Volksschule.
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dem Lehrer mit Recht erwartet, daß was er den Kindern aus dem Buche der Naturmittheilt, dem Geiste nicht widerstreiten darf, welcher in dem Buch der Bücher spricht.Ein ungezwungenes Hindeuten auf die Spuren göttlicher Weisheit in dem, was wächstund lebt, macht den Unterricht Heller und weither für das kindliche Gemüth.
Im Bisherigen war die Rede theils von den Fertigkeiten, theilö von den Wissens-stoffen; es fragt sich nunmehr auch noch, ob und was von Künsten für die Volksschuleals passend und nöthig anzusehen sei.
Hiezu kanu vorerst schon das Schönschreiben nach einer Beziehung wenigstensgerechnet werden, insofern bei diesem neben der corrccten Darstellung der Lautzeichenauch Gefälligkeit, Kraft und Anmuth in Betracht kommen. Es genüge aber hier zusagen, wie es außerhalb des Bedürfniskreiseö liegt, auf Künstlichmanierirtcs hinzuarbci-ten. Unsere Schüler sind nicht berufen, Diplomeschreiber zu werden; die Schönschreib-vorlagen, welche man ihnen zum Muster giebt, müßen sich möglichst der Einfachheit be-fleißigen, so daß sie auch schnell geschrieben werden können, nicht gemalt zu werdenbrauchen. Je mehr unnöthiges Beiwerk an Schnörkeln, je langsamer geht es beimDictirtschrciben, beim Ausarbeiten von Aufsätzen, also bei dem, wobei eigentlich gelerntwird. Mit kunstvollen Schönschriftprobcn kann man bei einer Prüfung, einer Ausstel-lung die Augen der Menge bestechen, der Kundige sieht nach den Aufsatz- und Dictir-heften, danach bemißt er, was der Schüler von seinem Schreibunterricht in das Lebenmitnimmt.
Zeichnen wäre allen Volksschülern zu gönnen, sofern die Zeit reicht und die Mit-tel zur Anschaffung von dem nöthigen Material. Schade, wenn eine wirkliche Begabungdurch den Mangel an Gelegenheit, sich ihrer selbst bewußt zu werden, im Schlummerliegen bleibt. Auch ist ein verständig betriebener Zeichenunterricht bei den Schülernbald sehr beliebt, sie sehen mit jeder Stunde einen Fortschritt, und das spornt; cs gehenihnen die Augen auf, Messen und Vergleichen, kurz Verstehen kommt in den Blick; werdas Zeichnen irgend mit Erfolg geübt, geht mit einem Sinne weiter durch die Welt.Darum erzeigt mau vielen eine große Wohlthat, wenn für Gelegenheit zu lernen durchbesondere Anstalten für jüngere und herangewachsene Knaben, auch für Mädchen reich-lich gesorgt wird. In der gewöhnlichen Schule sollte wenigstens durch einiges Betreibender sog. Formenlehre (Linien, Winkel, geometrische Figuren von einfacher Art) etwasfür die Uebung des Formensinnes gcthan werden; ein Lehrer aber, der den Unterrichtverständig zu geben vermag, wird sich dankbare Schüler ziehen, wenn er für Fähigeund Willige etliche Freistunden zu opfern sich entschließen kann.
Singen dagegen ist die Kunst für alle Volksschüler; die Begabung dafür mit sel-tenen Ausnahmen eine allgemeine. Jedoch wenn beinahe jedes Kind ein vorgcsungenesleichtes Liedchen im Chore nachsingt, so folgt daraus noch nicht, daß Gcsanguntcrrichtertheilt ist. Stimmübungen, und zwar mit Rücksicht auf den natürlichen Tonumfang undmit vorsichtiger Erweiterung desselben sind unentbehrlich, ebenso Uebungen des Taktesund der Intervalle. Viel verderbt wird durch Mehrstimmigkeit, womit man glänzenmöchte. Da werden erstlich Discantisten, weil sie gute Treffer sind, zum Alt gezwun-gen, Misten, weil sie's nicht sind, in die Oberstimmen hinaufgedrängt. Fürs anderemuthet man den Armen zu, zweistimmig aus vierstimmigem Satz zu singen, was nahezuunmöglich ist und unter allen Umständen mangelhaft, meist häßlich klingt. Gegenübervon dieser Ungebühr muß für die Schule mit aller Bestimmtheit verlangt werden, daßwas die Kinder als Gesammtheit singen, für sich selbst einen Sinn hat und den rich-tigen befriedigenden Klang gibt; man sorgt auch schlecht genug für den Volksgesang,wenn Gehör und Stimmen der Kleinen schon an unreines und falsches Tönen gewöhntwerden. Sollen aber die Schüler zu einem vierstimmigen Chorgcsang in der KircheMitwirken, so genügt es, die besten Altisteu in besonderen Uebungen darauf vorzubereiten.Dabei wird etwas erreicht, bei der andern, verkehrten Behandlungsweise kommt derSchulgesang um Wohlklang und Erbauung und der Kirchengesang zu einem zweifelhaft