Volksschule.
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es, lehrend zu disciplinircn; es soll nicht bloß Unterhaltung sein, sondern Lernarbeit, beider gesammelt und angeeignet wird. — Nicht ohne Nutzen für das Gemüth wie für dasGedächtnis knüpft man dem Erzählten da und dort Gedichte an; sie werden zugleich einGemeingut des Volkes, nur soll man das beste wählen nach Gehalt und Sprache.
Wir haben von den sogenannten realistischen Fächern Geographie und Geschichtezuerst genannt. Sie verdienen den ersten Rang auch darum, weil sie für die Schülerfaßlicher sind und minder schwer zu behandeln für den Lehrer als die beiden andern, vonwelchen noch die Rede sein muß.
Besonders schwierig erscheint das Fach der Naturlehre oder — um den Mundweniger voll zu nehmen — die Auswahl, wie der Vortrag dessen, was aus diesem Ge-biet der Volksschule zu gut kommen soll. Es fragt sich: für welche Theile des reichenStoffcomplexes spricht das natürliche Interesse der Schüler und das Lebensbedürfnis?und da wird man nicht anstehen, der Mechanik den ersten Platz cinzuräumcn, d. h. ausder Mechanik einer Belehrung über Hebel, Flaschenzug, schiefe Ebene, Brunnen, Feuer-spritze; denn das ist Belehrung über Erscheinungen und Arbeiten, welche die meistenSchüler zu sehen und mitzumachen Anlaß haben und — was besonders zu beachten —daran können und müßen sie lernen, sofern ein verständiger Unterricht hierüber sich inVerbindung mit dem Rechnen zu setzen weiß, und sofern die betreffenden Erscheinungenin faßlichen Sähen auch dem Gedächtnis überliefert werden können. — Ferner liegtnahe, über Wärme und Kälte, deren Einfluß auf die Körper zu reden, indem man dieLen Schülern zugänglichen Erscheinungen dazu verwendet, wodurch ein verständigeresAnschauen und Aufwecken angebahnt wird. Sodann einiges über flüssige und lust-förmige Körper, z. B. Dampf; nur soll man nicht meinen, den Schülern eine Dampf-maschine durch bloße Zeichnungen verständlich machen zu können; derlei Versuche kostenMühe und Zeit, bringen aber kaum eine Frucht. Das Gleiche ist der Fall mit demVorzeigen der Erscheinungen bei der Elektricität und des Elektromagnetismus; denn ab-gesehen von dem häufigen Mislingen der Versuche, zumal in einer vollbesetzten Schuleoder bei ungünstiger Witterung, so wird jeder nüchterne Lehrer bezeugen, wie leicht Zer-streuung undUnarten sich dazu einsinden und welche Mühe man hat, hernach wieder dieSchaar in ein geordnetes Aufmerken zu bringen. Wohl mag man sich freuen, da unddort Augen warzunehmen, in denen etwas von Verständnis aufblitzt, aber wie vieleandere sitzen da stumpf und theilnahmlos oder mit den Gedanken überall, nur nicht beidem Gegenstand. Das wenige, was vom Magnet gezeigt werden kann, erfordert nichtviele Zeit; ebenso was über Vergrößcrungs- und Brcnnglas mitgetheilt werden kann.
Wohl hören wir den Einwand: soll denn dem Volk die Einsicht in die Natur vor-enthalten, sollen ihm nicht deren Gesetze deutlich gemacht, eingeprägt werden u. dgl.?Wir antworten: saget statt „Volk" — Kinder, so ist die Frage schon mehr als halbgelöst. Das ist einer der Nachtheile des Titels „Volksschule," daß er zu Steigerungender Ansprüche und Erwartungen verleitet, die an diese Schule gemacht, von ihr gehegtwerden, und welche über deren Lehr- und Lernkräftc gehen. In allewege soll in derSchule Anschauung und Bewußtsein geweckt, erweitert werden, damit im nachfolgendenLeben das Verständnis wachsen, der Mensch sich auch selber weiter bilden und zurecht-helfen kann; aber was hiefür geschieht, darf nicht auf Kosten der elementaren Kenntnisseund Fertigkeiten geschehen, denn in diesen liegt der geistige Handwcrkzeug, wenn manso sagen darf, von dessen tüchtiger Instandsetzung der geistige Fortschritt allermeist ab-hängt; was von sonstigen Kenntnissen beigebracht werden will, das darf nicht zerstreuendwirken, sondern hat nur dann einen bleibenden Werth, wenn es zugleich zur Sammlungdes Verstandes und Gemüthes beiträgt, d. h. Wenn wirklich dabei gelernt wird, wennder Unterricht disciplinirend wirkt. Die Volksschule sorgt am sichersten für das Volk,wenn sie bei jedem Unterrichtsfach zugleich das Lernen lehrt, wenn sie ihre Schüler alsgeistig gesammelte Menschen entläßt; dann sind diese im Stande, beim Eintritt in dieallgemeine Volksschule des Lebens, des Berufs, des persönlichen und Familieninteresscs