Volksschnllehrerscminar.
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genommen werden, ob sie von ihren Herrschaften, so es Bediente waren, oder vonihren Meistern, wenn es Handwerksburschcn gewesen, könnten auf eine gute, rechtmäßigeArt los kommen. Man suchte also keineswegs, wie manche Widriggcsinnte wolltenandern Leuten verhaßt vorstellen, den Herren und Meistern ihre Bediente und Gesellenabspenstig zu machen.
k) Man hat sich genau und sorgfältig erkundiget, wie sich diejenigen, die ins Seminarkommen sollten, in ihren Diensten und Werkstätten bewiesen, ob sie auch ordentlich treuund fleißig gewesen: denn manche stellen sich ein commodes Herrcnlebcn bei dem Schul-halten vor, und da sie ans Faulheit und Gemächlichkeit bei ihrem Gewerbe nicht mehraushalten wollen, wollen sie Schulmeister werden.
§) Nicht diejenigen, welche sich auf eine schmeichelhafte Art einbctteln wollten, oderdurch allerlei andere Wege sich in das Seminarium suchten einzudringen. Es sind
ll) solche zu wählen, welche sich das Schulmeisterwerden entweder von selbst alshöchst wichtig, beschwerlich und mühselig vorstellten; oder
1) fügte es sich, daß man Leute bekam, welche allbereits etwas Schreiben undRechnen und auf dem Clavier spielen konnten, so nahm man sie um so viel lieber, weilauf dem Seminario gar zu viel erfordert worden, bis sie das Clavierspielen lernten.Doch machte man daraus nicht so viel, daß man lediglich darum eine solche Personhätte nehmen sollen. Nicht singen und orgeln, sondern die Kinder zur lebendigen Er-kenntnis Jesu zu bringen, sollte die Hauptabsicht und die Hauptarbeit der Schulhaltcr sein.
ir) Eine Hauptsorgfalt bei der Wahl und Annehmung der Seminaristen ging dahin,wo man nicht gründlich bekehrte und wahre gläubig gewordene Gemüther zu allenZeiten haben konnte, doch gleichwohl sich nach solchen umzusehen, welche einen gutenAnfang in der Bekehrung gemacht, und denen es um das Seligwerdcn ein wahrerErnst war.
Es soll also
2) die Gelegenheit, allerlei junge Leute kennen und prüfen zu lernen, mit berühretwerden.
u) Erstlich gab die große Stadt Magdeburg dazu eine gute Gelegenheit: denn weil insolchen großen Städten immerzu eine große Menge Handwerksburschen sich befindet, sowaren darunter verschiedene gute Gemüther, welche von obigen Kennzeichen etliche ansich blicken ließen.
l>) Dazu kam, daß Gott von vielen Jahren her in Magdeburg viel rechtschaffeneKnechte Christi und treue Arbeiter gehabt und gebrauchet.
e) Weil unter dem Segen Gottes und der weisen Veranstaltung des Herrn AbtSteinmetzens das dasige Pädagogium in das größte Ansehen gekommen, daß von allenOrten her Gräfliche, Adeliche und anderer vornehmen Leute Kinder dahin gcschickctworden, so brauchte man eine gute Anzahl Bedienten, theils zur Aufwartung und Be-dienung der ganzen Schule theils nur zur Bedienung der gräflichen und adclichenJugend. Diese Bediente wohnten nun auf dem Kloster selbst, man hatte sie beständigvor Augen, konnte sie nach den nöthigen Stücken länger und genauer kennen lernen,und da sie alle die Freiheit hatten, den Präparationsstunden der ordentlichen Semi-naristen mit beizuwohnen, so konnte man darin ihre Kraft zu Schulsachen wohl prüfen.Fand man tüchtige Leute darunter, so ließ man sie ein oder etliche Jahre bei ihrerBedienung, ließ sie aber auch in genannten Präparationsstundcn das Nöthige nebenhermitlernen. Darauf machte man sic ihrer Bedienung los. Zu Klosterbcdienten nahmman andere an.
Diese Leute bekamen nebst ihrer freien Wohnung auch freie Betten, freies Holz undLicht, freies Essen und Trinken Mittags und Abends und des Morgens ihr Morgenbrod.Ueber dieses alles wurde jeglichem noch 12 Thaler Geld jährlich gereicht, sich zurKleidung etwas anzuschaffen. Daraus wird man erkennen, daß diese Leute eine wahreWohlthat genossen und' ein Erkleckliches gekostet haben.