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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Volksschullehrerseminar.

Es sind verschiedene in der Stadt Magdeburg geblieben, darinnen fünf noch bisjetzo recht wohleingerichtete Schulen haben, welche in verschiedenen Gemeinden oderParochien daselbst angelegt worden, unter der Aufsicht der dortigen Herren Uustorum,welche bei jeder Kirche stehen. Andere sind in die kleinen Städte und Dörfer desHerzogthums Magdeburg gekommen. Noch andere und fast die meisten sind außerdemMagdebnrgischen hier und dahin verlanget und geschicket worden. Z. E. nach Braun-schwcig haben Ihre Hochfürstliche Durchlaucht, der Herzog, in das dortige Waisenhausverschiedene versetzet."

Nachdem das Reglement unter 8. von der Einrichtung der Anstalt gesprochen, gicbtes die Lehrordnung. Es heißt da: „6. Unterricht in denjenigen Stücken, welche zumSchnlhalten unumgänglich erfordert wurden: als im Buchstabiren, im Lesen, im Kate-chismo, welcher nicht nur auswendig gelernt, sondern über welchen auch die gehörigeKatechisation angestellt und die Seminaristen angewiesen wurden, wie sie kurz unddeutlich die Worte Lntheri durchgehen, wie sic aber weitläuftig und ausführlich über denKatechismnm katechistren sollen.

In der Heilsordnung, wo ihnen gezeigct worden, wie sie sich sollten alle Articulim richtigen Zusammenhang vorstellen; wie sie es den Kindern wieder als im Ganzenkönnten vorlegen, wie sie über jeglichen Articul besonders sollten eine gute Katechisationhalten.

In der Bibel, im Auswendiglernen, im Schreiben, im Rechnen, in der Vocal-und Instrumental-Musik, in der Methode, in Dingen, welche theils ihre eigene Seelebetrafen, theils ihren Leib und Gesundheit, Kleidung, Verhalten und ihre häuslichenSachen anbelangten. Bei dem Lernen bemerket man nur folgendes:

Der Docent oder Lehrer bemühete sich, nach einer solchen Methode den Seminaristendie Sache vorzutragen, welche allgemein und bei allen Lectionen könnte angebracht werden,welche bequem, die Sachen gründlich und nach ihrem Zusammenhang vorzustellen, welcheleicht, den Kindern alles deutlich und begreiflich zu machen, welche tauglich, das Erlerntegehörig zu wiederholen, welche dienlich, das Nützliche und Nöthige zum künftigen Gebrauchaufzubehalten, welche vortheilhaftig, in kurzer Zeit mit weniger Mühe der Jugendvieles beizubringen, welche nützlich, die Kräfte der Seelen bei den Kindern, Verstand,Gedächtnis und Ingenium aufzuräumen und sie zur Lust und zum Ernst bcini Lernenanfzumuntern, welche brauchbar, die Lectionen in gewisser festgesetzter Zeit durchzugehenund zu Ende zu bringen.

Daher war nöthig, daß der Docent einen wohlüberlegten Ueberschlag von seinenLectionen machte, daß er sich die Sache selbst vorhero im Zusammenhänge concentrirtvorstellte, daß er bei der Sache blieb, weder in das Predigen, statt des Katechisirens,noch viel weniger auf Nebensachen, ganz fremde, zur Sache gar nicht gehörige Dingeund Ausschweifungen geriethe.

Ans dieser Ursache that der Docent, als hätte er lauter kleine Kinder vor sich,die einen kleinen schwachen Verstand hätten und suchte sich zu simplificircn, so sehr ernur konnte. Er erinnerte bei aller Gelegenheit, was schwer, was für die Kinder zuhoch, was nnnöthig, was weggelassen werden müßte, oder wenn es beibehalten würde,wie es mit Exempeln, Gleichnissen, Bildern ec. deutlich zu machen wäre.

Er gieng oftmals in die Schule, nahm einige Präparanden mit, informirte dieKinder, katechisirte, lernte ihnen einen Spruch re., brachte die Kinder in eine großeStille, zur besonderen Aufmerksamkeit und Begierde etwas zu wissen, etwas lernen zuwollen, und ließ die Präparanden das mit ansehen, anhören, wie mit Kindern umge-gangen würde.

Er gab den Seminaristen auf, das, was sie in der Stunde gehabt, gleich in denfolgenden Stunden dergestalt zu wiederholen, daß bald dieser, bald jener der Docentmußte sein, welcher das vorgehabte Pensum nochmals durchnahm, die anderen fragte undalso seine Kräfte versuchte, wie weit sie reichten.