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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Volksschullchrerscminar.

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Die Lehrer wurden übrigens auch praktisch unterwiesen; damit Bauern und Handwerkervon ihnen Nutzen hätten, mußten sie sich die Behandlung der Bänmc, den Seidenbauund vom Zeichnen und der Architektur so viel aneigucn, daß die Maurer, die Stein-Hauer und die Zimmerleute von ihnen gefördert werden könnten. Eröffnet wurde diesesSeminar Ostern 1769; bis 1786 hatte es 100 wackere Lehrer erzogen. Bei der nach-maligen Trennung von dem Gymnasium und der Reorganisation der Anstalt war Jo-hann Peter Hebel wesentlich mitbetheiligt. In seiner neuen Gestalt ist es am 5. Jan.1824 eröffnet und 1870 in ein neues, schönes Gebäude eingcführt worden (Kehr, Pädagog.Bl. I. S. 8 ff.).

Dis Verbindung der Lehrerbildungsanstalten mit Gymnasien war zum Theil ausganz überraschenden Gründen, die aber wesentlich auf einen Zweifel an ihrer Lebens-fähigkeit hinauskamen, hcrvorgegangen. So sagt Herder, welcher 1788 das Seminarzu Weimar organistrte und mit dem dasigcn Gymnasio in Weimar verband: es seinöthig, ein solches Institut so verschränkt und verbunden mit anderen Instituten zu ma-chen, als nur möglich wäre, weil es sonst in kurzer Zeit verfallen könnte, dahingegenes, wenn es seine Wurzeln um die andern schlinge, mit diesen bestehen müße (Schwei-zer, Geschichtliche Nachrichten über das Seminar in Weimar, 1838). Auch mit denSteinbart'schcn Stiftungen in Züllichau wurde 1788 ein Seminar verbunden, über daswir aus Spiekers sehr verdienstlicher Geschichte des Seminars zu Neuzelle (Berlin 1867)die nachfolgende kurze Mittheilung entnehmen:

Auf dem Boden des Steinbart'schcn Pädagogiunis und Waisenhauses erwuchs imI. 1788 die Pflanzschule für Lehrer an städtischen Real- und an Landschulen, indem daskönigl. Obcrschulcollegium zu diesem Zwecke aus dem Schulfonds 2000 Thlr. jährlich denAnstalten zuwies. Im Anfang des genannten Jahres wurde dieses doppelte Seminar eröffnet,und es wurden in demselben 6 Seminaristen für Bürgerschulen und eben so viele für Land-schulen frei in Kost und Kleidung unterhalten und in allen zu ihrer Bestimmung nützlichenKenntnissen und Geschicklichkeiten unterrichtet. Tüchtige Lehrkräfte waren angestellt wor-den, und die Vereinigung so verschiedener pädagogischer Institute kam der Ausbildungder Seminaristen in hohem Grade zu statten. Als Jnspector des Seminars wird KarlOtto Löbach genannt, der schon seit 1782 als Lehrer an dem Pädagogium gewirktund bis zu dessen Verlegung demselben vorgestanden hat. — Die Ausbildung der Se-minaristen war nach dem doppelten Zwecke der Anstalt eine zwiefach verschiedene: Diekünftigen Lehrer auf den Dörfern und in den niedern oder deutschen Schulen in Städten

wurden vornehmlich im Christenthum, dem Lesen mit gehörigem Tone, im Schön-

und Richtigschreiben, im Rechnen, im Zeichnen, in der Vocal- und Instrumentalmusik,dann aber auch in der Naturgeschichte, der Gesundheitslehre, der gemeinen Kräuterkunde,dem Seidenbau, den Plantagensachen, besonders im Veredeln der Obstbäume, in derKüchengärtuerei, im Feldmessen, Nivellircn (um eine Grabenleitung anlcgen zu können),und in mancherlei ökonomischen Kenntnissen unterwiesen und geübt und mit allerlei

kleinen Handarbeiten bekannt gemacht, womit sie die Kinder auf dem Lande und in den

Städten nützlich beschäftigen und zur Industrie gewöhnen sollten. Die Mitglieder diesesSeminars waren in Präparanden und Pensionäre eingetheilt. — Weil aber das Ober-schulcollegium darauf ausgieng, die höheren Stadtschulen, welche vielfach zu „verkrüp-pelten Gymnasien" geworden waren, in Realschulen umzuschaffen, in denen statt der ge-lehrten Sprachen gemeinnützige Kenntnisse gelehrt werden sollten, so wurden auch solcheLehrer ausgebildct, welche dergleichen Realschulen einrichten, ihnen vorstehen oder auchals Unterlehrcr daran arbeiten könnten.

Für den Zweck der letzteren Stellung, welche gewöhnlich mit dem Cantoren- undOrganistcnamte verbunden war, wurden vornehmlich die erwachsenen Chorschülcr ausge-bildet, indem dieselben nach absolvirtcr Scminarzcit sogleich in ihre Aemter eintretenkonnten. Für das höhere Ziel aber, das Ncctorat an den genannten Realschulen, be-