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10 (1875) Vocabellernen - Zwingli und Nachtrag
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Volksschule.

unserer evangelischen Schule die religiöse Unterweisung auf die Bibel gründen, an siehauptsächlich anknüpfcn, dann müßen wir uns den Namen gefallen lassen, müßen aberdamit die Behauptung verbinden, daß es eine Beraubung des evangelischen Volkes undeine Verkürzung der wesentlichsten Erziehungsintcresscn wäre, wenn unsrer Volksschuleum jenes Namens willen die Bibel genommen werden wollte. Ganz besonderes Unrechtaber würde der evangelischen Kirche angcthan, wenn in Staaten mit Schulzwang derchristliche Unterricht von der Schule ausgeschlossen und den Geistlichen überlassen würdezu sehen, wie sie die Stunden erübrigen, in welchen die Kinder von ihnen unterwiesenwerden. Unsere Kirche hat nur wenige religiöse Uebungcn, an welche sich das Kind ge-wöhnen kann seine Andacht und fromme Gemüthsbcwegung anzuknüpfen, wie solches in

einer ceremonienreicheren Rcligionsgcnossenschaft geschieht. Bei uns liegt das meiste ander durch Lernen vermittelten Fähigkeit, sich des Schriftworts zu erinnern, daraus dieUcbcrzeugungen zu schöpfen und zu befestigen, daran sich im Thun wie im Leiden zu

halten, und eS gehört zur evangelischen Mündigkeit, daß ein jeder Rechenschaft geben

kann von der Hoffnung, die in ihn: ist. Bei uns muß der in die Einsicht und das Ge-wissen übcrgcgangene gemeinsame Glaube das Band sein, den Haupthalt abgebcn für die kirch-liche Vereinigung; das Princip und das Recht der evangelischen Kirche lassen keine Hierar-chie als glaubensmäßige Lcnkerin der Gemeinschaft zu, und was von kirchenregimcntlichemWalten einer christlichen Obrigkeit durch die Reformation anvertraut worden ist, daskann seiner Natur nach weder berechtigt noch im Stande sein, ein Analogon des hierarchi-schen Ansehens abzugeben. Daher auch um der kirchlichen Ordnung willen und vomStandpunct einer gerechten und gesunden Staatsleitung aus wird der evangelischen Volks-schule ihr biblisch-christlicher Charakter gewahrt und wird nicht nur den offenbar undausgesprochen kirchenfeiudlichen Tendenzen entgegengetretcn werden müßen, sondern auchden oberflächlichen und leichtsinnigen Forderungen der Tagesmeinung, deren Träger für-wahr in mehr als einer Hinsicht nicht wissen, was sie thun, namentlich keine Ahnungdavon zu haben scheinen, wem zuletzt eine des evangelischen Glaubens baare und ebendamit des Fundamentes innerer Freiheit entbehrende Bevölkerung in die Netze getriebenwürde.

In evangelisch-confessioneller Beziehung ist also vor allem der biblische Unterrichtin der christlichen Religion zu beanspruchen; damit soll jedoch das Eingehen auf daskirchliche Dogma nicht ausgeschlossen sein, kann es auch in der That nicht, wenn manerwägt, wie die Lehren von Sünde und Gnade diese centralen Lehren der Kirchender Reformation von der Schrift getragen werden, wie sie namentlich in den Büchern -des Neuen Bundes an das Helle Licht getreten sind. Auch die christliche Sittenlchrc, !der Unterricht von dem, wie man leben, steht mit dem Unterricht darüber, was manglauben soll, in unzertrennbarem Zusammenhang. Einer Schule daher, welche den cvan- !gelischen Charakter bewahren soll, darf der Katechismus nicht fehlen, noch die dessenGrundlehren erläuternde und beleuchtende Auswahl von Sprüchen, welche dem Gedächt-nis einzuprägen sind, gleichwie ihr auch das evangelische Gcmeindclied des Gesangbuchs ^nicht fehlen darf.

Hier nun aber sind einige Worte über das Memoriren des religiösen Stoffesaus Bibel und Gesangbuch und aus dem Katechismus am Ort. Wir stehen nicht an,diesen Gegenstand des Unterrichts und der Uebung auch der heutigen evangelischen Volks- ^schule zu viudiciren. Ein in dem Gedächtnis sicher niedcrgclegter Schatz von religiösen ;Grundwahrheiten gehört zur Ausstattung des evangelischen Schülers für das Leben.Andere Fächer sorgen für die Aneignung von Fertigkeiten und Kenntnissen, welche zumFortkommen in der Welt beitragen, die bürgerliche berufliche Thätigkeit fördern; nebenihnen gilt es aber auch dafür zu sorgen, daß der Jüngling, die Jungfrau von den ;Stimmen begleitet werden, die gegen Versuchungen warnen und schützen, daß denen, welchehernach durch manchen Kampf mit Sorg und Noth sich durchzuschlagcn haben, das Wortder Stärkung und Ermuthigung nicht fehle, daß der Mensch im Leiden und Sterben