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Volksschule.
tcn Gewinn. Wer sieht es nicht, daß auch hier das misbrauchte Utilitätsprincipin die Schule eingreift und sie beschädigt. Lasse man den Schüler an seinem Ort, nachdem Vermögen und Bedürfnis seines Alters recht singen, so wird er hernach am andernOrt und in den späteren Jahren es auch vermögen; spannt man ihn dort zu frühe anund ein, so geht es nach Rükerts Brahmanen-Spruch: wo Uebcrtreibung, da bleibt nichtaus die Untcrbleibung. — Soll in der Schule auch sog. weltlicher Singstoff eingeübtwerden? Mit Vorsicht, ja, und mit Maße. Beim Landvolk ist ein starkes Aber da-gegen; es nennt Schclmenlied, was unverfängliche Texte hat, wegen der Ähnlichkeit imRhythmus; seit Jahrzehnten hat man ihm in Aussicht gestellt, durch gute Volksliederwerde das wüste Wirthshaus- und Gassengeschrei mit seinem rohen, unfläthigen Inhaltverdrängt, und dennoch singt, schreit, brüllt — so sagen die Alten — unsere Jugendbald nach der Schule auf denselben Schlag; mancher freilich vergißt dabei, welchen Bei-trag zu der bösen Tradition er selbst in früheren Jahren geliefert hatte. Man wirdeinem fanatischen Widerstand gegen die Pflege eines gesunden Volksgesanges nicht nach-geben dürfen, aber gute Auswahl ist nöthig — für die Kleinen, daß ihnen nicht unterdem T'tel von Kinderliedern kindisches Zeug geboten wird, für die ältern Schüler, daßsie nach Inhalt und Melodie etwas erhalten, wovon sie auch später noch gerne Gebrauchmachen. Patriotisches ist vornehmlich den Knaben zu gönnen. Das gesellige SingenErwachsener hat den nicht gering anzuschlagenden Werth, daß es die heitere Stimmungan dem sonst so schnell eintretenden Umschlagen in das Frivole verhindert, der Fröhlich-keit einen geordneten, anständigen Ausdruck verleiht, zum Maßhalten beiträgt. Wasdaher der Singunterricht in der Schule thun kann, um den Volksgesang zu veredeln,demselben geübte Stimmen zuznführen, edle Gesänge zu überliefern,*) das soll er thun,und wird es nicht vergeblich thun; denn daß trotzdem immer noch so vielfach ein wüstesGeschrei zu hören ist, berechtigt keineswegs dazu, die Arbeit der Schule für eine vergeb-liche zu erklären. Natürliches Kraftgefühl, jugendlicher Uebermuth, innere Rohheit durch-brechen oft die Schranken jeder Disciplin und nicht bloß bei solchen, welche durch dieniederen Schulen gegangen sind.
In dem bisherigen Gang der Untersuchung über die Aufgabe der Volksschule habenwir den Fertigkeiten, den weltlichen Stoffen und den der Kunst zugewandten Gegen-ständen des Unterrichts den Vortritt gelassen; aber den Vorrang lassen wir ihnen darumnicht. Dieser gebührt der Religion, als dem Centrum des Unterrichts in dieserGattung von Lehranstalten. Unbestritten ist ihr derselbe allerdings nicht, ja die Sachesteht vielmehr so, daß ihr sogar das Recht streitig gemacht wird, überhaupt einen Platzunter den Lehrfächern einzunehmen.
Unter den Motiven dieser Abneigung steht voran der ausgesprochene materialistischeund atheistische Haß gegen alle Religion, und die Ausbreitung jener atheistischen Grund-richtung schreitet fort, erstreckt sich in alle Volksschichten, hat namentlich die Arbeiter-kreise erfaßt, und selbst schon zu der ländlichen Bevölkerung den Weg gefunden. Um soentschiedener muß die Volksschule ihren religiösen Charakter behaupten, und die Kindcr-seelen waffnen gegen einen Feind, welcher für Schule, Kirche, Staat und Gesellschaftgleich gefährlich und verderbenbringend ist. Denn hier handelt es sich nicht mehr vondem theoretischen Atheismus einzelner verirrter Denker, sondern von einem wesentlichaufs Praktische gerichteten, dessen Tendenzen nach dem allgemeinen Umsturz trachten, undder die Religion vernichten will, um alles, worein sie ihren Einfluß erstreckt, was durchsie gehalten und mitgehalten wird, zu zertrümmern und dadurch Raum und Materialfür seinen Bauplan zu gewinnen. Im Hinblick auf diese Erscheinungen muß die Pflegeder Religion in der Schule zugleich als von allgemein socialer Bedeutung erkannt undmuß jede Staatslenkung, welche solches miskennt oder gar frivolem Angehen wider dieReligionspflege Vorschub leisten wollte, als eine mit Blindheit geschlagene bezeichnet werden.
) Vgl. den Art. Volkslied. D. Red.