Volksschullehrerscminar.
51
und zwar so, daß Jeder derjenigen, so sich zum Schul-Ampte schicken und in seine»Circul gehören, an seinem Orte, und wo es sein Kann bei Ihm sich anfhaltcn, vonIhm in den ehemals angefertigten Büchern, dem Hauskirchbüchlcin, dem Snscitabulumder Sterbekunst und dem Katcchismo n. s. w. unterrichtet würden, auch seine Informa-tion in der Schule (nach Arndts wahrem Christcnthum) mit anhören und dann dieSeminaristen in seinem Beisein auch ihre Probe in der Information ablcgcn lassen.Hiernächst ist sodann der Schuhl-Methodus in gewitzen Stunden mit ihnen vorznnchmcnund zwar nicht allein wie nach demselben zu verfahren sei, zu zeigen, sondern auch darbcyein und anderer Vortheil, den Er, der Präceptor, practicable befunden, treulich zu eröff-nen und bei der Information in der Schule gleichsam als eine Probe darzulcgen, damitsie hernach dieselbe wohl appliciren lernen." Lehrgegcnstände waren außer der Anleitungzum Prcdigtnachschreibeu und zum Schönschreiben, Orthographie, Rechenkunst und Musica.Die ssminuriu soliolustion zu Friemar, Eschenbergen, Ichtershausen, Wölfis, Leina,Tambach, Sättelstedt, Erfa (Friedrichswerth), Wangenheim und Kranichfeld sind alsowohl die ersten Seminare Deutschlands. Leider hatten sie nur kurzen Bestand. „Jn-convenienzen" führten bald zur Auflösung; unter ihnen besonders Geldmangel. Jedem derzehn Moderatorcs versprach man nemlich „zu seiner Ergezlichkeit" die Summe vonjährlich vier Gülden, und von jedem Seminaristen, der sich beim Consistorio zum Exa-men meldet, pro tostimonio sechs Groschen als Besoldung. Die erstere Besoldung aberversuchte man, wahrscheinlich, weil in der Staatskasse kein Geld war, aus den ein-gehenden „Straffgeldern von Versäumnis des Gottesdienstes, wie auch der Jnformations-stunden, beides, in Kirchen und Schulen," zu beschaffen, und dieser „Versuch" scheitertean der Indolenz der Geistlichen.
Schon früher scheint eine Lehrerbildungsanstalt mit dem Waisenhausc zu Braun-schwcig in Verbindung gestanden zu haben, 1679, indes fehlen uns über diese alle näherenNachrichten, ebenso wie über das Contubernium, welches 1687 in Wesel als eine Stif-tung zur Bildung von Schullehrern rcformirter Confessio» eingerichtet worden ist; dieUmgestaltung der letzteren Anstalt zu einem wirklichen Seminar fällt erst in dasJahr 1784.»)
b. Daß Amos Comenius auch die Pietisten beeinflußt habe, ist nicht nur aus denBeziehungen zu entnehmen, welche sich zwischen den zerstreuten Ueberrestcn seiner Ge-meinde und der Brüdergemeinde bildeten, auch nicht bloß aus der inneren Verwandt-schaft zwischen seinen und ihren Schriften, sondern auch aus der Thatsache, daß die^sssnäu soliolustiea, welche 1750 von den Lehrern der berliner Realschule herausgegebenwurden, mit dem Bilde des Amos Comenius und mit reichlichen Auszügen aus seinenSchriften ausgestattet waren. Wir dürfen daher die Behauptung, es sei die ersteAnregung zur Errichtung von Seminaren von Comenius auSgcgaugen,aufrecht halten, wenn wir auch fortfahren: ihre Errichtung selbst danken wir denPietisten. Sie, vor allen Spener, Francke und Hecker, haben die Bedeutung christlicherJugenderziehung für das Reich Gottes dem deutschen Volke mit überzeugender Kraftwieder in Erinnerung gebracht; sie haben, statt viele Bücher zu schreiben, Hand angelegt undSchulen, Waisenhäuser und Rettungsanstalten errichtet, selbst wo scheinbar gar keineMittel zu ihrer Verfügung standen, und mit zwingender Gewalt haben sie die Wider-strebenden mit sich fortgerissen und zu Mitarbeitern an ihrem Werke gemacht. Ilebcrall,wo sie eine Waisen- und Schulanstalt gründen, verbinden sie mit ihr ein Seminar undgerade nach dieser Seite hin finden sie bei den preußischen Königen Förderung. Es istbekannt, daß sich Francke im Waisenhause zu Halle die Lehrer für seine Anstalten selbst
*) Man begegnet vielfach der Angabe, es sei 1701 in Königsberg, 1726 in Weimar eineLehrerbildungsanstalt errichtet worden. Die erstere Angabe erklärt sich aus einer Ilngcnauigkeitin Bcckedorffs Jahrbüchern, wo das Gründungsjahr des Waisenhauses, dem später das Seminarbeigegebcn wurde, als das des letzteren genannt ist. Den Ursprung des andern JrrlhumS habeich nicht aufgcfunden; aber jedenfalls sind die Angaben falsch.