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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Volksschullchrcrseminar.

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rücksichtlich dcr Seminare. Charakteristisch ist hiefür die Uebcreinstimmung zwischenEberhard v. Nochow und dem 1825 in Paris verstorbenen Grafen von Schlabrendorfaus Schlesien. Letzterer schrieb l780: „Ein Volkslchrcrscminar ist meinem Herzenunter allem das Thcuerste. Allcrwesentlichstcs Stück ein Mann, dcr Volkslehrcr bildenkann und hin und her nichts größeres, nichts lieberes weiß" (Harnisch: der Volks-schullehrcr III. 2. S. 178 ff.), und er gab dieser Gesinnung Ausdruck durch cinePrä-bende von 1250 Thalcrn jährlich, welche er dem Breslauer Seminar zahlte, und durchein Legat von 100,000 Thlr. für Errichtung eines Seminars in Schlesien. Erstercrsagt in der Vorrede zu Riemann's Versuch einer Beschreibung dcr Nckan'schcn Schul-einrichtung, 178t: „Es ist nothwendig, daß ein zweckmäßiges Volkslehrcrscminarium an-gelegt werde, worin christlich gesinnte, geschickte junge Männer anfKostcn des Staates von einemmusterhaften, christlich d. i. edel denkenden Manne zu Volkslchrern gebildet und somitdie Millionen des Volkes durch Aufklärung zu Gott geführt und durch bessere Erkennt-nis für Erde und Himmel tüchtig gemacht werden möchten." 1779 entstand Idsteinim Hcrzogthum Nassau (vgl. die von Kehrein mitgethcilten StiftungSurkundcn in KchrsPäd. Bl. 1872. II. Die Anstalt wurde 1816 aufgelöst, 1827 reorganisirt); in dem-selben Jahr wurde das Seminar zu Meiningen gegründet, welches später mit dem 1794errichteten Landesschullchrcrseminar zu Hildburghauscn (reorganisirt 1827) verbundenwurde (vgl. den Art. Sachsen-Meiningen S. 519). 1780 entstand das Seminar zuGotha, eine Stiftung Herzog Erusts des Weisen, welcher seinerseits von seiner MutterLouise Dorothee beeinflußt war. Diese geistreiche Frau stand in lebendigem Briefwechselmit Friedrich dem Großen, mit Voltaire, Rousseau und dessen Anhängern. Das Go-thaischc Seminar ist also nachweislich philanthropistischen Ursprungs; seine Eröffnung ge-schah 1780 in aller Stille.

Nachdem dcr Waiscnhausprcdiger Haun, geb. 1748, als Seminarlehrcr verpflichtetwar, wurde das Seminar „gleich nach Neujahr 1780" eröffnet. Es war ein winzigerAnfang! Eine kleine dunkle Stube im Waisenhause (dem jetzigen Gerichtsgebäude inder Mönchsgasse) war das Lehrzimmer; vier Stunden wöchentlicher Unterricht war diegesammte Lehrzeit; zwölf, zum Theil ältere, verheirathete Leute, die, um ihren Lebens-unterhalt zu suchen, bei hohen Herrschaften als Bediente in Diensten standen, waren dieSeminaristen; ein Lehrer war für alle und für alles angestcllt; 60 Thalcr war seinHonorar, für welches er ein Zimmer besorgen und die Heizung, die Aufwartung, dieBeschaffung von Tischen, Stühlen, Büchern, Landkarten u. s. w. bestreiten mußte: — unddieses Gehalt mußte noch durch Matricnlarbeiträge der Kirchen aufgebracht werden. DieWahl des ersten Lehrers war eine sehr glückliche. Es war sein Grundsatz, man müßedie künftigen Lehrer die Tugend nicht allein lehren, sondern sie auch daran gewöhnen.Von dieser Cardinalregel durchdrungen, hielt er darum zuvörderst auf ordentlichen Schul-besuch, auf Ordnung, Pünktlichkeit, Fleiß und gutes Betragen. Der Unterricht erstrecktesich anfangs auf Bibellesen, Bibelcrklärung, auf Auslegung des Katechismus, auf Er-läuterung des Schulmethodus und auf Verlesen von Predigten seitens der Seminaristen.Später wurde auch auf Aufklärung des Verstandes und auf die Uebung im mündlichenund schriftlichen Gedankcnausdruckc besondere Rücksicht genommen. Auch das Katechi-smen wurde cingeführt und fleißig geübt. Außerdem crthcilte Haun noch „einigen Un-terricht auf den Landkarten und dcr Erdkugel und in den verwandten Fächern, z. B.Naturalien und Statistik." „Ich thue solches" — erklärt er — „weil dergleichen Kennt-nisse viel zur Aufklärung beitragen, auf welche alles ankommt, und weil diese Kennt-nisse den Schulmeistern das Ansehen vergrößern, das sie bei den Bauernhaben müßen." Eine am 7. März 1783 gehaltene Revision der Anstalt durch denGeh. Rath Freiherrn von Ziegcsar hatte eine wesentliche Förderung derselben zur Folge.Es wurde das Einkommen Hanns, der den Titel Mcthodenmeister erhielt, auf 260 Thlr.erhöht; es wurden ein Schreibmeistcr, ein Rechenmeister, ein Musikmeister mit je 30 Thlr.

Pädag. Encyklopädie. X. 5