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Volksschule.
Wahrhaftigkeit, Lauterkeit, Keuschheit gepflegt, wird der Roheit entgegengearbcitct. Daherdie christliche Volksschule in der That als eine Erziehungsanstalt gelten muß. — Dochaber hüte man sich auch bei diesem Puncte, von ihr nicht über Kräfte zu verlangen, nochden Mund vollnehmcnd, sie als die allgemeine Volkserziehnngsanstalt zu erklären. Eswirken neben ihr und über ihr noch ganz andere und wesentliche Erziehungsmächte: Fa-milie, Gemeinde, Beruf, der Staat, die Kirche mit ihren Einrichtungen, durch den Geist,der in ihnen waltet, nicht minder Zeitereignisse, öffentliche Meinung, die Literatur soweit siein die Kreise eindringt, von welchem die Vvlksschüler aus-, in welche sie übergehen. Dererwachsene Mensch, so manches er seiner Schule verdankt, findet doch in dem Standeseiner Verstandes-, Willens-, Gemüthsbildnng das Resultat von Einflüssen der verschie-densten Art, und es gilt dies ebenso gut von solchen, die bis zur Volljährigkeit in dieSchule gegangen sind, d. h. studirt haben, wie da, wo das eigentliche Lernen mit demKnabenalter schon aufgehört hat. Die Schule ist in der That mehr Product als Factordes allgemeinen Volkslebens. Eine bedeutende Nachwirkung aber hat die in der Schulegenossene Erziehung aufzuweisen, das ist die Wirkung der Persönlichkeit des Lehrers, wodieser ein wirklicher sittlicher Charakter, ein Mann ist. Solch ein Lehrer, der durchGottesfurcht, Ernst, Liebe, Treue fesselt und imponirt, fest wie ein Fels und milde wieeine Mutter, prägt unvertilgbare Spuren in das Gemüth seiner Schüler ein, übt auf Ge-nerationen einen ungesuchten und desto dankbarer anerkannten gesegneten Einfluß, währendder sich hervordrängende Eifer des unerprobten Neulings, mit seinem Erscheinen eineneue Acra herbcizuführen, nur Abneigung, Spott und Widerstand zuwegebringt.
Erziehend in seiner Art wirkt endlich auch das Zusammensein der Kinder in derSchule, sofern diese beim Eintritt in dieselbe aus der Jsolirtheit des eigenen Hauses inein größeres Gemeinwesen, so zu sagen in einen Vor-Staat übertreten, wo das Indivi-duum genöthigt ist, Einseitigkeiten abzuthun, sich anderen anzuschließen, sich in sie zufinden, das Tempo der Gesammtheit sich anzueignen. Wohl hat die Einzelerziehungden Vortheil, das Kind gegen Verführung und Angewöhnung von Roheiten leichter zubewahren, aber die Kanten des Egoismus schleifen sich innerhalb eines größeren Kreiseseher ab und ein sittlich unverletzt durch die Schule Gegangener tritt den Versuchungen derJugendjahre desto gewappneter entgegen. Das Stämmchen aus freigelegener Baumschulemacht die Versetzung ins offene Land sicherer durch, als eine im Zimmertopf gezogenePflanze. Aber wo viele beisammen sind, muß das Auge der Aufsicht immer offen stehen,nicht bloß um Ansteckungen des Lasters zu verhüten oder zu entdecken, sondern namentlichauch um der Schwachen und Blöden willen, die von rohen Kameraden mishandelt ver-kümmern und oft auf lange Jahre hinein verschüchtert werden. Auch sollte überhauptdafür gesorgt werden, daß kein Schulcomplex einen Umfang erhält, der zu Erbauungvon Schulkascrnen nöthigt, da es regimenterweise ein- und ausströmt und fast unmöglichist, wildem Wesen zu steuern.
Fassen wir ins Auge, was im Vorstehenden von den Aufgaben der Volksschule ge-sagt ist, so ergiebt sich von selbst, welche Anforderungen an die Volksschullehrerzu machen sind, an ihr Wissen und Können, wie an ihr Verhalten. Auch wenn manganz auf dem Boden einer nüchternen Betrachtung bleibt, so werden es doch der An-forderungen an das, was diese Lehrer zu lernen und zu leisten haben, nicht wenige undkeineswegs leicht zu befriedigende sein. In den meisten Fällen wohl selbst aus der ein-fachen Volksschule hervorgegangen, haben die Seminaristen im Laufe einer verhältnismäßigkurzen Bildungszcit sich in den Materien dessen, was allgemein in der Schule gelehrtwird, wie in den Methoden, wonach dies zu geschehen hat, einheimisch zu machen, injenen aber selbstredend einen umfassenderen Kreis von Kenntnissen sich anzueignen, alsder zum unmittelbaren Schulgebrauche uothwendig wäre; wenigstens gienge es widerdeutschen Sinn und Brauch, den Schulmeister zum bloßen Sprachrohr dessen zu degra-diren, was im Leitfaden steht, ihn auf ein unfreies Betreiben dessen zu beschränken, wozu dasSeminar dresstrt hätte. Hiezu kommt um des Schulgesangs willen die Uebung im