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Volksschullchrerscminar.
auf die Geschichten einzelner Seminare gewiesen. Unter diesen sind namentlich diesächsischen (von Kockel), die gothaischen (v. Kehr) und weimarischen (v. Schweitzer) Pro-gramme beachtenswerth, ebenso die von Karlsruhe (v. Leutz) und von Mecklenburg(v. Bcckström); von den preußischen Seminaren haben wir in neuerer Zeit Berichte überNeuzelle (von Spieker), über Münstcrberg (v. Bock), Minden-Petershagen (v. Vorm-baum); alljährliche Berichte werden in Bunzlau ausgegeben.
1. u. Die erste Anregung zur Errichtung von Lehrerbildungsanstalten ist ohneZweifel von Amos Cymenius ausgegangen. Allerdings verweist dieser zunächst aufAneignung seiner Methodik durch das Studium derselben und verspricht sich davon dieWirkung, daß man Lehrer genug finden werde für den Unterricht aller Kinder, aber erfordert doch auch, und er zuerst mit klarer Bestimmtheit, daß unterschiedslos Knaben undMädchen, ob arm oder reich, ob vornehm oder gering, in Schulen unterrichtet werdensollen, und er begründet die Nothwendigkeit des Schulunterrichts nicht mehr bloß, wieLuther 100 Jahre früher, mit dem Hinweis auf die Abneigung oder die Unfähigkeitder Eltern, sondern damit, daß er den großen Vortheil nachweist, den das gemeineWesen habe, wenn ein einziger vollbringe, wozu sonst 30 oder 50 Männer nothigwären, und indem er darlegt, wie solchergestalt sich eine Unterrichtskunst bilden müße,die immer nur der Besitz weniger bleibe. Um Schweden, Polen, Siebenbürgen,Frankreich und England hat der rastlose Mann geworben; für das deutsche Reich hatteer nur Vaticinicn des Untergangs, und doch erschien noch lange vor seinem Tobe der„Schulmethodus," welchen Andreas Reyher, der sich nach Ratich und Comenius gebildethatte, auf gnädigen fürstlichen Befehl Herzog Ernsts von Gotha aufgesetzt hatte (Gotha,bei Peter Schmieden 1642), und dieser Fürst ist auch der erste, der nachweislich derLehrerbildung seine Aufmerksamkeit zuwendete. Wir erhalten darüber von Kehr (vgl.dessen Artikel Sachsen-Gotha Bd. VII. S. 486 ff. und das zweite Heft der von ihmherausgegebenen Päd. Blätter. Gotha 1872) folgende Nachricht:
„Es ist sehr ersprießlich," heißt es in dein Testamente des 1675 verstorbenen Her-zogs Ernst von Gotha, „daß die Lehrer durch Verlag oder Beyhülfe inmittelst an einemgewißen Ort unterhalten, und . . . dasjenige prakticirend lernen . . . worzu sie ins-künfftige gebraucht werden sollen." „Dafern Wir nun bei unserem Leben keine solcheanstatt machen, und einen gewißen ort und Mittel dazu dcputircn kondten, so Werdenunsere Erben und successores inskünsitige, wenn sie durch Gottes Secgcn mehr Mittelereignen, mit der Landtschaft Beyhülfe dieses intent gebührlich zu Werke richten." DerNachfolger Ernsts des Frommen, Friedrich I., kam nicht dazu, dessen letzten Willen aus-zuführen. Die wenigen ihm zu Gebote stehenden Geldniittel brauchte er zu andernZwecken und seine alchymistischcn Versuche hatten nicht den Erfolg, den er ernstlicherhoffte. Ein von Friedrich I. mit eigener Hand geschriebenes und in der herzoglichenBibliothek befindliches Schriftstück, das den Titel führt: Aeta zur neuen großen gothai-schen und altenburgischen Fundation am 18. October 1684, enthält nemlich die merk-würdigen Worte: „Zu Werken der Barmherzigkeit, zu Kirchenschmuck und für Pfarrerund Schulmeister werden hierdurch 4,370,680 Thalcr ausgeworfen und die Mittel hierzuauf den Erfolg der unter Händen habenden Arbeit der Tinctura auf (») und A nachsehr genauer Berechnung angewiesen." Friedrich II. von Gotha gründete die sogenann-ten Lsmiimriu sobolustiou; d. h. er beschied am 20. October 1698 die zehn „geschick-lichstcn Schuhlmeister" vor sein Oberconsistorium und ließ ihnen eröffnen, „daß sie alsHoäorutoros denjenigen, so sich zum Schulwesen appliciren wollen (auch Ounäiäati tüsol.eingerechnet!), mit nöthiger Anweisung an die Hand gehen mögen." Nachdem man,wie es in den Acten heißt, „im Fürstenthumb diese zehn Moderatores erkieset," wurdeihnen auch sofort die Instruction für die Lloäsrutorss oironlornm skiniimrii soüolastioizugefcrtigt und ihnen darin mitgethcilt, daß sie die „so sich zu dem Schul-Ampte ge-widmet, sowohl in denen zum Christenthum und gründlichen Verstand des Katechismi,als auch sonsten zu geschicklicher Führung des Schul-Amptes nöthigen Stücken anweisen ...