Volksschule.
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In anderer Weise geben diejenigen zu denken, welche zwar nicht die Religion ansich, aber die positive Religion von der Volksschule ausgeschlossen sehen möchten; oderzwar nicht die positive christliche Religion, wohl aber die confesstonell ausgeprägte. Ein-fach und allgemein lasten sich die hiemit aufgetauchten Fragen nicht lösen. Giebt esdoch Umstände, unter welchen, wie z. B. dermalen in England, bei Errichtung vonVolksschulen das Konfessionelle fcrngehaltcn werden muß aus Gewistensgründen, alsoohne Zweifel aus Religion. Will man dort für die Masse von Kindern, welche sonstohne allen Unterricht aufwachsen, Schulen gründen, so dürfen wegen der Rücksicht aufdie Verschiedenheit und Eifersucht der Denominationen die Thürcn nicht confesstonell ver-engt sein. Daß in einem solchen Fall der Religionsunterricht nicht mehr das Centrumder Schule sein kann, ist einleuchtend; er tritt vielmehr außerhalb des eigentlichen Schul-unterrichts auf, und nur das kann verlangt werden, daß letzterer nicht eine solche Aus-dehnung gewinne, bei welcher für jenen keine Zeit mehr übrig bleibt. Aehnliche Zu-stände erheischen ähnliche Rücksichten, rufen ähnliche Maßnahmen hervor, und es magwohl kommen, daß auch in Deutschland nach und nach an dem einen und andern Orteine nach Confessionen und Secten bunt gemischte Bevölkerung solche Einrichtungennöthig macht, wie sie in England getroffen sind.*) Aber ein anderes ist es, aus Pflichtder Gewissensschonung von dem altbewährten Charakter der Volksschule abweichen, einanderes, dem unverständigen Tagesgeschrei nachgeben, welches auch da nach Communal-schulen ruft, wo eine Konfessionsschule den gegebenen Verhältnissen entspricht, wo in ihrerEinrichtung, in dem Geist, welcher sie durchweht, nur der religiöse Glaube der Gemeindeselbst sich widerspiegelt. Ungebrochenes Gcmeindelebcn erfordert ein ungebrochenes Schul-lebcn. Man wolle cs aber nicht misverstehen, wenn wir der Confessionsschule unter die-sen Verhältnissen das Wort reden. In der Confession eines christlichen Gemeinwesensist die Hauptsache das Christenthum selbst, nicht aber der Confessionalismus. Die Schulemuß innerhalb der Grenzen des kirchlichen Dogmas das allgemein Christliche pflegen,ein outrirtcr Confessionalismus wäre gegen ihre Aufgabe, er widerspricht der Empfäng-lichkeit wie dem Bedürfnis der kindlichen Natur. Der Ruf nach Communalschulen mußin solchen Gegenden, wo extreme kirchliche Richtungen sich der Schule bemächtigt haben,als ein gerechtfertigter angesehen werden, wiewohl er zugleich ein Beweis davon ist, daßdort eben das obrigkeitliche Regiment seine Schuldigkeit nicht gethan hat, es sei ausGleichgültigkeit oder aus Willfährigkeit gegen einen durch Nachsicht verwöhnten, herrsch-begierigen Klerus. Unsere evangelische Volksschule aber wird der obigen Forderung un-schwer gerecht. Sie treibt das allgemein Christliche in der biblischen Geschichte,durch Einführung in die Bibel mittelst fleißigen Lesens und mittelst der Erklärung desGelesenen. Hier ist ein breites, reiches Feld für Pflege der Religion, und zwar einersolchen Pflege, durch welche zugleich das allgemein Menschliche gepflegt, Gemüth undVerstand angeregt, die mannigfaltigsten Erscheinungen in dem Leben der Völker wie deseinzelnen Menschen ins Licht gestellt werden. Denn die Bibel ist nicht nur voll vonSprüchen der Weisheit, der ernsten Ermahnung und Warnung, des Trostes, sie enthältzugleich eine Fülle von Paradigmen aus dem Leben und für das Leben. Wie spiegeltsich doch in den prophetischen und historischen Büchern des alten Testaments die Wirk-lichkeit der menschlichen Dinge mit einer Klarheit und allgemeine Gültigkeit ansprechen-den Treue ab, daß man oft sich sagen muß: so ist es heute, so bei uns. Für wiemanche Fälle des Lebens hat die h. Schrift das bündige Wort, das sie zeichnet und trifft,das Geschichtsbild, welches aus knappem Rahmen uns entgegen tretend das Gegenwärtigeals eine Wiederholung des vor Tausenden von Jahren Geschehenen anschaulich vor dieBetrachtung stellt. Will man es nun freilich Confessionalismus nennen, wenn wir in
*) Vgl. den Vortrag von De. C. G. Firnhabe r in der Stettiner Versammlung des Gustav-Adolfs^ ereins über „die interconfessionellen Zustände und die evangel. Diaspora in Nassau (Leip-zig, G. Kreihing, 1671)."
Pädag. EnchllopLdic. X.
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