie sollten zum Denken und Beobachtengewöhnt werden. Auch mußten sie nach Muster und unter Aufsicht unterrichten; ihreWohnung hatten sie gemeinsam unter Aufsicht des Jnspectors.*)
v. Wir sind unmerklich in eine neue Zeit hinübergeleitet. Die Nachfolger der Pie-tisten in der Schule sind entweder in ganz eigenthümliche Wege eingegangen, die sie dasInteresse für das öffentliche Leben aus den Augen verlieren ließen und deren Verfolgungsie auch für dasselbe ungeschickt machte (vgl. die Charakteristik in dem Art. Pietismus), odersie sind durch ihre Richtung auf daS praktische Christenthum in ihrer Gleichgültigkeitgegen die Reinheit der Lehre weitergegangen und haben mit den frömmeren Rationalistensich stillschweigend vereinigt. D ie PHi lanthropisten haben ihr Evangelium verkün-digt, durch dasselbe auch ernstere und frömmere Gemüther für ihre Sache begeistert undhaben außerdem namentlich bei den Regenten, besonders den Fürstinnen der deutschen Mittcl-und Kleinstaaten Theilnahme gefunden. Dadurch entstand eine neue Bewegung auch
*) Vgl. damit die Beschreibung des neuen ScminargebäudeS zu Halberstadt. Pädagog.Bl. Heft 1.