Volksschule.
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zubringen sind, wie solche in andern auf später zu erreichende Ziele angelegten Lehr-anstalten nicht so angemessen erscheinen kann.
Was vorhin wider die Methodenjägerei gesagt worden ist, möge indessen nichtdahin misdeutet werden, als ob das Verdienst des vielen emsigen Suchcns nach demZweckmäßigen und Besten geschmälert, als ob nicht anerkannt werben wollte, daß beidiesem Suchen doch wirklich auch Gutes gefunden worden ist. Man denke nur an diegewonnene große Erleichterung beim Leseunterricht; ferner an die das Denken zugleichübende Behandlung des Rechnens, wiewohl hierin leicht des Guten zu viel auf Kostender praktischen Fertigkeit geschieht; am wenigsten dankbar wollten sich lange Zeit diemannigfachsten Bemühungen um eine zweckmäßige Ertheilung des Sprachunterrichtszeigen und es ist auch bis auf den heutigen Tag ein ökumenischer Weg nicht entdeckt.
Hier aber ist der Ort, auf den überaus ungünstigen Einfluß hinzudeutcn, welchenein häufiger Wechsel der Methoden in der Volksschule ausübt. Wird es ncmlich schoneinem wissenschaftlich gebildeten Lehrer schwer, z. B. seine gewohnte lateinische Grammatikzu verlassen und eine andere zu gebrauchen, die nach vom bisherigen abweichenden Ge-sichtspuncte geordnet ist, die Regeln in neuen Ausdrücken giebt, wie viel saurer muß cseinem einfachen Schulmeister werden, im höheren Alter sich den Gang auf ungewohntenGeleisen anzueignen. Er hat Jahre lang das Erforderliche treulich geleistet, und nun soller und sollen seine Schüler sich in ganz neue Formen und Ausdrücke finden. Darübergeht viele Zeit verloren, es entstehen Konfusionen, es sinkt der Muth, und Fächer, dienach der alten Weise gut gegangen waren, leiden noth unter der Mühsal des neuenBetriebs. Man glaubt nicht, wie viel Schaden das Dringen auf Umänderung derMethoden stiftet, selbst wenn diese wirklich besser sind als die alten, was doch nichtimmer der Fall ist; und ehe man einem bejahrten treuen Schulmann die Neuerung zu-muthet, darf man wohl sich fragen, ob dies auch menschlich nicht nur, sondern in derThat ob es zweckmäßig ist und zu einem Resultate führt. So dankenswerth die mancherleiwohlgemeinten und scharfsinnigen Vorschläge sind, wie an diesem und jenem Unterrichts-gang das Unvollkommene corrigirt, das Gute noch besser gemacht werden möchte, —beweisen sie doch das Bemühen, der schweren Schularbeit unter die Arme zu greifen,der Volksschule zur Leistung des Bestmöglichen zu verhelfen, — die thatsächliche Wirkungdavon ist nicht selten ein Rückgang in den Erfolgen des Unterrichts, und man darf wohlsagen: die Volksschule würde mehr leisten, wenn sie weniger Beunruhigung durch Me-thodenwechsel zu erleiden hätte, wenn die viele Reibung nicht wäre, welche beim Ueber-gang von einem Geleise in das andere entstehen muß; und muß man anch an mehr-classigen Schulen darauf halten, daß sich alle Lehrer einer möglichst conformen Lehrweisebedienen, wobei einer dem andern in die Hände arbeitet, so habe man wenigstens einEinsehen an der einclassigen Schule und lasse dem Lehrer seinen gewohnten Gang, wenner bei demselben doch seine Ziele erreicht hat. Das aber muß als eine allgemeine Regelanerkannt werden, daß unter allen Lehranstalten keine sich weniger zun: Experimentireumit Methoden eignet als gerade die Volksschule, und daß unser einfaches Landvolk eben-sowenig berufen ist, seine Jugend als seine Aecker zu einer Versuchswirthschaft herzu-geben.
In allem Bisherigen ist wesentlich vom Unterrichten die Rede gewesen; wir habenaber auch noch die erziehende Aufgabe der Volksschule in Betracht zu nehmen. EineAufgabe, welcher jedoch zu einem nicht geringen Theil schon durch den Unterricht selbstentsprochen wird, soferne dieser zum aufmerkenden Sichsammeln führt, im Sichmühegebenund Fleißigsein übt, dadurch die Willenskraft weckt und stärkt, Geist und Gemüth aber inBewegung setzt, in Athem erhält, so daß ein wohlgeschulter junger Mensch schon dadurcheine Erziehung für das Leben empfangen hat. Dazu kommt der Einfluß eines geregeltenSchulwesens auf das äußere Benehmen der Kinder — Ordnung, Pünctlichkeit, Reinlich-keit; vor allem aber die erziehende Macht der Religion; mit der Pflege der Furchtund Liebe Gottes werden zugleich die Tugenden der Nächstenliebe, des Gehorsams, der