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Volksschule.
lernend und übend fortzuschreiten, hiebei sowohl anzuknüpfen an das schon Gelernte alsauch neue Kenntnisse sich zu erwerben.
Was wir anläßlich des Unterrichts in der Naturlchre bemerkt haben, das gilt auchin seinem Maße hinsichtlich der Mittheilungcn aus der Naturgeschichte. Die Frageist: was soll in der Volksschule aus Zoologie, Botanik, Mineralogie beigcbracht, undwie soll es beigebracht werden? — Eine Fähigkeit und ein Interesse für Verständnisdieser Naturdinge ist bei den meisten Schülern naturgemäß vorauszusehen; wenigstensden Kindern des Dorfs und derjenigen Städtchen, worin Ackerbau und Viehzucht getrie-ben wird, liegt es nahe, ihre Gedanken auf Pflanzen, Thicre, Boden- und Stcinartenzu richten, während man bei den Volksschülern größerer Städte Mühe hat, die Auf-merksamkeit hiefür zu gewinnen. An einen systematischen Vortrag der betr. Lehre darfnatürlich nicht gedacht werden, aber es ist schon etwas erreicht, wenn die Schüler an-geleitet werden, den Boden ihrer Accker, die Schichtung der Stcinbrüche, der Eiscnbahn-einschnitte u. s. f. mit betrachtenden und vergleichenden Augen anzuschauen und einigeEinsicht in die Gründe der Gcwohnheitsregeln zu gewinnen, wornach schon ihre Urgroß-väter sich beim-Anbau der Felder mit Erfolg gerichtet haben. Bedenklich aber wäre csin mehr als einer Hinsicht, durch die Volksschule neue Weisheit in solchen Dingen pflan-zen zu wollen, die Schüler mistrauisch zu machen gegen die Praris der Väter. DerLandmann ändert sein System nicht gerne; er weiß auch warum, und müßte — wiez. B. der unlängst celeber gewordene Streit wissenschaftlicher Großen über die Dünger-lehre gezeigt hat — es gar oftmals ändern, wenn er jeder Tagesmeinung der Theore-tiker zu folgen hätte. Ihn belehrt am sichersten die Erfahrung, und wenn er an einemneuen System positiv gute Wirkungen sehen kann, so befreundet er sich vorsichtig undallmählich mit demselben. So kann ein tüchtiger Lehrer durch Anlegung einer Baum-schule, durch Veredlungen der Bäume in seinem Dorf eher zu Ehren kommen, als durchPolemik gegen Schlendrian re. der Bauern in der Fortbildungsschule, und kann dieFähigen unter seinen Schülern mit Nutzen zu solchen Beschäftigungen anleiten, worin erselbst sich als praktisches Muster erprobt hat. Daraus aber, daß es der eine und andereLehrer versteht, folgern, daß nun alle Dorsschulmeister landwirthschaftliche Musterlehrerwerden müßen, ist auch eine mit dem Titel „Volksschule" zusammenhängende ungereimteUcberforderung, mit welcher ebenfalls wie mit andern ähnlichen die Ueberforderung andie Leistungen unserer Lehrerseminaricn zusammenhängt. — Gewiß ist es von gutemEinfluß auf das geistige Erwachen der Kinder und trägt auch einiges zur praktischenVerständigkeit bei, wenn sie in der Schule gelehrt werden, die ihnen vom Ansehen undGebrauch her bekannten Pflanzen nach ihren wesentlichen Bestandtheilen und nach ihrenUnterschieden kennen zu lernen, und so einigermaßen einen Begriff von Wachsen, Blühen,Zurfruchtwerden zu erhalten; bei den Giftpflanzen ist dies überdem nothwcndig zurAbwehr von Gefahren für Gesundheit und Leben. Aber ein ganzes botanisches Systemihnen beibringen zu wollen, wäre ebenso unnöthig als vergeblich. Aehnlich verhält essich mit dem, was ans der Thierwelt vorzuführen ist; doch daß hier auch noch dermoralische Gesichtspunct hinzutretcn, der Thierquälerei gesteuert, über die der Landwirth-schaft nützlichen und schädlichen Thiere Belehrung beigcbracht werden muß. Soll übrigensetwas dabei gelernt werden — und in der Schule darf man nichts treiben, was nichtzugleich disciplinirt — so ist es unerläßlich, gewiße Sätze für das Wissen und Behaltenzu fixiren; bloßes Vorzeigcn und docirendes Abhandcln wirkt zerstreuend und ermüdend,das Kind nimmt nichts davon mit für sein Leben. — Wir enthielten uns auch noch diePflicht keuscher Behandlung der Naturdinge anzudeuten, wenn es nicht bekannt wäre,daß hier theils durch Mangel an Vorsicht, thcils durch Ueberfluß an Systematisirung(ein verbreitetes Schulblatt brachte vor einigen Jahren eine Abhandlung über die Milch,worin vom Unterschied ihrer Beschaffenheit je nach der Haarfarbe der Mutter die Redeist) gefehlt werden kann. — Ob auch schon für Darwin der Eingang in Volksschulengesucht worden ist, wissen wir nicht, wohl aber, daß der bessere Theil des Volks von